Ein ausgebrannter Bus steht auf einer Straße in Mailand | Bildquelle: dpa

Ausgebrannter Schulbus Beschuldigter Fahrer war vorbestraft

Stand: 21.03.2019 16:10 Uhr

Nachdem ein Busfahrer einen Schulbus angezündet haben soll, wird ein politisches Motiv immer unwahrscheinlicher. In der Kritik steht das Busunternehmen - denn der Beschuldigte war vorbestraft.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Nach dem Brand eines Schulbusses in Italien, bei dem alle 51 Kinder gerettet werden konnten, laufen die Ermittlungen. Eingebunden ist auch Italiens Polizei-Sondereinheit zur Bekämpfung von Terrorismus. Der Grund, so der zuständige Carabinieri-Kommandant Luca de Marchis, seien die Aussagen des Beschuldigten Ousseynou S. sofort nach dessen Festnahme. "Er ist gefragt worden, warum er das alles getan hat, warum er das Leben dieser Kinder in Gefahr gebracht hat", so Marchis, "da hat er gesagt, er habe das gemacht für die Toten im Mittelmeer, für Afrika."

Eine Aussage, die ein politisches Motiv für seine Brandtat nahelegt. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler aber war der Busfahrer mit senegalesischen Wurzeln politisch nie aktiv, auch sei er kein praktizierender Moslem.

Italienische Behörden suchen nach Geiselnahme von Schulbus nach Hintergründen der Tat
tagesschau 12:00 Uhr, 21.03.2019, Ellen Trapp, ARD Rom

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Busunternehmen wusste nichts von Vorstrafen

Allerdings fiel der 46-Jährige, der 2002 die italienische Staatsbürgerschaft bekommen hat, schon mehrfach durch Gesetzesverstöße auf. Vor elf Jahren wurde er betrunken am Steuer seines Privatwagens erwischt. Ihm wurde daraufhin vorübergehend der Führerschein entzogen. Vor zwei Jahren belästigte er einen Minderjährigen sexuell und wurde daraufhin 2018 zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Angesichts dieser Vorfälle muss sich die Busgesellschaft jetzt kritischen Fragen stellen: Warum sie einen Schulbusfahrer beschäftigt, der betrunken Auto gefahren und mit Minderjährigen sexuell auffällig geworden ist. Die Verantwortlichen des Unternehmens erklären dies damit, dass Ousseynou S. bereits vor diesen Vorfällen eingestellt worden sei.

Zunächst sei er als Putzmann beschäftigt gewesen und dann zum Busfahrer aufgestiegen. Damals habe das Unternehmen ein polizeiliches Führungszeugnis angefordert, das zu dem Zeitpunkt noch sauber war. Die Alkoholfahrt und auch die sexuelle Belästigung hätten sich später ereignet. Allerdings berichtet der "Corriere della Sera" unter Berufung auf erste Untersuchungsergebnisse, dass Ousseynou S. auch aktuell noch schwere Alkoholprobleme habe.

Töchter sollen im Mittelmeer ertrunken sein

Ein Schüler, der gestern mit im Bus war, berichtet, der Fahrer habe seine Tat auch mit seiner angeblichen Familiengeschichte begründet. Als Ousseynou S. das Benzin im Bus ausgoss, habe er von seinen im Mittelmeer ums Leben gekommenen Kindern erzählt:

"Er sagte, Ihr müsst alle sterben, weil auch meine drei Töchter gestorben sind. Er hat gesagt, sie sind im Meer gestorben, und das wird euch jetzt auch so gehen, nur das ihr verbrennt."

Noch ist nicht geklärt, ob die Geschichte mit den gestorbenen Töchtern stimmt. Fakt ist, dass Ousseynou S. zwei Söhne mit seiner italienischen Ehefrau hat, von der er getrennt lebt. Die beiden Söhne im Alter von 12 und 18 Jahren sind wohlauf. Hinweise auf mögliche Töchter, die in Afrika gelebt haben und nach Europa flüchten wollten, gibt es nicht. Gegen diese Geschichte spricht, das Ousseynou S. selbst in Paris aufgewachsen ist, bevor er später nach Italien ging.

Ermittler gehen von psychischen Problemen aus

Ob es für die Brandtat des Busfahrers politische Motive gibt, ist ebenfalls unklar. Laut Medienberichten sagte Ousseyynou S. in den Vernehmungen aus, ein Auslöser für seine Tat seien die Berichte über das Flüchtlingsschiff "Mare Jonio" gewesen, dem Anfang der Woche zunächst die Einfahrt in einen italienischen Hafen untersagt worden war. Die Ermittler verweisen aber darauf, dass der Busfahrer seine Tat seit mindestens drei Tagen geplant hatte, also bereits vor dem Fall des Rettungsschiffes.

Die Ermittler überprüfen derzeit mögliche psychische Probleme des Busfahrers. Gegen eine politische Tat spricht auch die nur private Verbreitung ein selbst aufgenommenes Video vor der Tat. Darin appelliert Ousseynou S. an die afrikanischen Länder, die Emigration nach Europa zu stoppen. Allerdings postete er dieses Video nach den bisherigen Erkenntnissen nicht öffentlich - wie bei politischen Tätern naheliegend - sondern schickte es nur an persönliche Bekannte. Darin soll Ousseynou S. auch den Satz gesagt haben: "Ihr werdet bald alle von mir hören."

Alkohol, sexuelle Belästigung: Wer ist der Busfahrer, der einen Schulbus anzündete?
Jörg Seisselberg, ARD Rom
21.03.2019 17:24 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichteten am 21. März 2019 die tagesschau um 12:00 Uhr und NDR Info um 18:08 Uhr.

Darstellung: