Demonstration gegen den "Weltfamilienkongress" in Verona | Bildquelle: AP

"Weltfamilienkongress" in Verona Protest gegen erzkonservatives Treffen

Stand: 31.03.2019 01:44 Uhr

"Weltfamilienkongress" nennen ultrakonservative Christen und rechte Politiker ihr Treffen in Verona. Die Veranstaltung ist umstritten und spaltet Italiens Regierung. Der Vatikan distanziert sich, auf den Straßen gibt es Protest.

In Verona haben sich ultrakonservative Christen und rechte Politiker zu einem sogenannten Weltfamilienkongress getroffen. Auf den Straßen der norditalienischen Stadt gab es massive Proteste gegen die Konferenz. Nach Angaben örtlicher Medien beteiligten sich 20.000 bis 30.000 Menschen an einem bunten Umzug durch die Innenstadt. Die Organisatoren gingen von nahezu 100.000 Teilnehmern aus.

Die Demonstranten sangen die Widerstandshymne "Bella Ciao" und hielten Schilder hoch mit Aufschriften wie "Über unsere Körper und unsere Begierden entscheiden wir selbst".

Demonstration gegen den "Weltfamilienkongress" in Verona | Bildquelle: AFP
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Zu dem bunten Protestzug durch das Zentrum von Verona kamen auch Teilnehmer aus Deutschland und vielen anderen Ländern Europas.

Familie ist nur Vater, Mutter, Kind

Die dreitägige Konferenz des "World Congress of Families" hatte am Freitag begonnen. Dahinter steckt ein christliches Netzwerk evangelikaler Prägung aus den USA. Der "World Congress of Families" verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, "die natürliche Familie als einzige grundlegende und dauerhafte Einheit der Gesellschaft zu bestätigen, feiern und verteidigen". Als "natürliche Familie" gilt für sie allein die Konstellation Vater, Mutter, Kind. Konkret wendet sich die Veranstaltung in Verona unter anderem gegen eine Gleichstellung Homosexueller und fordert ein Referendum zur Änderung des italienischen Abtreibungsgesetzes.

Salvini will für mehr Kinder sorgen

In Italien besteht seit 1978 die Möglichkeit einer legalen Abtreibung. Die Ultrakonservativen lehnen Abtreibung strikt ab. Homosexuelle können in Italien - anders als in vielen anderen EU-Staaten - nicht heiraten. Es gibt allerdings eine eingetragene Lebenspartnerschaft.

Italiens Innenminister Matteo Salvini von der rechtsextremen Lega-Partei war am Samstag Hauptredner bei dem Kongress. Er forderte, heterosexuellen Paaren zu helfen, mehr Kinder zu bekommen. Dies sei die Pflicht der Regierung, betonte Salvini, ohne konkrete Vorschläge zu machen. Italien hat seit Jahren eine der niedrigsten Geburtenraten aller EU-Staaten.

Salvini während seines Auftritts beim Weltfamilienkongress | Bildquelle: dpa
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Salvini zog sich für seine Rede ein T-Shirt des "World Congress of Families" über.

Wertvorstellungen "aus dem Mittelalter"

Salvinis Koalitionspartner, die Fünf-Sterne-Bewegung, sieht die Veranstaltung in Verona hingegen äußert kritisch. Die Wertvorstellungen des "World Congress of Families" gehörten größtenteils "ins Mittelalter", sagte Sterne-Chef Luigi Di Maio.

Der Vatikan hält sich von dem Kongress in Verona fern. Papst Franziskus bekräftigte auf seiner Reise nach Marokko laut Nachrichtenagentur Ansa die Worte des Kardinalstaatssekretärs Petro Parolin, das Treffen sei von der Sache her korrekt, aber von der Methode her verkehrt.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 01. April 2019 um 06:20 Uhr.

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