Ein palästinensischer Demonstrant im Gazastreifen schleudert Steine auf israelische Soldaten | Bildquelle: AP

Tote bei Ausschreitungen UN fordern Ende der Gewalt im Gazastreifen

Stand: 31.03.2018 05:36 Uhr

UN-Generalsekretär Guterres hat sich "zutiefst besorgt" über die Zusammenstöße zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften geäußert. Bei Protesten waren zahlreiche Palästinenser getötet worden.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres fordert eine unabhängige und transparente Untersuchung der Gewalt bei den Palästinenserprotesten im Gazastreifen. Guterres sei "zutiefst besorgt" über die Zusammenstöße und verlange Aufklärung darüber, wie Menschen getötet beziehungsweise verletzt wurden, sagte der Sprecher des UN-Generalsekretärs, Farhan Haq, in New York. Guterres rufe zudem alle Verantwortlichen auf, auf Handlungen zu verzichten, die zu weiteren Opfern führen können.

Tausende Palästinenser hatten gestern im Gazastreifen demonstriert. Dabei kam es zu schweren Auseinandersetzungen mit israelischen Soldaten. Bei den Protesten an der Grenze zu Israel wurden unterschiedlichen Quellen zufolge mindestens 16 Menschen getötet und Hunderte verletzt. Der Vertreter der Palästinenser bei den Vereinten Nationen, Riyad Mansour, sprach vor dem UN-Sicherheitsrat von mindestens 17 getöteten Palästinensern und mehr als 1400 Verletzten.

Proteste Gaza | Bildquelle: ALAA BADARNEH/EPA-EFE/REX/Shutte
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Die Protestaktion soll noch sechs Wochen bis zum 70. Jahrestag der Gründung Israels andauern.

Tränengas, Gummigeschosse und scharfe Munition

Die israelischen Sicherheitskräfte hatten am Freitag nach Darstellung der Rettungskräfte in Gaza neben Tränengas und Gummigeschossen auch scharfe Munition eingesetzt. Insgesamt versammelten sich entlang der 65 Kilometer langen Grenze Zehntausende Palästinenser und forderten ein Recht auf Rückkehr in jene Dörfer und Städte, aus denen ihre Familien bei der Gründung Israels 1948 geflüchtet oder vertrieben worden waren. Die israelische Armee schätzte die Zahl der Teilnehmer auf 30.000.

Der Vertreter der Palästinenser bei den Vereinten Nationen, Riyad Mansour | Bildquelle: AP
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Der Vertreter der Palästinenser bei den Vereinten Nationen, Riyad Mansour.

Fotos zeigten zahlreiche Zelte im Grenzgebiet, Menschen schwenkten palästinensische Flaggen. Die israelische Armee sprach von Protesten an fünf verschiedenen Orten im Gazastreifen. Palästinenser würden brennende Reifen in Richtung der israelischen Soldaten rollen und Brandflaschen sowie Steine werfen, hieß es in einer Mitteilung. Die Soldaten würden gezielt auf Anstifter schießen.

Die Protestaktion, die noch sechs Wochen bis zum 70. Jahrestag der Gründung Israels andauern soll, fiel mit dem Karfreitag und dem Beginn des jüdischen Pessachfestes zusammen.

Vorwürfe der israelischen Armee

"Die Hamas-Terrororganisation gefährdet das Leben von Zivilisten", schrieb die Armee. Sie sei verantwortlich für die gewaltsamen Proteste. "Wir betonen, dass dieser Marsch friedlich ist", sagte dagegen das führende Hamas-Mitglied Chalil al-Haja. Deswegen nähmen auch Frauen und Kinder an den Protesten teil. Die israelische Seite warf der Hamas vor, so Frauen und Kinder bewusst der Gefahr auszusetzen.

Die USA, die EU und Israel stufen die Hamas als Terrororganisation ein. Sie hatte 2007 die Macht in dem Küstengebiet an sich gerissen. Mit der Aktion will die radikalislamische Hamas, die zu dem Marsch aufgerufen hatte, den Anspruch auf ein "Rückkehrrecht" der Palästinenser in israelisches Staatsgebiet untermauern. Israel hat das stets abgelehnt.

In der Nacht auf Freitag war nach palästinensischen Angaben ein weiterer Palästinenser an der Grenze von israelischen Soldaten erschossen worden. Die israelische Armee teilte mit, ein Panzer habe das Feuer auf zwei Verdächtige eröffnet, die sich im südlichen Teil des Küstengebietes dem Sicherheitszaun genähert hätten.

Palästinenser bei einer Kundgebung nahe dem Gazastreifen | Bildquelle: AP
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Bei den Protesten kam es zu Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten.

Weitere Ausschreitungen befürchtet

Die Vereinten Nationen befürchten, dass sich die Lage im Gazastreifen in den kommenden Tagen noch verschlechtern könnte. Israel müsse seine Verpflichtungen im Rahmen der Menschenrechte erfüllen, sagte der stellvertretende Chef für politische Angelegenheiten bei den UN, Taye-Brook Zerihoun.

Tödliche Gewalt dürfe nur als letztes Mittel eingesetzt werden, sagte er vor dem UN-Sicherheitsrat, der auf Antrag Kuwaits über die Gewalt im Gazastreifen beriet. Zivilisten, insbesondere Kinder, dürften nicht zum Ziel werden. Sollte es zu Todesopfern kommen, müsse dies durch die Behörden genau untersucht werden.

Tote und Verletzte bei Protesten im Gazastreifen
tagesthemen 21:55 Uhr, 30.03.2018, Mike Lingenfelser, ARD Tel Aviv

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Nichts anderes als ein Massaker - Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates zu Gaza
Georg Schwarte, ARD New York
31.03.2018 07:42 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. März 2018 um 13:00 Uhr und die tagesthemen am 31. März 2018 um 21:55 Uhr.

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