Benjamin Netanyahu | Bildquelle: AP

Fall Khashoggi Warum Israel sich so zurückhält

Stand: 22.10.2018 20:34 Uhr

Der Tod des saudischen Journalisten Khashoggi ist auch in Israel ein großes Thema. Nicht jedoch in offiziellen Äußerungen von Politikern oder gar des Ministerpräsidenten. Warum schweigt Israel dazu?

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Im Nahen Osten gibt es Geheimnisse, die längst keine Geheimnisse mehr sind. Und Israels Premier Benjamin Netanyahu gibt sich in letzter Zeit immer weniger Mühe, dieses eine Geheimnis zu wahren: dass es im Verborgenen einen engen Kanal zwischen Israel und Saudi-Arabien gibt.

Annäherung soll nicht gefährdet werden

"Es gibt eine Allianz zwischen Israel und anderen Ländern des Nahen Ostens, die bis vor ein paar Jahren unvorstellbar gewesen wäre", sagte Netanyahu Anfang des Jahres. "Wenn Iran eine Atombombe bauen will, dann werden das viele Länder verhindern. Wir werden das verhindern. Und es gibt arabische Staaten, die ich hier nicht nenne, die meiner Meinung sind."

Israel und Saudi-Arabien haben einen gemeinsamen Erzfeind: Iran. Laut Medienberichten tauschen die Geheimdienste beider Länder Informationen aus. Im Frühjahr sagte der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman: Palästinenser und Israelis hätten das Recht auf ein eigenes Land.

Für viele war das eine indirekte Anerkennung von Israels Existenzrecht durch das saudische Königshaus. Wenn sich Israels Politiker nun - nach dem mutmaßlichen Mord am saudischen Journalisten Jamal Khashoggi - merklich zurückhalten, dann hat das einen einfachen Grund: Die Annäherung zwischen Israel und Saudi-Arabien soll nicht gefährdet werden.

Die Navvab-Straße in Teheran | Bildquelle: AFP
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Die Navvab-Straße in Teheran: Iran ist das gemeinsame Feindbild von Israel und Saudi-Arabien.

Eine offene Allianz

Shaul Yanai, Politikwissenschaftler an der Universität Haifa, sagt: "Saudi-Arabien ist die einzige Macht im Nahen Osten, die in der Lage ist, Länder zu verbünden und Iran aufzuhalten."

Für Netanyahu sei das noch ein Schattenbündnis, wie er es selbst nennen würde, für andere sei es aber längst eine offene Allianz. "Für die USA zum Beispiel, die in Iran eine Gefahr für die Region sehen, ist das Bündnis mit Saudi-Arabien ein wertvoller Schatz. Das Land könnte auch bei einem Friedensprozess mit den Palästinensern helfen", so Yanai im israelischen Fernsehen.

Sollen die Saudis auf Palästinenser einwirken?

Israel und die USA hoffen, dass die Saudis Druck auf die Palästinenser ausüben. Saudi-Arabien, so die Hoffnung, soll die Palästinenser zu Zugeständnissen zwingen, die bisher als Tabu gelten - zum Beispiel auf Ost-Jerusalem als eigene Hauptstadt zu verzichten. Auch der getötete Journalist Khashoggi beschäftigte sich mit diesen Themen.

Die israelische Journalistin Smadar Perry von der Zeitung Yedioth Achronot, kannte ihn persönlich: "Er war sehr an Israel interessiert", sagte sie dem Sender I24. "Damals war er noch Teil des saudischen Regimes. Er hatte immer einen Chef dabei, mal war es ein saudischer Prinz, mal ein Minister. Er hat sich mit mir unterhalten, um Informationen für sie zu gewinnen. Dann musste er Saudi-Arabien verlassen. Und die Dinge änderten sich."

Smadar Perry glaubt, dass der Grund für die zögerliche Haltung der Israelis in Washington liegt: "Israel wird nicht unabhängig agieren. Es braucht die Amerikaner. Trump berät sich mit Netanyahu. Dann entscheidet sich Trump. Und das wird dann passieren."

Ein Zug von Saudi-Arabien nach Israel

Israel hat kein Interesse daran, dass der saudische Kronprinz bin Salman in dessen Heimat wegen der Affäre um den getöteten Journalisten unter Druck gerät. Das Land setzt fest auf stabile Verhältnisse und immer engere Verbindungen zum saudischen Königshaus.

Vor einer Woche bekräftigte Israels Verkehrsminister Israel Katz ein wahrhaft historisches Vorhaben: Eine Zuglinie, die Saudi-Arabien Zugang zu Israels Häfen geben soll. Khashoggi, der saudische Journalist, war da bereits 13 Tage tot.

Warum Israel zum Fall Khashoggi schweigt
Benjamin Hammer, ARD Tel Aviv
22.10.2018 19:36 Uhr

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