Israels Regierungschef Netanyahu | Bildquelle: JIM HOLLANDER/EPA-EFE/REX/Shutte

Nach Gewalt in Gaza Israel spricht von "Schutz vor Terror"

Stand: 01.04.2018 03:09 Uhr

Als "Schutz vor Terror" hat Israel sein Vorgehen an der Grenze zum Gazastreifen verteidigt. Der türkische Präsident Erdogan sprach hingegen von einem "Massaker". UN und EU forderten unabhängige Ermittlungen der Gewalt mit mindestens 15 Toten.

Nach den tödlichen Schüssen israelischer Soldaten auf Palästinenser bei Massenprotesten im Gazastreifen hat die Regierung das Vorgehen der Armee an der Grenze des Küstengebietes verteidigt. "Der Sperrzaun zwischen Israel und dem Gazastreifen trennt zwischen einem souveränen Staat und einer Terrororganisation", erklärte das Außenministerium. "Er trennt zwischen einem Staat, der seine Bürger schützt, und Mördern, die Angehörige ihres eigenen Volkes in die Gefahr schicken."

Ähnlich argumentierte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu: "Israel geht mit Entschlossenheit vor, um seine Souveränität und die Sicherheit seiner Bürger zu schützen."

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas machte Israel für die Eskalation verantwortlich. "Die große Zahl von Märtyrern und Verwundeten bei friedlichen Protesten zeigt, dass die internationale Gemeinschaft einschreiten muss, um unser palästinensisches Volk zu schützen", sagte Abbas.

Steine und Brandbomben gegen Soldaten

Zehntausende Palästinenser, darunter zahlreiche Frauen und Kinder, hatten für ein "Recht auf Rückkehr" nach Israel demonstriert. Nach israelischen Angaben versuchten einige, die Sperranlage zu durchbrechen. Auf diese und auf Demonstranten, die Steine und Brandbomben schleuderten, wurde nach israelischen Angaben geschossen. Zehn der Toten hätten einen "dokumentierten Terror-Hintergrund", erklärte die Armee. Im Gazastreifen herrscht die radikalislamische Hamas.

Die Hamas wollte mit der Aktion ihren Anspruch auf ein "Recht auf Rückkehr" für palästinensische Flüchtlinge und deren Nachkommen in das Gebiet des heutigen Israels untermauern. Israel lehnt eine Aufnahme der Menschen in das eigene Staatsgebiet ab.

UN und EU fordern Untersuchung

Nach Angaben der Gesundheitsbehörden in Gaza wurden bei den Protesten am Freitag mindestens 15 Palästinenser getötet und mehr als 1400 Menschen verletzt, darunter 758 durch scharfe Munition. Nach den blutigen Auseinandersetzungen traf sich der UN-Sicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung, konnte sich aber auf keine gemeinsame Entschließung einigen. Die USA blockierten eine von Kuwait entworfene Erklärung zu den blutigen Zusammenstößen. Mehrere Redner riefen beide Seiten zur Zurückhaltung auf. UN-Generalsekretär Antonio Guterres forderte eine "unabhängige und transparente Untersuchung" der Gewalt.

Das fordert auch die EU. "Meinungs- und Versammlungsfreiheit sind Grundrechte, die respektiert werden müssen", erklärte die Außenbeauftragte Federica Mogherini.

Ägypten und Iran kritisierten das Vorgehen Israels scharf. Iran unterstützt die radikal-islamische Hamas in Gaza und betrachtet Israel als seinen Erzfeind. Auch aus der Türkei kam scharfe Kritik am Vorgehen Israels. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sprach von einem "Massaker". Seine Regierung werde "israelischen Terror" immer und überall anprangern, sagte Erdogan vor Anhängern in Istanbul. Er fügte hinzu: "Wir werden unsere palästinensischen Brüder in ihren rechtmäßigen Anliegen bis zum Ende unterstützen."

Tag der Trauer bei Palästinensern
tagesthemen 23:20 Uhr, 31.03.2018, Mike Lingenfelser, ARD Tel Aviv

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Proteste gehen weiter

Im Gazastreifen gingen die Protestaktionen weiter. Allerdings nahmen deutlich weniger Menschen als am Vortag teil. Bei Zusammenstößen entlang der Grenze seien nach palästinensischen Angaben etwa 70 Menschen durch Schüsse verletzt worden. In Hebron kam es zu einigen Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften.

Zuvor hatten Tausende Menschen an den Bestattungen der Getöteten teilgenommen. Für den Gazastreifen und das Westjordanland galt zudem ein Generalstreik. Die Trauernden trugen palästinensische Flaggen, einige riefen nach "Rache" und schossen in die Luft. Nach Hamas-Angaben sind unter den Toten fünf Hamas-Mitglieder. Palästinenserpräsident Abbas erklärte den Samstag zum nationalen Tag der Trauer.

Die Proteste sollen sechs Wochen dauern, bis zum 14. Mai. Dann jährt sich die israelische Staatsgründung zum 70. Mal. Für die Palästinenser ist der 14. Mai der Nakba-Tag, der Tag der Katastrophe.

Nach Massenprotesten in Gaza
Benjamin Hammer, ARD Tel Aviv
01.04.2018 09:40 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 31. März 2018 um 23:20 Uhr.

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