Teilnehmerinnen der Demonstration in Istanbul stemmen sich gegen die Protektoren der Polizisten. | Bildquelle: SEDAT SUNA/EPA-EFE/REX

Türkei Frauen-Demonstration in Istanbul aufgelöst

Stand: 09.03.2019 21:17 Uhr

Die Polizei in Istanbul hat eine Demonstration für die Rechte von Frauen beendet - Medienberichten zufolge mit Tränengas und Gummigeschossen.

Von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Der Abend fängt friedlich und fröhlich an. Tausende Frauen in lila Kleidung, der Farbe der Frauenbewegung, strömen in Richtung Stadtzentrum. Allerdings beginnt schon vor dem Taksim-Platz ein Spießrutenlauf durch Polizeiabsperrungen.

Frauen kommen nur einzeln zum Demonstrationszug auf der großen Einkaufsstraße durch, manche Männer gar nicht. Die Polizei versucht Teilnehmer abzuweisen. Innerhalb der Absperrung skandieren die Frauen Parolen für ihre Rechte und für Freiheit.

"Wir Frauen haben sehr viele Forderungen, denn viele unserer Rechte drohen uns genommen zu werden, und es wurden uns auch schon welche geraubt. Wir wollen klar machen, dass wir uns unsere errungenen Rechte nicht nehmen lassen. Und wir versuchen, unsere Stimme gegen Frauenmorde zu erheben. Wir wollen laut protestieren gegen sexuelle Belästigung und Vergewaltigung. Die Straßen gehören uns auch nachts. Wir wollen Städte, in denen sich die Frauen sicher und frei bewegen können."

Polizei drängt Frauen zurück

Das alles sagt eine Teilnehmerin unter den Augen von einem Großaufgebot an Polizei in voller Montur. Manche Beamte sind freundlich, ermuntern die Frauen, für ihre Rechte zu demonstrieren.

Andere sind rüde im Ton: "Als die Polizei uns gesagt hat, dass wir nicht weiter demonstrieren dürfen, haben sich die Frauen geweigert, sich zurückzuziehen. Sie haben sich gegen die Barrikaden der Polizei gestemmt. Die Polizei hat sie dann zurückgedrängt", sagt Feride Eralp, eine der Organisatorinnen der Demonstration. "Die Frauen haben aber nicht aufgegeben, für ihr Leben zu kämpfen und für ihr Recht, auf den Straßen zu demonstrieren."

Viele Tausend Frauen, die an der Demonstration am Weltfrauentag in Istanbul teilnehmen, stehen der Polizei gegenüber. | Bildquelle: AFP
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Viele Tausend Frauen, die an der Demonstration am Weltfrauentag in Istanbul teilnehmen, stehen der Polizei gegenüber.

Zum 17. Mal gehen sie zum Weltfrauentag in Istanbul auf die Straße. Eine Genehmigung haben sie sich dafür noch nie geholt, erzählt die junge Frau selbstbewusst. Noch nicht mal im Ausnahmezustand letztes Jahr gab es Probleme.

Eralp versteht nicht, warum es dieses Jahr eskaliert: "Sie haben Tränengas und Gummigeschosse eingesetzt, um Zehntausende Frauen zurückzudrängen. Nicht nur die Haupteinkaufsstraße hier war voll mit Frauen, sondern auch der Taksim-Platz, weil die Polizei uns nicht erlaubt hat, einfach weiter zu demonstrieren."

"Wir akzeptieren dieses Verbot nicht"

Auch in den Seitenstraßen geht der Protest der Frauen weiter. Videos im Netz zeigen, wie die Polizei Tränengas oder Pfefferspray gegen Teilnehmerinnen einsetzt. Sie husten und halten sich Tücher vors Gesicht.

Großdemonstrationen gibt es in der Türkei in diesen Tagen kaum noch. Angeblich, so heißt es spät am Abend, hatte die Polizei den Istanbuler Nachtmarsch der Frauen einige Stunden zuvor verboten.

"Wir akzeptieren dieses Verbot nicht und auch keine andere Einschränkung, wo man uns sagen will, was wir tun dürfen und was nicht", sagt Eralp. "Unser Aufstand für Frauenrechte wird weitergehen."

Bis spät in die Nacht hört man auf den Straßen Parolen von Frauen und die Polizei. Im Netz fragen sich viele: Warum? Warum fühlt sich der türkische Staat bedroht durch Frauen, die friedlich für ihre Rechte demonstrieren?

Polizei geht gegen Demo zum Weltfrauentag in Istanbul vor
Karin Senz, ARD Istanbul
09.03.2019 00:42 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. März 2019 um 02:39 Uhr.

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