Sharo Garip | Bildquelle: dpa

Prozess in Istanbul Deutscher Soziologe darf Türkei verlassen

Stand: 19.12.2017 11:06 Uhr

Der Kölner Wissenschaftler Sharo Garip darf nach Deutschland zurückkehren. Ein Gericht in Istanbul hob ein zweijähriges Ausreiseverbot auf. Der Prozess gegen den Soziologen läuft aber weiter. Ihm wird Terrorpropaganda vorgeworfen.

Nach knapp zweijähriger Ausreisesperre darf der deutsche Soziologe Sharo Garip die Türkei verlassen und nach Köln zurückkehren. Ein Gericht in Istanbul hob zum Auftakt des Prozesses gegen den 51-Jährigen das Anfang 2016 gegen ihn verhängte Ausreiseverbot auf.

Das Verfahren wegen Terrorpropaganda wird aber fortgesetzt. Garip wies zu Beginn des Prozesses den Vorwurf der Terrorpropaganda zurück und forderte seinen Freispruch.

Appell von Akademikern unterschrieben

Der Deutsche hatte im Januar 2016 als einer von mehr als 1000 Akademikern einen Appell unterschrieben, in dem das harte Vorgehen der Regierung in den Kurdengebieten im Südosten der Türkei kritisiert wurde. Er gehört zu zahlreichen Akademikern, die deswegen angeklagt werden.

Garip will nun nach seinen Angaben "so schnell wie möglich ausreisen". Seinen Zwangsaufenthalt in der Türkei hatte er zuvor mit einem "Freiluftgefängnis" verglichen.

Beziehungen zur Türkei "sehr belastet"

An dem Prozess nahmen die Linke-Vizefraktionschefin im Bundestag, Heike Hänsel, und der deutsche Botschafter Martin Erdmann als Beobachter teil.

Hänsel begrüßte die Aufhebung des Ausreiseverbots für Garip ebenso, wie die Freilassung der Journalistim Mesale Tolus gestern. Sie sagte aber auch, die Beziehungen zur Türkei seien nach wie vor "sehr belastet". Sie betrachte deutsche Gefangene in der Türkei wie den "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel weiterhin als "Geiseln". Das Verfahren gegen Garip wird am 26. Februar fortgesetzt, das gegen Tolu am 26. April kommenden Jahres.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 19. Dezember 2017 um 10:42 Uhr.

Darstellung: