Sicherheitskräfte in der Nähe des Tatorts in Macerata | Bildquelle: AFP

Sechs Menschen in Italien angeschossen Einzige Gemeinsamkeit: die Hautfarbe

Stand: 04.02.2018 17:16 Uhr

Sechs Menschen wurden in Italien angeschossen - und alle stammen aus Afrika. Das Motiv war offenbar Rassismus. Für den Parlamentswahlkampf ist die Tat besonders brisant.

Von Tassilo Forchheimer, ARD-Studio Rom

Aus einem fahrenden Auto hatte ein Mann im italienischen Macerata am Samstagmorgen Schüsse abgefeuert und dabei sechs Menschen verletzt. Nach den ersten Vernehmungen wurde der mutmaßliche Amokschütze ins Gefängnis nach Ancona gebracht. Ihm wird vorgeworfen, das Blutbad aus rassistischen Motiven angerichtet zu haben. "Das Einzige, was die Verletzten gemeinsam haben, ist die Hautfarbe", sagte Italiens Innenminister Marco Minniti. "Die Tat war also ganz offensichtlich von Rassenhass motiviert."

Nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen habe der Täter alleine gehandelt, so der Minister weiter. Der Verdächtige habe einen rechtsextremistischen Hintergrund. In seinem Elternhaus fanden die Ermittler unter anderem eine Hakenkreuzfahne und ein Exemplar von Hitlers "Mein Kampf". Im vergangenen Jahr hatte der 28-Jährige bei Kommunalwahlen erfolglos für die rassistische Lega Nord kandidiert.

Ermittler vermuten Fremdenhass als Motiv
tagesschau 20:00 Uhr, 04.02.2018, Michael Schramm, ARD Rom

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Opfer außer Lebensgefahr

Die sechs Opfer sind inzwischen alle außer Lebensgefahr. Der Zustand eines Mannes sei allerdings noch kritisch. Bei den Angeschossenen handelt es sich um fünf Männer und eine Frau, die aus Mali, Ghana, Nigeria und Gambia stammen.

In Italien wird nun über das Motiv spekuliert. Viele vermuten, dass es mit dem Mordfall Pamela zu tun haben könnte, der Italien seit Mitte vergangener Woche beschäftigt. Die 18-jährige Italienerin wurde auf grausame Weise ermordet, tatverdächtig ist ein 29-jähriger Nigerianer. Der mutmaßliche Täter und das Opfer lebten in Macerata, dem Ort der gestrigen Attentats.

"Die Opfer sind alle dunkelhäutig", sagte der Bürgermeister des Ortes, Romano Carancini. "Das wiegt schwer. Ebenso schwer, wie das, was Pamela zugestoßen ist." Die Vermutung liege nahe, dass es hier einen Zusammenhang gebe.

Pistole im Auto des mutmaßlichen Täters von Macerata | Bildquelle: AFP
galerie

Pistole im Auto des mutmaßlichen Täters von Macerata

Lega Nord will Massenausweisungen von Migranten

Umso größer sind nun die Befürchtungen, dass die Ereignisse von Macerata den Parlamentswahlkampf in Italien weiter anheizen könnten. In Umfragen liegt derzeit das Mitte-Rechts-Bündnis vorne, zu dem auch die Lega Nord gehört. Für den Fall eines Wahlsieges hat die Partei Massenausweisungen von Migranten angekündigt.

Regierungschef Paolo Gentiloni appellierte an die Vernunft aller Parteien. "Ich vertraue auf das Verantwortungsgefühl aller politischen Kräfte", sagte er. Kriminelles Verhalten sei durch keine Idee zu rechtfertigen. "Täter sind Täter. Der Staat wird streng gegenüber jedem sein, der daran denkt, die Spirale der Gewalt weiter zu drehen. Lasst uns dieses Risiko sofort stoppen. Lasst es uns gemeinsam stoppen."

Dem Hass und der Gewalt dürfe es nicht gelingen, die Gesellschaft zu spalten, so der Ministerpräsident weiter. Dass sich alle politischen Parteien diesen Appell zu Herzen nehmen, ist allerdings nicht zu erwarten. Matteo Salvini von der Lega Nord sagte bereits, die moralische Verantwortung für diese Episode der Gewalt trügen diejenigen, die Italien mit illegalen Einwanderern gefüllt hätten. Offenbar sei die Migration außer Kontrolle geraten. "Eine solche bewusst herbeigeführte Invasion hat soziale Konflikte zur Folge.“

Die politischen Gegner werfen Salvini dagegen vor, Gewalttaten zu instrumentalisieren, um die Stimmung damit nur noch weiter aufzuheizen.

Amokfahrt von Macerata: Rassistischer Hintergrund
Tassilo Forchheimer, ARD Rom
04.02.2018 16:30 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Februar 2018 um 17:15 Uhr.

Darstellung: