Eine Frau geht inmitten der Corona-Pandemie mit ihrem Hund an einem kürzlich wiedereröffneten Restaurant in der Innenstadt vorbei (Archivbild). | dpa

Großteil des Landes Italien geht ab Montag in den dritten Lockdown

Stand: 13.03.2021 18:05 Uhr

Die Infektionslage spitzt sich zu, die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei mehr als 220: Die Regierung Draghi sieht sich erneut zu drastischen Corona-Maßnahmen gezwungen. Für große Teile des Landes gilt ab Montag wieder ein Lockdown.

Wegen erneut drastisch ansteigender Zahlen bei den Corona-Infektionen begibt sich Italien ab Montag in den dritten Lockdown: "Wir haben es leider mit einer neuen Welle der Infektionen zu tun", sagte der neue Ministerpräsident Mario Draghi gestern beim Besuch eines Impfzentrums am römischen Fiumicino-Flughafen. Binnen einer Woche habe es mehr als 150.000 neue Infektionen gegeben, eine Zunahme von rund 20.000 gegenüber der Vorwoche.

Diese Zahlen zwingen uns zur höchsten Vorsicht, um die Zahl der Toten zu begrenzen und eine Überlastung der Gesundheitseinrichtungen zu verhindern", sagte Draghi. Der Leiter des Forschungszentrums Gimbe, Nino Cartabellotta, hatte schon am Donnerstag warnend darauf hingewiesen, dass die Zunahme der Covid-Fälle in den vergangenen Wochen den "Anfang der dritten Welle" der Epidemie in Italien anzeige.

Zehn Regionen und autonome Provinzen betroffen

Der Lockdown tritt ab Montag in Kraft und gilt unter anderem für die vier größten Städte des Landes: Rom, Mailand, Neapel und Turin. Insgesamt sind mehr als 40 Millionen Italienerinnen und Italiener vom Lockdown betroffen, das heißt zwei von drei Menschen in Italien werden ab Wochenbeginn in einer sogenannten roten Zone leben.

Die öffentlichen Aktivitäten dort werden weitgehend heruntergefahren. Alle nicht lebensnotwendigen Geschäfte bleiben geschlossen, ebenso Schulen, Bars, Restaurants und Kultureinrichtungen. Niemand darf die eigene Stadt verlassen, Besuche bei Freunden und Verwandten sind stark eingeschränkt. Insgesamt wird der Lockdown für zehn Regionen und autonome Provinzen verhängt, darunter die Lombardei, die Emilia-Romagna, Venetien, das Latium und Kampanien.

Lockerungen in Südtirol

Hingegen gibt es in einem anderen Teil des Landes vorsichtige Lockerungsschritte. In Südtirol können Kinder ab Montag wieder Kitas und Grundschulen besuchen, wie die Landesverwaltung mitteilte. Auch Friseure und Kosmetiksalons dürfen wieder öffnen. Eine Woche später darf auch der Handel wieder loslegen.

Über Ostern vom 3. bis zum 5. April gelten in der beliebten Urlaubsregion allerdings wie im restlichen Land wieder strenge Beschränkungen. Es sei das Ziel, nach den Osterfeiertagen zur "gelben Zone" zu werden, um dann weitere Lockerungen wie die Öffnung von Bars und Restaurants anzugehen, heißt es in der Mitteilung.

Inzidenzwert liegt landesweit bei 226

Für die Ostertage hatte Italiens Regierung bereits einen landesweiten Lockdown angekündigt. Mit den Maßnahmen reagiert sie auf die sich zuspitzende Infektionslage im Land. Der Inzidenzwert liegt landesweit bei jetzt 226, das heißt es gab durchschnittlich 226 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Die Zahl ist damit dreimal höher als der aktuelle Wert in Deutschland. Nach Angaben des Nationalen Gesundheitsinstituts steigt auch die Zahl der Covid-Intensivpatienten in Italien wieder, in zahlreichen Krankenhäusern habe die Belegung die kritische Grenze überreicht beziehungsweise überschritten.

In dieser Woche wurde landesweit die Marke von 100.000 Corona-Toten überschritten. Zuletzt machte vor allem die Ausbreitung der britischen Corona-Mutante Sorgen. Am Donnerstag wurden 26.000 neue Infektionen und 373 Todesfälle registriert. Bislang erhielten 1,8 Millionen der rund 60 Millionen Einwohner Italiens beide Dosen der Anti-Corona-Impfung.

Mit Informationen von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Über dieses Thema berichtete BR24 am 13. März 2021 um 08:04 Uhr.