Eine Polizistin und ein Polizist mit Mund-Nasen-Schutz patrouillieren in der römischen Einkaufsstraße Via Condotti. | Bildquelle: dpa

Corona-Pandemie In Italien ist die Angst zurück

Stand: 16.10.2020 14:33 Uhr

Bislang galt Italien in der zweiten Corona-Welle als eine Art Musterschüler. Damit scheint es vorbei. Die Infektionen nehmen zu und mit ihnen die Angst. Eine erste Region hat die Schulen wieder geschlossen.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Die Angst ist zurück in Italien. Die aktuelle Entwicklung der Covid-19-Zahlen zeige "Elemente erhöhter Probleme im ganzen Land", heißt es im aktuellen Bericht von Gesundheitsminister Roberto Speranza und dem Obersten Gesundheitsinstitut Italiens.

Ministerpräsident Giuseppe Conte appellierte angesichts der Rekordzahl an registrierten Neuinfektionen in Italien, sich an die Regeln und auch die Empfehlungen der Regierung zu halten: "Wenn die Bürger nicht das Verantwortungsbewusstsein, das Zusammengehörigkeitsgefühl haben, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen, kann man es nicht erreichen" - das Ziel: Die zweite Welle der Covid-19-Pandemie in Italien bremsen.

Ansteckungen vor allem im privaten Kreis

Der Appell Contes zielt vor allem auf das Verhalten seiner Landsleute im privaten Kreis. Von der Regierung gibt es die ausdrückliche Empfehlung, auch bei privaten Treffen Distanz zu halten und nicht mit mehr als sechs Menschen zusammenzukommen. Nach Schätzung des Gesundheitsministeriums sind rund 80 Prozent der aktuellen Neuinfektionen im privaten Kreis entstanden.

Insgesamt ist die Zahl der registrierten neuen Corona-Fälle in Italien auf über 8800 gestiegen, ein Wert der deutlich über den Zahlen aus dem März liegt, als Italien das in Europa von der Corona-Pandemie am schlimmsten betroffene Land war. Allerdings werden derzeit auch rund fünfmal so viele Tests durchgeführt wie an den besonders kritischen Tagen im Frühjahr. So waren es am 15. Oktober fast 163.000 Tests - am 21. März dagegen noch weniger als 27.000.

Erste Region schließt wieder Schulen und Unis

Was den Experten aber Sorge macht: Der R-Wert, der das Tempo signalisiert, mit dem sich die Infektionen im Land verbreiten, liegt in Italien im Durchschnitt mittlerweile deutlich über dem kritischen Wert von 1.

Die süditalienische Region Kampanien, die derzeit besonders hohe Infektionszahlen registriert, hat auf die aktuelle Entwicklung reagiert und ab heute alle Schulen und Universitäten geschlossen. In der Lombardei wird nach Medienberichten ein ähnlicher Schritt diskutiert. In der norditalienischen Region um Mailand gibt es, wie bereits im Frühjahr, die höchste Zahl an registrierten Neuinfektionen.

Entscheidung sorgt für Verärgerung

Das Schließen der Schulen in Kampanien haben bereits einen heftigen innenpolitischen Streit ausgelöst. Bildungsministerin Lucia Azzolina reagierte verärgert darauf, dass die Region um Neapel die Unterrichtsklassen bereits einen Monat nach dem Neustart wieder zumacht.

"Das ist eine schwerwiegende Entscheidung. Das ist zutiefst falsch und auch nicht angemessen. Die Schule sollte die absolute Priorität in diesem Land sei, sie sollte die letzte Sache sein, die geschlossen wird", so Azzolina. Nach Angaben der Ministerin haben sich in den ersten Wochen kaum Schüler und Lehrer mit dem Coronavirus angesteckt. Die Quote der Neuinfektionen an Schulen liege deutlich unter 0,1 Prozent.

Belegung der Intensivstationen noch gering

Für Diskussionen in Italien sorgt auch die Situation in den Krankenhäusern. Mit Blick auf die aktuelle Lage auf den Intensivstationen aber beruhigte der Virologe Fabrizio Pregliasco von der Universität Mailand: "Das wird ein ganz entscheidender Indikator sein, wie sich die Situation auf den Intensivstationen entwickelt. Derzeit ist die Belegung der Betten dort noch gering. In allen Regionen Italiens gibt es noch ausreichend Kapazitäten, um sich um die schwierigsten Fälle zu kümmern."

586 Menschen mit Corona-Infektionen werden derzeit auf Intensivstationen behandelt. Das sind rund fünfmal weniger als während der ersten Covid-19-Welle in Italien.

Etwas angespannter scheint die Lage bei den weniger gravierenden Fällen zu sein. Italienische Medien berichteten von ersten Krankenhäusern, unter anderem in Mailand und Palermo, die Patienten mit Covid-19-Symptomen wegen hoher Auslastung in andere Kliniken schicken.

Angst in Italien vor Covid-19 ist zurück - Conte appelliert
Jörg Seisselberg, ARD Rom
16.10.2020 13:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 16. Oktober 2020 um 13:31 Uhr.

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