Ein vermummter Palästinenser steht im Gazastreifen vor schwarzen Rauchschwaden. | AFP

Nahost-Konflikt Ein kurzes Innehalten der Raketen

Stand: 18.05.2021 18:35 Uhr

Es waren nur wenige Stunden, in denen die Grenzübergänge zwischen Gaza und Israel für Hilfslieferungen geöffnet waren - dann ging der Beschuss weiter. Im Westjordanland kam es zu gewaltsamen Protesten.

Von Kilian Neuwert, ARD-Studio Tel Aviv

Israelische Rettungskräfte meldeten am Nachmittag mindestens zwei Tote. Mehrere Menschen erlitten demnach Verletzungen durch neue Raketenangriffe aus dem Gazastreifen.

Im Bezirk Eshkol an der Grenze zum Gazastreifen wurde ein Gebäude getroffen, wie der Leiter einer Polizeistation im israelischen Fernsehen erklärte:

Als wir hierhergekommen sind, haben wir gesehen, dass es sich um eine Lagerhalle handelt, in der thailändische Arbeiter gerade Mittagspause gemacht haben. Eine Rakete ist eingeschlagen. Wir haben die Leichen zweier Thailänder gefunden, die hier ihr Leben gelassen haben. Dann einen schwer Verletzten und sechs leicht Verletzte. Sie werden weggebracht, um ärztlich versorgt zu werden.

Grenzübergänge für wenige Stunden geöffnet

Zuvor war es einige Stunden ruhig geblieben. Es gab keinen Beschuss. In diesem Zeitfenster wurden die beiden Grenzübergänge zwischen dem Gazastreifen und Israel geöffnet.

Über den Grenzübergang Kerem Shalom gelangten laut israelischen Angaben etwa Hilfsgüter und Treibstoff in das abgeriegelte Gebiet. Über den Grenzübergang Erez im Norden sollten internationale Vertreter einreisen.

Deutschland stellt Gaza Hilfsgelder in Aussicht

Jens Laerke, Sprecher des UN-Amtes für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten in Genf, kurz OCHA, sagte der Nachrichtenagentur Reuters: "Wir begrüßen die Öffnung des Übergangs Kerem Shalom für humanitäre Güter durch die israelischen Behörden sehr. In den nächsten Tagen muss der Zugang nach Gaza für humanitäre Hilfe möglich bleiben, für Personal und Waren."

Auch Bundesaußenminister Heiko Maas begrüßte die Öffnung. Er stellte zudem 40 Millionen Euro für die Bevölkerung in Gaza in Aussicht.

Zehntausende Menschen aus ihren Häusern vertrieben

Kaum offen, gerieten die beiden Übergänge wenig später unter Beschuss militanter Palästinenser. In der Nähe des Grenzübergangs Erez wurde ein israelischer Soldat durch Mörserbeschuss leicht verletzt. Im Bereich von Kerem Shalom gab es Raketenalarm.

Die Übergänge wurden wieder geschlossen. Ein Teil der Lastwagen konnte die Grenze deshalb nicht mehr passieren, teilten israelische Behörden mit. Am Nachmittag griff Israel weitere Ziele im Gazastreifen an.

Vor Ort spitzt sich die Lage unterdessen weiter zu. OCHA-Sprecher Laerke stellte die Zahl von rund 52.000 Menschen - so viele seien seit Beginn der Kampfhandlungen aus ihren Wohnungen und Häusern in Gaza vertrieben worden. "Seit dem Beginn der Eskalation wurden 132 Gebäude zerstört. Darin befanden sich 621 Wohneinheiten und Geschäfte. Zudem wurden 316 Wohneinheiten schwer beschädigt und sind nicht mehr bewohnbar", so Laerke.

Proteste im Westjordanland

Aufnahmen aus dem Westjordanland zeigen unterdessen Protestmärsche in Städten wie Ramallah, Bethlehem und weiteren Kommunen. Jugendliche schleudern Steine auf israelische Soldaten. Diese feuern Tränengas. In Hebron gab es einen Anschlagsversuch. Er blieb erfolglos, der mutmaßliche Attentäter wurde erschossen. Zudem wurde eine Schießerei mit Verletzten aus dem Raum Ramallah gemeldet. Zunächst wurde sie nicht offiziell bestätigt.

Die Menschen im Westjordanland waren für heute zu einem Generalstreik aufgerufen, um Solidarität mit der Bevölkerung in Gaza zu zeigen und gegen die israelischen Angriffe zu protestieren. Der Aufruf galt auch für arabischstämmige Israelis.

So gab es unter anderem auch 20 Kilometer östlich von Tel Aviv Proteste, in Kfar Quasim. Es handelt sich um ein arabisches Dorf. Der Bürgermeister sagte einem israelischen TV-Sender:

Die arabische Bevölkerung im Staat Israel verlangt, dass der Krieg sofort gestoppt wird. Darüber hinaus ist es auch ein Protest dagegen, dass Kinder, Frauen und Familien aus ihren Häusern in Scheich Dscharrah herausgeholt werden, in denen sie seit hundert Jahren leben.

Scheich Dscharrah ist ein Viertel in Ost-Jerusalem. Dort droht die Räumung von Häusern, in denen Palästinenser leben. Der Konflikt um die Zwangsräumung wird neben Zusammenstößen auf dem Tempelberg zu den Ursachen der aktuellen Kampfhandlungen gezählt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. Mai 2021 um 18:43 Uhr.

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Moderation 18.05.2021 • 21:51 Uhr

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