In einer Pizzeria in Turin wird der Greenpass einer Besucherin geprüft. | EPA

Zahl der Impfungen steigt Greenpass in Italien zeigt Wirkung

Stand: 22.10.2021 10:46 Uhr

Seit einer Woche muss jeder italienische Beschäftigte nachweisen, geimpft, genesen oder frisch getestet zu sein. Wohl auch, weil Tests kostenpflichtig sind, steigt die Impfbereitschaft an.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Am Impfzentrum vor dem Bahnhof Termini in Rom scheint die Sonne. Eduardo stoppt kurz vor dem Eingang, holt seinen Gesundheitsausweis und die ausgedruckte Anmeldung aus der Tasche. Lange habe er gezögert, sagt der 55 Jahre alte Maurer, jetzt gehe auch er zur Corona-Schutzimpfung. "Ich brauche den Greenpass. Dort, wo ich arbeite, verlangen sie ihn von mir", so Eduardo.

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom

Impfen nach monatelangem Abwarten. Eduardo, der aus Ecuador stammt und seit acht Jahren in Rom lebt, ist damit nicht alleine. Zur Impfstation Termini kommen viele Frauen und Männer mit Migrationshintergrund, die in Italien häufig als Haushaltshilfen, Babysitter oder in der Baubranche arbeiten. Auch sie müssen seit dem 15. Oktober den sogenannten Greenpass haben, also einmal geimpft, genesen oder aktuell getestet sein.

Zahl der Impfungen stark gestiegen

Der Greenpass ist eine Art 3G-Pflicht am Arbeitsplatz, mit der Italiens Regierung die Impfbereitschaft weiter erhöhen möchte. Zum Start sei die Zahl der Corona-Impfungen im Vergleich zum Wochenanfang um 35 Prozent gestiegen, sagte Italiens Impfkoordinator Francesco Paolo Figliuolo. Die aktuellen Daten zeigen, dass dieses Niveau fast gehalten werden kann.

Anders als Eduardo aus dem Impfzentrum in Termini, will sich Cristiano Mametti  trotz Greenpass-Pflicht nicht impfen lassen. Deshalb steht der 49 Jahre alte Taxifahrer am Morgen an der Via Gregorio VII vor einer Apotheke und wartet auf seinen Testtermin.

"Ich mache das, weil ich arbeiten muss. Ich finde den Greenpass nicht gut, aber halte mich an die Regeln. Daher bin ich jetzt vor der Arbeit hergekommen, um einen Corona-Test zu machen", so Mametti. Alle zwei Tage gehe er zum Test in die Apotheke, der ihn 15 Euro kostet. Mit einem negativen Testergebnis kann er laut Regierungsdekret in den folgenden 48 Stunden arbeiten.

Krankschreibungen haben zugenommen

"Das ist auch ziemlich teuer. Am Ende kostet es mich im Monat ungefähr 150 bis 180 Euro" sagt Mametti. Das sei ziemlich viel Geld dafür, arbeiten zu können. Eine Corona-Impfung wäre kostenlos - für ihn komme sie aber aus "persönlichen Gründen" nicht in Frage. Solange der Greenpass gelte, werde er sich alle zwei Tage testen lassen.

Landesweit hat sich die Zahl der Tests seit Einführung des Greenpasses mehr als vervierfacht, teilweise werden täglich mehr als eine halbe Million durchgeführt. Von Regierungsseite heißt es, auch dies sei ein positiver Effekt des Greenpasses. Die höhere Zahl an Tests gebe einen besseren Überblick über die Infektionssituation und bedeute im Ergebnis einen besseren Schutz der Bevölkerung.

Allerdings hat die Zahl der Krankschreibungen in Italien seit Einführung des Greenpasses am Arbeitsplatz auffällig zugenommen. Die Zeitung "Corriere della Sera" berichtet über dieses Phänomen unter der Überschrift: "Die vorgetäuschten Krankheiten der Greenpass-Gegner".

Draghi: "Alles tun, was möglich ist"

Die Proteste auf der Straße gegen das Regierungsdekret haben sich weitgehend beruhigt. Anhaltende Demonstrationen gibt es vor allem in der norditalienischen Stadt Triest. Dort hat eine Gewerkschaft der Hafenarbeiter erneut zu einer Kundgebung aufgerufen.

Ministerpräsident Mario Draghi aber hat bereits mehrfach deutlich gemacht, dass er am Greenpass festhalten will. Die Tatsache, dass Italien besonders stark unter der Covid-Pandemie gelitten habe, sei ein Auftrag an die Politik, mit einer konsequenten Linie ein Wiederaufflammen der Pandemie zu verhindern, sagte Draghi im Parlament. "Nachdem wir 132.000 Tote gehabt haben, muss unser Gewissen sagen, dass wir alles tun müssen, was möglich und was notwendig ist."

Bislang hat die Draghi-Linie in Italien den im Herbst erwarteten Anstieg der Infektionszahlen gebremst. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt derzeit bei 31,1 (Stand 21.10.), damit steht Italien nach Spanien derzeit in Europa am besten da. Umgekehrt ist die Quote der vollständig Geimpften in Italien eine der höchsten in Europa, mit rund 82 Prozent der über 12-Jährigen.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 22. Oktober 2021 um 09:23 Uhr.