Polizisten bewachen das Gebiet um den Nachtclub. | AFP

Istanbul 39 Tote bei Anschlag auf Nachtclub

Stand: 01.01.2017 12:47 Uhr

Die Zahl der Opfer des Anschlags auf einen Nachtclub in Istanbul hat sich auf 39 erhöht. Darunter seien mindestens 15 Ausländer, so das Innenministerium. Die Polizei fahndet nach dem Täter, der kurz nach Mitternacht in dem Club wahllos um sich schoss.

Bei einem Angriff auf die Silvesterfeier in einem der größten Nachtclubs im Zentrum Istanbuls sind mindestens 39 Menschen getötet worden. Zunächst war von 35 Toten gesprochen worden. Unter den bislang 21 identifizierten Opfern seien 15 Ausländer, teilte der türkische Innenminister Süleyman Soylu mit. 69 weitere Menschen seien bei dem Attentat verletzt worden, vier von ihnen schwer. Das Auswärtige Amt klärt derzeit, ob Deutsche unter den Opfern sind. Nach Angaben des israelischen Außenministeriums ist eine Frau aus Israel unter den Toten. Außerdem wurden nach türkischen Angaben Menschen aus Saudi-Arabien, Marokko, Libyen und dem Libanon getötet.

Fahndung nach Täter

Innenminister Soylu sagte, der Täter sei entkommen und die Fahndung nach ihm laufe. "Die Suche nach dem Terroristen geht weiter. So Gott will, wird er in Kürze gefangen genommen." Er fügte hinzu: "Das ist ein Massaker, eine wahrlich unmenschliche Brutalität."

Angreifer im Weihnachtsmannkostüm

Istanbuls Gouverneur Vasip Sahin sprach wie Innenminister Soylu von einem "Terrorangriff", sagte aber nichts zu den möglichen Drahtziehern. Es bekannte sich bislang auch niemand zu der Tat. Sahins Angaben zufolge erschoss mindestens ein Angreifer in einem Weihnachtsmannkostüm einen Polizisten und einen Zivilisten vor dem Eingang des Nachtclubs Reina, bevor er im Inneren des Clubs wahllos um sich schoss. Er habe "auf die brutalste und gnadenloseste Weise auf unschuldige Menschen gezielt, die nur hergekommen waren, um Silvester zu feiern und Spaß zu haben", sagte Sahin.

Der Nachtclub "Reina"

Der schicke Istanbuler Nachtclub "Reina" ist eine Institution des Nachtlebens in der Bosporus-Metropole. Der direkt am Wasser unterhalb einer der drei großen Brücken über die Meerenge gelegene Club, der über mehrere Restaurants, Tanzflächen und eine zentrale Bar verfügt, ist seit seiner Eröffnung 2002 beim türkischen Jetset, Prominenten sowie ausländischen Touristen sehr angesagt.
Sowohl Fußballspieler als auch türkische Fernsehstars verkehren im "Reina", in das nur ein ausgewähltes, zahlungskräftiges Publikum gelassen wird. Die Partys in dem Club auf der europäischen Seite von Istanbul, von dem sich ein spektakulärer Blick über den Bosporus auf die Lichter der asiatischen Seite bietet, beginnen oft erst nach Mitternacht und enden zumeist in den frühen Morgenstunden.

Die Nachrichtenagentur Dogan berichtete von zwei Angreifern, dafür gibt es bislang jedoch keine Bestätigung. Laut Dogan feierten und tanzten zum Zeitpunkt des Angriffs zwischen 700 und 800 Menschen in dem berühmten Nachtclub am Ufer des Bosporus. Augenzeugen hätten berichtet, der oder die Angreifer hätten Arabisch gesprochen. Die Durchsuchung des Nachtclubs durch Spezialeinheiten der Polizei dauert demnach an.

Erdogan will Terror entschlossen bekämpfen

Präsident Recep Tayyip Erdogan kündigte an, weiter entschlossen gegen Terrorismus zu kämpfen. Ziel der Angreifer sei, Chaos zu stiften, doch die Türkei werde das nicht zulassen. Vielmehr werde man "bis zum Ende" gegen die Angriffe der "Terrororganisationen und der Kräfte dahinter" kämpfen. Damit seien nicht nur bewaffnete Angriffe gemeint, sondern auch solche gegen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.

Ein Polizeiboot ankert vor dem Nachtclub. | AFP

Ein Polizeiboot ankert vor dem Nachtclub. Bild: AFP

Internationales Entsetzen

Die Bundesregierung äußerte sich entsetzt über den Anschlag. Kanzlerin Angela Merkel sprach von einer "menschenverachtenden und hinterhältigen" Tat. Das Auswärtige Amt twitterte: "Wir sind tief bestürzt und trauern mit den Menschen in Istanbul." Ähnlich äußerte sich NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Die US-Regierung sprach von einer Gräueltat ausgerechnet an Silvester, was die Brutalität der Angreifer nur noch unterstreiche. "Wir bekräftigen die Unterstützung der USA für die Türkei, unserem NATO-Verbündeten, in unserer gemeinsamen Entschlossenheit, alle Arten von Terrorismus zu bekämpfen und zu besiegen", erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Ned Price. Präsident Barack Obama habe den türkischen Behörden Hilfe angeboten, wie das Weiße Haus mitteilte.

Anteilnahme und Unterstützung im Kampf gegen Terror kamen auch aus Moskau. "Es ist unsere Pflicht, entschlossen Widerstand gegen die terroristische Aggression zu leisten", schrieb Kremlchef Wladimir Putin in einem Telegramm an Erdogan.

Aus Angst vor Anschlägen waren in der Silvesternacht Medienberichten zufolge 17.000 Polizisten in Istanbul im Einsatz. An der zentralen Ausgehmeile Istiklal Caddesi kontrollierten Sicherheitskräfte die Zugänge und durchsuchten Taschen. Die deutsche Botschaft hatte in einer Mitteilung an Deutsche angesichts der Terrorgefahr mitgeteilt: "Die Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen und Festlichkeiten an Silvester und Neujahr sollte verantwortungsvoll geprüft werden."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Januar 2017 um 12:00 Uhr.