Das  U-Boot "Rahav" liegt im April 2015 im Dock der Werft ThyssenKrupp Marine Systems in Kiel  | Bildquelle: dpa

ThyssenKrupp U-Boot-Deal Israels Justiz weitet Ermittlungen aus

Stand: 28.02.2017 10:47 Uhr

Israels Justiz weitet ihre Korruptionsermittlungen im Zusammenhang mit einem U-Boot-Geschäft von ThyssenKrupp aus. Gegen Ministerpräsident Netanyahu werde in diesem Fall nicht ermittelt, so das Justizministerium. Er steht dennoch unter Druck.

Der israelische Generalstaatsanwalt ermittelt wegen des Verdachts der Korruption beim Kauf von U-Booten aus Deutschland. Es gehe um mehrere Verdächtige, teilte das Justizministerium mit. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gehöre nicht dazu.

Das Geschäft soll ein Volumen von 1,5 Milliarden Euro haben. Es geht um drei U-Boote von ThyssenKrupp Marine Systems in Kiel. Außerdem hatte Israel im Mai 2015 einen Vertrag zum Kauf von vier deutschen Korvetten von ThyssenKrupp geschlossen. Laut einer Sprecherin des Justizministeriums betreffen die Ermittlungen beide Fälle.

ThyssenKrupp wehrt sich gegen die Vorwürfe: "Auf Basis der bereits durchgeführten Untersuchungsmaßnahmen haben sich bislang keine Hinweise auf Korruption ergeben - weder mit Blick auf U-Boot-Projekte noch im Zusammenhang mit der Beschaffung von Korvetten", so das Unternehmen.

Rolle von Ministerpräsident Netanyahu

Ministerpräsident Netanjahu steht seit Monaten auch wegen der U-Boot-Affäre unter Druck. Denn sein persönlicher Rechtsberater David Schimron gilt als Schlüsselfigur. Schimron vertritt auch den Geschäftsmann Miki Ganor, der als israelischer Vertriebspartner von ThyssenKrupp Marine Systems diente. Sollte der Deal zustande kommen, könnte er einen Geldbetrag in Millionenhöhe erhalten. Der deutsche Lieferant hatte im vergangenen Jahr eine eigene Untersuchung eingeleitet.

Gegen Netanjahu selber gibt es seit Wochen Korruptionsvorwürfe. Gegen den Regierungschef laufen bereits Ermittlungen wegen Bestechlichkeit. Dabei geht es um Zuwendungen reicher Israelis und ausländischer Geschäftsmänner im Wert von mehreren zehntausend Dollar. Zudem soll er mit dem Zeitungsverleger Amnon Moses über eine für den Regierungschef vorteilhaftere Berichterstattung verhandelt haben. Netanjahu weist alle Vorwürfe von sich. Er sieht sich als Opfer einer politisch motivierten Kampagne.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Februar 2017 um 11:00 Uhr

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