Eine Frau bekommt in Äthiopien eine Dosis des AstraZeneca Corona-Impfstoffs injiziert.  | dpa

Strategie von IWF und Weltbank Impfungen als globale Wirtschaftspolitik

Stand: 08.04.2021 19:47 Uhr

Der Internationale Währungsfonds und die Weltbank warnen vor der Gefahr, dass die ärmsten Länder in der Pandemie weiter zurückfallen - auch weil es an Corona-Impfstoff mangelt.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Kristalina Georgiewa wirkt entspannter als noch vor einem halben Jahr. Für die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist die Strategie des großen Geldes aufgegangen. Die Pandemie habe die schlimmste Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst, aber ohne die Billionen an Finanzhilfen der großen Notenbanken und die Unterstützung des IWF für die ärmeren Länder wäre die Wirtschaft drei Mal so heftig eingebrochen. Das hätte zu einer neuen großen Depression führen können.

Arthur Landwehr ARD-Studio Washington

Die Gefahr hält die IWF-Chefin für gebannt. Aber jetzt beginne die Aufbauarbeit, um einer ganz neuen Gefahr entgegenzuwirken: dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter und schneller auseinander geht. "Eine kleine Gruppe von Industrie- und Schwellenländern, angeführt von den USA und China, gehen voran. Schwächere und ärmere Länder fallen zurück, wenn sich alle unterschiedlich schnell erholen", so Georgiewa.

Kredithilfen für viele Länder

Der IWF hat im vergangenen Jahr 86 Ländern mit schnellen und hohen Krediten geholfen, die eigenen Volkswirtschaften einigermaßen am Laufen zu halten. Vor allem Arbeitsplätze zu erhalten war das Ziel, und dafür hat man auch eine weitere Verschuldung in Kauf genommen. Von alleine kämen sie da nicht mehr heraus, sagt David Malpass, der Präsident der Weltbank. 

Die G20 Finanzminister haben den Schuldendienst gerade weiter gestundet, aber jetzt komme es auf nachhaltige Hilfe an, sagt Georgiewa. "Da ist das Risiko einer wirtschaftlichen Vernarbung. Dauerschäden aus verlorenen Jobs, Verlust von Bildung, Pleiten, extremer Armut und Hunger."

IWF und Weltbank wollen nun an drei Stellen ansetzen. Letztlich sei jeder schnelle Erfolg von schnellen Impfungen auch in den ärmeren Ländern abhängig. Die reichen Nationen mit großen Beständen an Impfstoff dürften eines nicht vergessen: Globale Impfpolitik sei Wirtschaftspolitik mit langfristigen Folgen. "Lasst die Hände von Exportkontrollen", so Georgiewa. 

Nötige Subventionen in Infrastruktur und Firmen

Die zweite Säule bleibt die Fiskalpolitik. So lange die Pandemie nicht zu Ende sei, müssten mit Subventionen Infrastruktur, Unternehmen und damit Arbeitsplätze erhalten werden. Und das könne dauern. In der dritten Säule schließlich gehe es um Investitionen in eine sichere Zukunft. Die Krise habe viel zer stört, das müsse man nutzen, um neue Wege zu gehen: hin zu umweltfreundlicher Wirtschaft, zu besserem Klimaschutz. "Wir müssen die öffentlichen Investitionen in grüne Projekte und digitale Infrastruktur ausweiten. In die Gesundheit der Menschen und in Bildung", sagt die IWF-Chefin.

Da ziehen IWF und Weltbank an einem Strang. Die öffentliche Hand allein werde das nicht schaffen, so Malpass. Strategie sei, auch privaten Unternehmen dabei zu helfen, gerade in ärmeren Nationen in neue Technologien zu investieren und damit Arbeitsplätze zu schaffen.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 08. April 2021 um 12:09 Uhr.