Eine italienische Flagge vor einer leeren Skipiste | Bildquelle: REUTERS

Maßnahmen gegen Coronavirus Italien schließt alle Skianlagen

Stand: 09.03.2020 19:55 Uhr

Italien ergreift weitere Maßnahmen gegen die Corona-Krise: Alle Skianlagen des Landes werden geschlossen, Südtirol erklärte die Wintersaison vorzeitig für beendet. Zahlreiche Sportveranstaltungen werden ausgesetzt.

Die italienische Regierung schließt im Kampf gegen eine weitere Ausbreitung des Coronavirus alle Skianlagen. Auf Anweisung des Zivilschutzes würden diese ab morgen geschlossen, kündigte der Minister für regionale Angelegenheiten, Francesco Boccia, an.

Die Provinz Südtirol hatte bereits zuvor erklärt, die Skisaison wegen des Coronavirus zu beenden. Die Gastbetriebe und Seilbahnbetreiber verpflichteten sich zu einem vorzeitigen Ende der Wintersaison, teilte der Hoteliers- und Gastwirteverband mit. Die Unternehmen würden ab diesem Mittwoch bis mindestens 3. April schließen. "Unseren Betrieben empfehlen wir, sich zu bemühen, den Gästen im Rahmen der Möglichkeiten Ausweichtermine anzubieten und bei Stornierungen möglichst kulant entgegenzukommen", hieß es in der Mitteilung.

Südtirol gehört zu den beliebtesten Skiregionen auch deutscher Urlauber. Die Bundesregierung hatte die Provinz als Risikogebiet eingestuft. Die Gegend gehört aber nicht zu den Sperrzonen, die die italienische Regierung ausgerufen hatte. In der Lombardei, die zu dieser sogenannten roten Zone gehört, sind die Skilifte bereits gesperrt.

Sportveranstaltungen ausgesetzt

Auch der italienische Profisport ist massiv von der Krise betroffen. Das Italienische Olympische Komitee (Coni) will sämtliche Sportveranstaltungen im Land bis zum 3. April aussetzen. "Alle sportlichen Aktivitäten auf allen Ebenen" sollten abgesagt werden, teilte das Coni mit. Die Regierung solle dazu ein entsprechendes Dekret erlassen. "Der Schutz der Gesundheit ist die Priorität aller."

Der italienische Skiverband Fisi setzt ab sofort ebenfalls alle Aktivitäten aus. Abgesagt wurden neben Wettkämpfen und Reisen von Athleten auch die Trainings - und das auf jedem Wettkampfniveau. Athleten, die sich bereits an Wettkampfstätten befinden oder noch um die Gesamtwertung oder Spezialwertungen mitkämpfen, dürfen diese noch bestreiten.

In der italienischen Fußball-Liga werden Spiele derzeit noch ausgetragen, aber ohne Publikum. Sportminister Vincenzo Spadafora bezeichnete die Entscheidung der Serie A, den Spielbetrieb trotz der Ausbreitung von Sars-CoV-2 fortzusetzen, jedoch als "unverantwortlich".

Gefängnisinsassen in Foggia konnten einen Zaun erklimmen. | Bildquelle: FRANCO CAUTILLO/EPA-EFE/Shutters
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Gefängnisinsassen in Foggia konnten einen Zaun erklimmen.

Tote bei Gefängnis-Aufständen

In italienischen Gefängnissen kam es inmitten der Coronavirus-Krise unterdessen zu heftigen Protesten mit mehreren Toten. In Modena seien sechs Häftlinge gestorben, mehrere wurden schwer verletzt, sagte Francesco Basentini von der Gefängnisverwaltung im Fernsehen. Die Gewerkschaft der Gefängnispolizei sprach von Aufständen in 27 Haftanstalten im ganzen Land. Die Häftlinge in Modena starben möglicherweise an einer Überdosis von Medikamenten, die sie beim Sturm auf die Krankenabteilung genommen haben könnten.

Medien zeigten Videos von einem Aufstand in einem Gefängnis in Mailand. Zu sehen ist, wie Häftlinge auf einem Dach stehen und "Freiheit" skandieren. In dem Gebäude brennt es. In der Stadt Foggia sollen mehrere Häftlinge geflüchtet sein. Laut Gesundheitsbehörde der Region Latium gab es auch im großen römischen Gefängnis Rebibbia Aufstände.

Grund für die Proteste seien auch Maßnahmen gegen das Coronavirus, sagte Susanna Marietti von der Organisation Antigone, die sich für die Rechte von Gefangenen einsetzt, der Deutschen Presse-Agentur. Dabei seien Besuche in Gefängnissen sowie sportliche und kulturelle Aktivitäten ausgesetzt worden. "Sie wurden alleine gelassen. Es gab keine Kommunikation über die gesamte Lage. Die Insassen haben nur Fernsehen, um sich zu informieren." Von einer Haftanstalt in Salerno hätten sich die Proteste dann "wie eine Bombe" fortgesetzt. Die Leute seien wegen des Virus schon draußen in Angst - "man kann sich vorstellen, wie das dann erst drinnen ist".

Coronavirus in Italien: Gefängnis-Revolten
Lisa Weiß, ARD Rom
09.03.2020 17:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 09. März 2020 um 06:00 Uhr und 21:05 Uhr.

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