Rettungskräfte kümmern sich um Verletzte bei der Massenpanik | Bildquelle: REUTERS

Italien Sechs Tote bei Massenpanik

Stand: 08.12.2018 13:49 Uhr

Bei einem Konzert nahe der italienischen Hafenstadt Ancona ist eine Massenpanik ausgebrochen, nachdem jemand Reizgas versprüht hatte. Sechs Menschen kamen ums Leben, viele Besucher wurden verletzt.

Bei einer Massenpanik sind in einer italienischen Diskothek sechs Menschen ums Leben gekommen. In Corinaldo nahe der Adriastadt Ancona waren etwa 1000 Menschen zu einem Konzert des Rappers Sfera Ebbasta gekommen, als ein bisher Unbekannter Reizgas im Gedränge versprühte. In der daraufhin einsetzenden Panik drängte die Menschen zu den Ausgängen. Dabei starben fünf Minderjährige und eine Erwachsene

Ein Polizist steht vor dem Eingang des italienischen Clubs "Lanterra Azzurra" | Bildquelle: dpa
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Etwa 1000 Gäste waren im Club "Lanterna Azzurra", als dort Panik ausbrach.

Die drei Mädchen und zwei Jungen waren 14, 15 und 16 Jahre alt. Bei der erwachsenen Person handelt es sich um eine Mutter, die ihre Tochter auf das Konzert begleiten wollte.

Notausgänge verriegelt?

Etwa 50 Personen verletzt, melden die Sicherheitsbehörden. Sanitäter berichteten, viele der Verletzten hätten schwere Quetschungen oder Knochenbrüche davongetragen. "Wir haben all diese Leute gesehen, die auf den Notausgang zusteuerten", sagte eine Augenzeugin dem Sender Rai: "Aber am Anfang haben wir nicht verstanden, warum." Nach einer Weile hätten auch sie angefangen zu husten.

Nach Angaben des Feuerwehrkommandeurs von Ancona, Dino Poggiali, befinden sich mindestens 14 Menschen in einem ernsten Zustand. Der Zustand einiger sei "sehr kritisch", schrieb Regierungschef Giuseppe Conte auf Facebook und kündigte an, den Unglücksort besuchen zu wollen.

Ein 16-jähriger Überlebender sagte der italienischen Nachrichtenagentur Ansa, als er versucht habe zu fliehen, sei mindestens einer der Notausgänge abgeriegelt gewesen. Feuerwehrkommandeur Poggiali sagte dem italienischen Sender Sky TG24 News, bei Eintreffen der Einsatzkräfte hätten alle Türen offen gestanden.

Es müsse noch ermittelt werden, ob Sicherheitsvorschriften missachtet wurden und ob dies eine Rolle für das Unglück gespielt habe. Poggiali habe auch noch keine Bestätigung dafür, dass Reizgas die Panik ausgelöst habe.

Eine Eintrittskarte des italienischen Rappers Sfera Ebbasta liegt im Gras | Bildquelle: dpa
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Es sei schwierig, Worte für den Schmerz zu finden, schrieb Sfera Ebbasta auf Instagram.

"Es ist absurd, so zu sterben"

Auf die Berichte von möglicherweise verschlossenen Notausgängen reagierte Vize-Premierminister Luigi Di Maio mit den Worten: "Es ist absurd, so zu sterben." Staatspräsident Sergio Mattarella sagte, was passiert sei, lasse einen "wie versteinert" zurück. Innenminister Matteo Salvini kündigte an, die Verantwortlichen finden zu wollen: "Mit 15 Jahren darf man so nicht sterben". Der Papst versicherte den Gläubigen auf dem Petersplatz, die Toten und Verletzten in seine Gebete einzuschließen.

Es sei schwierig, Worte für den Schmerz zu finden, schrieb Sfera Ebbasta auf Instagram. Er forderte seine Fans auf, darüber nachzudenken, wie "gefährlich und dumm es ist, Pfefferspray in einer Diskothek zu benutzen". Vom Club selbst gab es zunächst kein Statement.

Die Dynamik erinnert an eine Massenpanik in Turin, als beim Public Viewing des Champions-League-Finals im Juni 2017 Reizgas gesprüht wurde. Dafür verantwortlich gemacht wird eine Diebesbande, die Fans ausrauben wollte. Damals waren 1500 Menschen verletzt worden und eine Frau an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben.

Massenpanik in Diskothek bei Ancona mit sechs Toten
Tassilo Forchheimer, ARD Rom
08.12.2018 07:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. Dezember 2018 um 06:45 Uhr.

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