Rauch steigt auf in Gaza-Stadt nach einem israelischen Luftangriff. | AP

Angriffe auf Gaza Israel setzt Luft- und Bodentruppen ein

Stand: 14.05.2021 04:04 Uhr

Israel hat seine Vergeltungsschläge im Gazastreifen noch einmal ausgeweitet und setzt nun neben der Luftwaffe auch Bodentruppen ein. In den Grenzorten sollen sich die Menschen in Schutzräume begeben.

Israels Armee hat in der Nacht ihre Angriffe auf den Gazastreifen noch verschärft. "Luft- und Bodentruppen greifen gegenwärtig im Gazastreifen an", teilte die israelische Armee bei Twitter mit. Es befänden sich allerdings keine israelischen Soldaten im Gazastreifen, stellte die Armee klar.

Auch Bewohner des nördlichen Gazastreifens, in der Nähe der israelischen Grenze, sagten, sie hätten keine Anzeichen von israelischen Bodentruppen innerhalb der Enklave gesehen. Sie berichteten aber von schwerem Artilleriefeuer und Dutzenden von Luftangriffen.

Das israelische Fernsehen berichtete ebenfalls von massiven Angriffen der Luftwaffe sowie der Artillerie und Panzertruppen auf den Küstenstreifen. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte zu den Angriffen: "Ich habe gesagt, dass Hamas einen sehr hohen Preis zahlen wird." Man werde die Angriffe "mit großer Intensität fortsetzen", sagte er in einer Videobotschaft. "Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, und diese Operation wird so lange wie nötig weitergehen."

Menschen in Grenzorten sollen in Schutzräume

Das israelische Fernsehen berichtete, es sei der heftigste und breiteste Angriff im Gazastreifen seit Beginn der Eskalation am Montag. Die Armee rief Israelis in den Grenzorten, die bis zu vier Kilometer entfernt vom Gazastreifen leben, dazu auf, sich bis auf Weiteres in Schutzräume zu begeben.

Verteidigungsminister Benny Gantz hatte zuvor angesichts der Eskalation die Mobilisierung von weiteren 9000 Reservisten genehmigt. Vor zwei Tagen hatte die Armee bereits 5000 Reservisten mobilisiert. Nach Medienberichten bereitete sich die Armee auf eine mögliche Bodenoffensive vor.

Mehr als 100 Todesopfer

Militante Palästinenser setzten am Donnerstag ihre heftigen Raketenangriffe auf israelische Bevölkerungszentren fort. Auch am Abend wurden erneut zahlreiche Städte beschossen, darunter Aschkelon, Aschdod und Modiin. Auch in die Richtung des internationalen Flughafens bei Tel Aviv wurden Raketen abgefeuert.

In einer Ortschaft im Süden des Landes wurde nach Angaben von Rettungskräfte eine 87-Jährige auf der Flucht in einen Schutzraum tödlich verletzt. Im Gazastreifen starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums 109 Menschen seit der Eskalation der Gewalt. In Israel wurden nach offiziellen Angaben bislang acht Menschen bei Raketenangriffen getötet. Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas wird von Israel und der EU als Terrororganisation eingestuft.

Erinnerungen an 2014

Ein Sprecher des militärischen Hamas-Arms sagte, eine israelische Bodenoffensive wäre "eine Gelegenheit, weitere tote Soldaten und Gefangene des Feindes in unseren Besitz zu bringen". Man sei bereit, "dem Feind mit Gottes Hilfe eine harte Lektion zu erteilen". Mehr als 2100 Palästinenser und mehr als 70 Israelis wurden 2014 im 50-tägigen Gaza-Krieg nach Angaben beider Seiten getötet. 18 000 Häuser im Gazastreifen wurden damals nach Angaben der UN-Nothilfeorganisation Ocha zerstört oder beschädigt.

Nach Angaben der Armee wurden seit Montagabend rund 1750 Raketen auf Israel abgefeuert. Nach Angaben von Israels Ministerpräsidenten Netanjahu wurden bislang schon fast 1000 Ziele der militanten Palästinenser beschossen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Mai 2021 um 18:15 Uhr.