Kosmonaut Oleg Kononenko beim Außeneinsatz | Bildquelle: NASA

Gersts Rückflug zur Erde Das Loch im Sojus-Raumschiff - ein Risiko?

Stand: 19.12.2018 14:30 Uhr

Das Leck am Sojus-Raumschiff war winzig und es wurde geschlossen. Doch die Ursache ist nicht geklärt. Nun fliegt Alexander Gerst mit diesem Raumschiff zur Erde. Ist das riskant?

Von Jan-Claudius Hanika, BR

Am 29. August 2018 registrierten die Flugleitzentren auf der Erde einen leichten Druckabfall an Bord der Internationalen Raumstation. Anscheinend entwich Luft in den Weltraum. Die Raumfahrer an Bord suchten einen Tag lang. Dann entdeckten sie die Ursache für den Druckverlust: ein Loch mit rund zwei Millimeter Durchmesser an einer schwer zugänglichen Stelle im Sojus-Raumschiff MS-09, das an die ISS angedockt ist. Damit waren Alexander Gerst, die Astronautin Serena Auñón-Chancellor und der Kosmonaut Sergei Prokopjew am 6. Juni zur ISS geflogen. Am 20. Dezember sollen sie mit ihm auch wieder zurückkehren.

Alexander Gerst auf der ISS | Bildquelle: dpa
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Alexander Gerst bereitet sich auf einen Ausstieg ins Weltall vor. Die Aufnahme stammt aus dem September 2018.

Nachdem das Leck gefunden worden war, dichtete Prokopjew es mit einem mit Epoxidharz getränkten Spezialtuch ab. Von da an war der Kabinendruck in der ISS wieder stabil. Zunächst wurde vermutet, dass ein Stück Weltraumschrott oder ein winziger Meteorit das Loch in das Raumschiff geschlagen haben könnte. Das war naheliegend, denn die ISS muss häufig kleineren Objekten ausweichen, die sich auf Kollisionskurs mit ihr befinden.

Wilde Spekulationen

Wenig später tauchte im Internet ein Foto auf, das aus einem NASA-Video stammen soll. Darauf waren angeblich das Loch im Sojus-Raumschiff sowie Spuren von Bohrungen zu sehen. In russischen Medien löste das Leck wilde Spekulationen aus. Es wurde gemutmaßt, ein US-Astronaut an Bord der ISS habe es absichtlich gebohrt, um schneller zur Erde zurückkehren zu können. Die russische Weltraumagentur Roskosmos wies diese Spekulationen als "absolut inakzeptabel" zurück, schloss allerdings nicht aus, dass das Loch tatsächlich vorsätzlich gebohrt worden sein könnte.

Eine andere Vermutung lautete, dass das Loch schon bei RKK Energija, dem russischen Hersteller des Sojus-Raumschiffs, entstanden sein könnte. Ein Arbeiter habe es unabsichtlich gebohrt und, um seinen Fehler zu vertuschen, mit Klebstoff verschlossen. Dieser habe zwei Monate gehalten, dann sei der Kleber im Orbit getrocknet und nach draußen gedrückt worden.

An die ISS angedocktes Sojus-Raumschiff MS-09
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Das an die ISS angedockte Sojus-Raumschiff MS-09, mit dem Gerst zurückfliegt.

Kosmonauten nehmen Proben von der Außenwand

Bei einem Außeneinsatz am 11. Dezember untersuchten zwei russische Kosmonauten die Hülle des Sojus-Raumschiffs. Oleg Kononenko legte das Loch von außen frei. Sein Kollege Sergej Prokopjew und er machten Fotos und Videos von dem Leck. Außerdem nahmen sie Proben von der Außenwand der Sojus-Kapsel. Diese Proben nehmen Alexander Gerst und seine Begleiter in der Sojus-Kapsel mit zur Erde, damit russische Experten sie untersuchen können.

Keine Gefahr für Alexander Gerst

Das Loch im Sojus-Raumschiff wurde als "klein, aber gefährlich" bezeichnet. Beim Heimflug von Alexander Gerst und seinen beiden Begleitern ist es aber kein Sicherheitsrisiko. Das Leck befindet sich im Orbitalmodul des Raumschiffs, das zum Ankoppeln an die ISS und zum Umsteigen in die Raumstation dient. Beim Rückflug zur Erde wird das Modul rund eine halbe Stunde vor der Landung in circa 140 Kilometern Höhe abgesprengt und verglüht in der Atmosphäre. Nur die Landekapsel mit den Raumfahrern schwebt, gebremst von Fallschirmen, Richtung Erde und setzt in der kasachischen Steppe auf.

Die russische Weltraumbehörde will aber dennoch herausfinden, was die Ursache des Lecks war. Denn solange diese unbekannt ist, drohen ähnliche Vorfälle auch in Zukunft.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Dezember 2018 um 12:00 Uhr.

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