Zusammenstöße in Jerusalem | AP

Zwangsräumung von Palästinensern Erneut Proteste in Ost-Jerusalem

Stand: 10.05.2021 03:51 Uhr

Auch in der Nacht zum Montag kam es in Jerusalem erneut zu Zusammenstößen zwischen Palästinensern und der israelischen Polizei. Dabei wurden sieben Menschen verletzt. Die USA zeigen sich besorgt.

In Ost-Jerusalem ist es auch am Sonntagabend zu Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gekommen. Der palästinensische Rote Halbmond berichtete, sieben Menschen seien verletzt worden. 

Die israelische Polizei stand an verschiedenen Orten in Ost-Jerusalem überwiegend jungen palästinensischen Demonstranten gegenüber. Dabei setzte sie Blendgranaten und Wasserwerfer gegen die Palästinenser am Damaskus-Tor am Rande der Altstadt ein. Zusammenstöße gab es auch im Viertel Scheich Dscharrah, wo Palästinenser mit Steinen auf die Sicherheitskräfte warfen. Dort hatten die jüngsten Proteste ihren Ausgang genommen, weil rund 30 Palästinenser mit der Zwangsräumung ihrer Wohnungen rechnen müssen, die von jüdischen Israelis beansprucht werden.

Mehr als 300 Verletzte

Am Wochenende war es infolge der drohenden Zwangsräumungen zu massiven Protesten von Palästinensern gekommen. Bei den schwersten Zusammenstößen seit Jahren wurden mehr als 300 Menschen verletzt. Ein für Montag geplanter Gerichtstermin zu den Zwangsräumungen wurde am Sonntag verschoben. 

Regierungschef Benjamin Netanyahu verteidigte zwar das Vorgehen der israelischen Sicherheitskräfte und versicherte, Israel werde entschlossen vorgehen, um  "Recht und Ordnung" durchzusetzen. Alle sechs arabischen Länder, die diplomatische Beziehungen zu Israel unterhalten - Ägypten, Jordanien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Marokko und Sudan - verurteilten aber das israelische Vorgehen. Jordanien und Ägypten bestellten die Gesandten Israels ein, um gegen das israelische Vorgehen an der Al-Aksa-Moschee zu protestieren.

Auch die USA äußerten sich besorgt. Das Weiße Haus teilte mit, Sicherheitsberater Jake Sullivan habe seinen israelischen Kollegen Meir Ben-Shabbat darüber in einem Telefongespräch informiert. Die Biden-Administration habe "ernsthafte Bedenken" über die möglichen Vertreibungen palästinensischer Familien aus ihren Häusern im Ortsteil Scheich Dscharrah, teilte die Regierungszentrale mit.

Keine Entspannung in Sicht

Angesichts der wachsenden Spannungen will sich der UN-Sicherheitsrat nach tunesischen Angaben in einer nicht-öffentlichen Sitzung mit der Gewalt in Jerusalem befassen. Trotz der internationalen Aufrufe zur Deeskalation ist in Jerusalem aber keine Entspannung in Sicht: Am Montagnachmittag ist ein Marsch von Juden zur Erinnerung an die israelische Besetzung von Ost-Jerusalem 1967 geplant - in Israel wird dies als Jerusalem-Tag begangen.

Israel hatte den Ostteil Jerusalems im Sechs-Tage-Krieg 1967 besetzt und 1980 annektiert. Die Annexion wird international nicht anerkannt. Israel hat ganz Jerusalem zu seiner "unteilbaren" Hauptstadt erklärt, während die Palästinenser Ost-Jerusalem zur Hauptstadt ihres eigenen angestrebten Staats machen wollen.

Die Unruhen in Jerusalem breiteten sich auf die Palästinensergebiete im Westjordanland und im Gaza-Streifen aus. Die radikal-islamische Hamas, die den Gaza-Streifen kontrolliert, unterstützte ebenso wie Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die Demonstranten in Jerusalem. Aus dem Gaza-Streifen wurden am Sonntag nach Angaben der israelischen Armee mindestens drei Raketen auf Israel abgefeuert, auch wurden demnach Brandballons losgeschickt, durch die 39 Brände auf israelischem Gebiet ausgelöst wurden. An der Grenze zum Gaza-Streifen versammelten sich am Sonntagabend hunderte Palästinenser zum Protest.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Mai 2021 um 07:00 Uhr.