Pressekonferenz des israelischen Verteidigungsministers Lieberman | Bildquelle: AFP

Spannungen in Nahost Israel fordert iranischen Abzug aus Syrien

Stand: 11.05.2018 20:27 Uhr

Israels Verteidigungsminister Lieberman hat die syrische Regierung aufgefordert, iranische Truppen aus dem Land zu werfen. Teheran nennt Israels Anschuldigungen erfunden und warnt vor neuen Angriffen.

Nach dem Militärschlag auf iranische Stellungen in Syrien sendet Israel erneut scharfe Töne nach Teheran - auf indirektem Weg: "Assad, werde die Iraner los... Sie helfen dir nicht", sagte der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman bei einem Besuch der Golanhöhen. "Ihre Anwesenheit wird nur Probleme und Schäden verursachen." Iran ist neben Russland ein wichtiger Unterstützer der syrischen Regierungstruppen im Bürgerkrieg.

Zugleich erklärte Lieberman, Israel suche von sich aus keinen Streit: "Wir sind nicht an die iranische Grenze gekommen, sie sind hierher gekommen". Israel wirft den iranischen Revolutionsgarden vor, israelische Armeestellungen auf den Golan-Höhen mit Raketen beschossen zu haben. Am Donnerstag hatte das Land deshalb iranische Stellungen in Syrien aus der Luft angegriffen.

Iran wirft Israel vor, Angriff erfunden zu haben

Der Iran wirft Israel vor, unter einem Vorwand agiert zu haben. Die Begründung für die israelischen Luftangriffe sei "erfunden", erklärte das Außenministerium in Teheran. "Das Schweigen der internationalen Gemeinschaft ermutigt Israel zur Aggression." Syrien habe jedes Recht, sich dagegen zu verteidigen. Zugleich warnte der Iran Israel vor weiteren Militärschlägen.

Beobachter schlossen nicht aus, dass die mit dem Iran verbündete Hisbollah-Miliz zu einem Gegenschlag aus dem Süden des Libanon ausholen könnte. Die dort stationierte UN-Truppe Unifil erklärte jedoch, die Lage an der libanesischen Grenze zu Israel sei zunächst ruhig geblieben.

Rouhani: Will "keine neuen Spannungen"

Die Vereinten Nationen warnten angesichts der Konfrontation vor einem "Flächenbrand" im Nahen Osten. In einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte der iranische Präsident Hassan Rouhani versichert, er wolle "keine neuen Spannungen" im Nahen Osten. Merkel hatte ihrerseits die "iranischen Angriffe auf israelische Militärstellungen" verurteilt und den Iran aufgefordert, zur Deeskalation beizutragen.

Der Konflikt zwischen Israel und dem Iran hatte sich in den vergangenen Wochen erheblich verschärft - nicht zuletzt befeuert durch den Ausstieg der USA aus dem Atom-Abkommen mit dem Iran und US-Präsident Trumps Anerkennung von Jerusalem als israelische Hauptstadt.

Die USA ihrerseits forderten die Weltgemeinschaft dazu auf, Einfluss auf den Iran auszuüben: "Es ist Zeit für alle verantwortungsbewussten Nationen, Druck auf den Iran zu machen, um sein gefährliches Verhalten zu verändern", hieß es in einer Mitteilung des Weißen Hauses.

Auswärtiges Amt rät von Besuchen in Jerusalems Altstadt ab

Das Auswärtige Amt rät Israel-Reisenden angesichts der bevorstehenden Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem zur besonderen Wachsamkeit. Das Ministerium empfiehlt, bis einschließlich kommenden Dienstag von Besuchen der Altstadt Jerusalems "möglichst abzusehen". Reisende vor Ort wurden um besondere Vorsicht gebeten, insbesondere in der Altstadt, dem Tempelberg/Haram al-Scharif und deren Umgebung am Damaskustor und den übrigen Altstadttoren sowie in den an die Altstadt angrenzenden Stadtvierteln. "In diesen Gebieten kann es, wie in der Vergangenheit, jederzeit zu gewaltsamen Ausschreitungen kommen", heißt es auf der Internetseite des Ministeriums.

Über dieses Thema berichtete am 11. Mai 2018 NDR Info um 15:15 Uhr und Inforadio um 15:10 Uhr.

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