Iter-Reaktor, Frankreich, Saint-Paul-Lez-Durance | Bildquelle: dpa

Testanlage ITER Der teure Traum von der Kernfusion

Stand: 28.07.2020 17:02 Uhr

Im französischen Cadarache wird ein Testreaktor für die Kernfusion gebaut. Das internationale Milliardenprojekt ITER stand zwischenzeitlich vor dem Aus, inzwischen wird aber gebaut.

Von Martin Bohne, ARD-Studio Paris, zzt. in Cadarache

Alle Gebäude stehen bereits auf dem weitläufigen ITER-Gelände - auch die riesige Reaktorhalle. Kirsten Haupt zeigt von oben in die Grube aus Stahlbeton, in die der Reaktor hineingebaut wird: "Das ist das Innere, praktisch das Zentrum, wo alles mal passieren wird. Wir stehen hier direkt am Rand des Beton-Schutzschilds."

Die Struktur wird 30 Meter hoch, am Boden ist der untere Teil des Kryostaten zu erahnen. Kryostat ist die Bezeichnung für die Hochvakuum-Druckkammer, die den Reaktorkern umschließt und ihn kühlen soll. Dort werden einmal Temperaturen nah am absoluten Nullpunkt herrschen.

Ein großes Puzzle

Ende Mai war die mehr als 1000 Tonnen schwere Bodenplatte des Kryostaten in die Betongrube eingelassen worden. Auch für Kirsten Haupt war dies atemberaubend: "Die Operation wurde zu einer Toleranz von drei Millimetern durchgeführt. Das ist mitunter unvorstellbar. Und es ist alles gut gegangen."

Das Einsetzen der Bodenplatte war der erste Schritt der Montage des ITER-Testreaktors. In den nächsten Jahren müssen die anderen Reaktorteile wie in einem Puzzle zusammengesetzt werden.

Testreaktor für Kernfusion beginnt neuen Bauabschnitt
tagesschau 20:00 Uhr, 28.07.2020, Caroline Hoffmann, ARD Paris

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Prozesse wie im Inneren der Sonne

Im Innersten liegt die Brennkammer, in der Form vergleichbar mit einem liegenden geschlossenen Reifen. Darin zirkuliert ein auf rund 150 Millionen Grad Celsius erhitztes Wasserstoffplasma. Superstarke Magnete sorgen dafür, dass die Teilchen von den Wänden ferngehalten und beschleunigt werden. In der Brennkammer laufen dann im Prinzip die gleichen Prozesse ab wie im Inneren der Sonne. Das Plasma ist so heiß, dass die Wasserstoffatomkerne ihre Abstoßung überwinden und zu Helium verschmelzen. Dabei werden sehr energiereiche Neutronen freigesetzt. Diese Energie wird genutzt - so der Plan - um Wasser zu erhitzen. Der dabei entstehende Dampf treibt Turbinen an.

Aber das wird in Cadarache noch nicht passieren. ITER (Internationaler Thermonuklearer Experimenteller Reaktor) ist nur ein Testreaktor, in dem nachgewiesen werden soll, dass die Kernfusion technisch beherrschbar ist und tatsächlich so viel Energie gewonnen werden kann, wie von den ITER-Forschern berechnet.

ITER stand 2015 auf der Kippe

Dass überhaupt mit der Montage des ITER-Reaktors begonnen werden konnte, ist ein Verdienst Bernard Bigots. Als Bigot 2015 von den sieben Vertragspartnern, darunter die EU, die USA, Russland und China, zum Generaldirektor berufen wurde, stand das Projekt vor dem Aus: Die Kosten waren völlig aus dem Ruder gelaufen, der Zeitplan Makulatur, die Organisationsstruktur chaotisch. Bigot brachte ITER wieder auf den Weg.

Er versichert, voll auf Kurs für die Fertigstellung des Reaktors bis Ende 2025 zu sein. Dann soll der Probebetrieb beginnen, zehn Jahre später der Normalbetrieb. Und dann folgt der entscheidende Schritt: der Übergang zur industriellen Nutzung.

Geduld ist gefragt

Bernard Bigot spricht auf der ITER-Baustelle. | Bildquelle: AP
galerie

Bigot blickt bis ins Jahr 2050.

Der ITER-Generaldirektor blickt weit in die Zukunft: "Meine Hoffnung ist, dass um die Jahre 2050 bis 2055 - also gut ein Jahrzehnt nachdem wir mit ITER die Machbarkeit nachgewiesen haben - die Kernfusion anfängt, ihren Anteil an der Energieversorgung der Menschheit zu leisten."

Selbst das halten nicht wenige für Zweckoptimismus. Die Hauptkritik an ITER ist, dass jetzt viele Milliarden Euro für ein Projekt ausgegeben werden, dass auf absehbare Zeit nichts zu Lösung der akuten Klimaprobleme beitragen kann. Bigot geht allein für die Bauphase von 20 Milliarden Euro aus.

Bigot hofft auf beständige und saubere Energie

Kritiker meinen, dass alle Kraft auf die Entwicklung der Erneuerbaren Energien konzentriert werden müsse. "Natürlich gibt es die Erneuerbaren Energien. Und die sollte man auch maximal entwickeln und nutzen", sagt auch der ITER-Generaldirektor. "Aber meine tiefe Überzeugung ist, dass wir uns nicht allein auf Wind, Sonne und Wasserkraft verlassen können. Wir brauchen eine Ergänzung, eine Energieform, die beständig und in großem Umfang produziert werden kann. Der große Vorteil der Kernfusion ist, dass sie keine schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt und das Klima hat. Die potenziellen Vorteile sind so beträchtlich, dass es meiner Meinung nach Sinn macht, Geduld aufzubringen."

Jetzt ist dem 70-jährigen Franzosen erst einmal zum Feiern zumute. Die Montage des Reaktors hat begonnen. Die Erde ist der Sonne ein winziges Stück näher gekommen.

ITER - der (teure) Traum von einer künstlichen Sonne
Martin Bohne, ARD Paris
28.07.2020 16:03 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete am 28. Juli 2020 SWR 2 im Hörfunk um 16:05 Uhr und die tagesschau um 17:00 Uhr.

Darstellung: