Ein ultraorthodoxer Jude im Gebet | Bildquelle: AP

Israel an Jom Kippur Tausende Gläubige brechen Corona-Regeln

Stand: 29.09.2020 15:35 Uhr

Lockdown in Israel - und trotzdem versammelten sich Tausende Gläubige am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur. Dichtgedrängt und ohne Masken kamen sie in die Synagogen. Es gibt mehrere Gründe dafür.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Die Synagoge der ultra-orthodoxen Belz-Gemeinde ist ein riesiger Bau in Jerusalem. Laut einem Bericht der israelischen Tageszeitung Haaretz kamen hier gestern etwa 4000 Gläubige zusammen. Dichtgedrängt und fast alle ohne Masken.

Es ist der vielleicht heftigste von vielen Regelbrüchen am höchsten jüdischen Feiertag. Eigentlich galten für Synagogen strenge Abstands- und Maskenregeln.

Ärzte befürchten massenhafte Ansteckungen

Ärzte hatten vor dem Feiertag heftig kritisiert, dass die Synagogen überhaupt offen bleiben durften. Sie befürchten nun, dass sich am Yom Kippur erneut massenhaft Menschen mit dem Coronavirus infiziert haben.

In Israel gibt es - gemessen an der Bevölkerung -  eine der höchsten Infektionsraten der Welt. Auch die Sterberate stieg in den vergangenen Wochen deutlich.

Ultra-orthodoxe Gläubige brechen Corona-Regeln

Im säkular geprägten Tel Aviv hielten sich auch viele nicht an die Maskenpflicht, die in Israel auch draußen gilt. Teile der ultra-orthodoxen Gesellschaft brechen die Regeln jedoch noch offensiver. In diesem Teil der Bevölkerung verbreitet sich das Virus extrem schnell.

Für die Regelbrüche gibt es mehrere Ursachen. Eine davon ist das fehlende Vertrauen in die Regierung von Premier Benjamin Netanyahu. Ein anderer, dass die sogenannte zweite Welle hier bereits seit Monaten läuft. Bei den ultra-orthodoxen Juden gibt es noch einen weiteren Faktor: Manche von ihnen fühlen sich dem Staat Israel schlicht nicht zugehörig.

Jom Kippur: Tausende Gläubige brachen Corona-Regeln
Benjamin Hammer, ARD Tel Aviv
29.09.2020 14:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. September 2020 um 07:36 Uhr.

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