Afrikanische Waldelefanten | picture alliance / Mika Schmidt

IUCN-Report Waldelefanten vom Aussterben bedroht

Stand: 25.03.2021 15:15 Uhr

Der Bestand der Afrikanischen Waldelefanten ist in den vergangenen 30 Jahren um 86 Prozent zurückgegangen. Deshalb setzt ihn die Weltnaturschutzunion IUCN nun auf ihre Rote Liste mit akut vom Aussterben bedrohten Arten.

Wilderei und Lebensraumverlust haben eine Elefantenart in Afrika an den Rand des Aussterbens gebracht. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) setzte den afrikanischen Waldelefanten auf der neuen Roten Liste der bedrohten Arten in die Kategorie "vom Aussterben bedroht", die höchste von drei Gefährdungsstufen. Der etwas häufigere Savannenelefant sei in der zweithöchsten Kategorie und stark gefährdet. Bislang wurden die Arten zusammen betrachtet und waren in der dritten Kategorie als "gefährdet" gelistet.

Insgesamt sei die Zahl der afrikanischen Waldelefanten in 30 Jahren um 86 Prozent geschrumpft, die der Savannenelefanten in 50 Jahren um 60 Prozent, berichtete die IUCN in Genf. Seit 2008 habe die Wilderei besonders stark zugenommen. 2016 schätzte die Organisation die Zahl der Exemplare beider Arten auf rund 415.000.

Gut für Ökosystem und Klima

"Afrikanische Elefanten spielen eine Schlüsselrolle im Ökosystem", sagte IUCN-Generaldirektor Bruno Oberle. "Wir müssen dringend die Wilderei beenden und sicherstellen, dass genügend geeigneter Lebensraum geschützt wird." Es gebe Beispiele erfolgreicher Schutzmaßnahmen, die ausgeweitet werden müssten. Die IUCN nennt etwa Gabun und Kongo, wo die Populationen von Waldelefanten stabilisiert werden konnten. Im Naturschutzgebiet Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area am Sambesi-Fluss zwischen Angola, Botsuana, Namibia, Sambia und Simbabwe wachse die Zahl der Savannenelefanten sogar.

Die Umweltstiftung WWF Deutschland verweist auf die wichtige Rolle der Elefanten auch beim Klimaschutz. "Gerade Waldelefanten spielen als Gärtner des Waldes eine zentrale Rolle für den Erhalt der Regenwälder des Kongo-Beckens, und damit für den Klimaschutz", sagte Arnulf Köhncke, Leiter der Abteilung Artenschutz. "Ohne die Waldelefanten verändert sich die Zusammensetzung des Waldes so, dass dieser deutlich weniger Kohlenstoff speichern kann."

Ein männlicher afrikanischer Waldelefant geht im Schlamm.  | Andrea K. Turkalo/IUCN /dpa

Er könnte einer der letzten seiner Art sein: Ein freilebender Waldelefanten-Bulle. Bild: Andrea K. Turkalo/IUCN /dpa

Elfenbeinhandel als zentrales Problem

Der Handel mit Elfenbein boomt, wie neue Zahlen der Organisation Traffic im Auftrag des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) zeigen. 2019 sei die Beschlagnahmung von 42,5 Tonnen gemeldet worden.

"Der Elfenbeinhandel ist fest in der Hand global organisierter krimineller Netzwerke", sagte Daniela Freyer, Tierschutzorganisation Pro Wildlife. "Noch immer kommt die große Mehrheit der Täter ohne Strafverfolgung davon." Nach Schätzungen fielen jedes Jahr bis zu 30.000 Elefanten Wilderern zum Opfer. "Nur etwa zehn Prozent des geschmuggelten Elfenbeins wird überhaupt entdeckt", sagte Freyer.

Corona verschärft Probleme

Die Corona-Krise hat verheerende Auswirkungen auf Tier- und Naturschutz. In mehr als der Hälfte der Schutzgebiete in Afrika hätten die Einsätze gegen Wilderer reduziert oder eingestellt werden müssen, hatte IUCN vor Kurzem berichtet. Gründe sind unter anderem, dass Ländern das Geld durch den Wirtschaftseinbruch und das Ausbleiben der Touristen fehlt.

Im südlichen Afrika lauert neben der Wilderei und dem Verlust von Habitat eine weitere Bedrohung für Elefanten. Im weltberühmten Naturparadies Okawango-Delta in Botsuana starben 2020 mehr als 300 Elefanten, vermutlich durch Infektionen mit Cyanobakterien, auch als Blaualgen bekannt. Auch in diesem Jahr wurden dort schon 39 Kadaver gefunden. Auch im Nachbarland Simbabwe starben im vergangenen Jahr mehr als 30 Elefanten an Infektionen.

Zehntausende Arten bedroht

Die IUCN ergänzt die seit 1964 geführte Rote Liste jedes Jahr mehrmals. Darauf stehen inzwischen mehr als 134.000 Tier- und Pflanzenarten, von denen fast 37.500 vom Aussterben bedroht sind.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 25. März 2021 um 14:11 Uhr.