Matthias Maurer | REUTERS

Astronaut Maurer über ISS-Mission "Blick auf die Erde war das Schönste im All"

Stand: 11.05.2022 15:26 Uhr

Sechs Monate im All waren für den deutschen Astronauten Maurer ein Erlebnis: An 130 Experimenten nahm er teil und kümmerte sich um Weltraumtouristen. Einmal fühlte er sich sogar wie "Alice im Wunderland."

Wenige Tage nach der Rückkehr von seiner ersten Weltraummission auf die Erde hat der deutsche Astronaut Matthias Maurer auf einer Pressekonferenz mehr über seine Zeit auf der internationalen Raumstation ISS berichtet.

Er fühle sich derzeit bis auf etwas Kopfschmerzen wunderbar, so Maurer. Er habe festgestellt, dass die Gewöhnung an die Schwerkraft anstrengender sei als die an die Schwerelosigkeit. Den Flug aus den USA nach Köln direkt nach seiner Erdlandung habe er komplett im Liegen zurückgelegt, um sich etwas zu erholen.

"Die Schwerkraft hat auch Vorteile, nämlich dass das Essen auf dem Teller bleibt", sagte der Astronaut. Inzwischen habe er endlich mal wieder Pizza und andere knusprige Dinge sowie gut gewürztes asiatisches Essen gegessen.

In 90 Minuten einmal um die Erde

Das Schönste im Weltraum sei für ihn der Blick von oben auf die Erde gewesen, berichtete Maurer. "Man erkennt da Dinge, die man vorher eigentlich nur in Zahlen gelernt hat", sagte der Ingenieur. "Und plötzlich versteht auch das Herz, was da unten passiert."

Wenn man in 90 Minuten einmal die Erde umrunde, begreife man, "dass das alles eine Einheit ist" und dass die Menschen gemeinsam Verantwortung für den Planeten übernehmen müssten.

Entsetzen über Beginn des Ukraine-Kriegs

Über den Beginn der russischen Invasion in die Ukraine habe er sich dank Nachrichten-Apps gut informiert gefühlt, sagte Maurer. Unmittelbar danach habe auf der ISS zunächst eine gewisse Unsicherheit geherrscht, wie mit dem Thema umgegangen werden sollte.

"Zum Glück waren es die russischen Kollegen, die das direkt angesprochen haben", sagte Maurer. "Oben waren wir alle einer Meinung: Dass wir alle entsetzt und betroffen waren über das, was auf der Erde vorgefallen ist, da gab es keinen Unterschied zwischen uns."

Zimmertausch auf der ISS

Probehalber tauschte Maurer auch einmal die Zimmer mit den russischen Kosmonauten. "Ich hatte eine neue Kajüte im Columbus-Modul. Da sagten die russischen Kollegen, da würde ich auch mal gerne schlafen, machen wir mal einen Zimmertausch", sagte Maurer. "Und da haben wir da so ein bisschen einen WG-Tausch gemacht."

Über den Besuch von Weltraumtouristen auf der ISS zog Maurer ein gemischtes Fazit. Während der Aufenthalt des japanischen Weltraumtouristen Yusaku Maezawa im Dezember "hervorragend" verlaufen sei, hätten die Weltraumtouristen aus den USA viel Hilfe gebraucht, erklärte Maurer. Zu acht sei es eng geworden auf der ISS.

"Im Endeffekt mussten wir sie sehr stark unterstützen, das hat natürlich für uns bedeutet: Unsere Arbeit blieb liegen", sagte Maurer. Für acht Menschen habe es nicht genug Forschungsmöglichkeiten gegeben, auch eine ausreichende Unterstützung von der Erde aus sei nicht möglich gewesen. Die Touristen bräuchten insgesamt eine "einfachere Infrastruktur, die weniger fehleranfällig ist".

Zukunft der Raumfahrt "kommerziell"

Gleichzeitig habe der Weltraumbesuch der drei Unternehmer unter Leitung eines früheren Astronauten auch eine positive Seite gehabt: "Diese Weltraumtouristen haben natürlich ein ganz anderes Netzwerk dadurch, dass sie einer anderen Bevölkerungsschicht angehören", sagte Maurer.

Auch privat würden die Unternehmer viel Geld für Forschung spenden. Auf der ISS hätten die Astronauten plötzlich Zugang zu Wissenschaftlern und Experimenten gehabt, "die über den klassischen Weg der Raumfahrt nicht so schnell oben angekommen wären". Er sei sich sicher, dass die Raumfahrt der Zukunft kommerziell ablaufen werde.

Der deutsche Astronaut Matthias Maurer nach seiner Rückkehr von der ISS | dpa

Der deutsche Astronaut Matthias Maurer nach seiner Rückkehr von der ISS. Bild: dpa

Wie "Alice im Wunderland" beim Außeneinsatz

Maurer war am Freitag nach einem halben Jahr auf der ISS auf die Erde zurückgekehrt. Der 52-Jährige landete mit drei US-Kollegen an Bord einer Dragon-Kapsel des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX vor der Küste Floridas im Meer und flog dann an Bord einer Luftwaffenmaschine nach Deutschland. Maurer war der 600. Mensch und der zwölfte Deutsche im All.

Auf der ISS wirkte er an mehr als 130 Experimenten mit und absolvierte einen Außeneinsatz. "Das war eigentlich der tollste Tag in dieser Mission", sagte Maurer. Ein Weltraumspaziergang sei noch einmal etwas völlig anderes als der Aufenthalt auf der Raumstation: "Ich habe mich gefühlt wie ´Alice im Wunderland´."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Mai 2022 um 14:00 Uhr.