Eine große Rauchsäule steigt über dem Hafen von Gaza-Stadt auf | Bildquelle: AFP

Nach Beschuss aus Gaza Netanyahu ordnet weitere Angriffe an

Stand: 05.05.2019 12:56 Uhr

Seit Freitag feuern militante Palästinenser Hunderte Raketen auf Israel ab. Als Reaktion bombardiert die israelische Luftwaffe Ziele im Gazastreifen. Premier Netanyahu schickte weitere Truppen an die Grenze.

Von Tim Aßmann, ARD-Studio Tel Aviv

Eine Abfangrakete steigt in den Nachthimmel, Luftschutzsirenen heulen. Dann trifft das Geschoss. Die Rakete, abgeschossen aus dem Gazastreifen auf das nur wenige Kilometer entfernte israelische Aschkelon, konnte vom Himmel geholt werden.

Ein anderes Geschoss schlug in Aschkelon ein, mitten in der Nacht, und seine Splitter verletzten einen Hausbewohner tödlich. Der Mann, Vater von vier Kindern, ist das erste israelische Todesopfer dieser Konfrontation mit den bewaffneten palästinensischen Gruppen im Gazastreifen.

Rund 450 Raketen wurden nach Angaben der israelischen Armee bis zum Morgen aus dem Küstengebiet auf Israel abgefeuert. 150 habe man abfangen können, erklärte ein Armeesprecher. Zehntausende Israelis verbrachten die vergangene Nacht in Angst.

Gewalt im Nahost-Konflikt eskaliert erneut
tagesschau 17:15 Uhr, 05.05.2019, Susanne Glass, ARD Tel Aviv

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Netanyahu schickt Verstärkung an die Grenze

"Wir haben Benjamin Netanyahu gewählt und werden es weiter tun", sagt ein Betroffener. Er fordert vom Regierungschef nun ein hartes Vorgehen. "Nun haben uns die Raketen hier erreicht, 150 bis 180 an einem Tag. Wir können nicht mehr weich sein. Es ist Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen. So kann es nicht mehr weitergehen."

Netanyahu erklärte am Vormittag, er habe die Armee angewiesen, ihre Einsätze gegen die Terroristen im Gazastreifen fortzusetzen und die Entsendung von Infanterie, Artillerie und Panzern an die Grenze angeordnet.

Als Reaktion auf den Raketenbeschuss griffen Israels Streitkräfte alleine bis zum Morgen rund 220 Ziele im Gazastreifen an. Darunter waren eine vermutete unterirdische Raketenwerkstatt und Gebäude, in denen sich Einrichtungen der Gruppe "Islamischer Dschihad" und der Hamas befunden haben sollen, die das Küstengebiet kontrolliert.

Mindestens acht Palästinenser kamen ums Leben, darunter Kämpfer der beiden Gruppen, aber auch ein Baby und dessen Mutter. Die israelische Armee wies die Verantwortung für den Tod von Mutter und Kind zurück und erklärte, die beiden seien wahrscheinlich bei einem gescheiterten Raketenabschuss durch Palästinenser ums Leben gekommen.

Menschen stehen in Aschkelon vor einem Wohnhaus, das von einer Rakete aus Gaza getroffen wurde. | Bildquelle: AP
galerie

Menschen stehen in Aschkelon vor einem Wohnhaus, das von einer Rakete aus Gaza getroffen wurde.

Hamas setzt Angriffe fort

Während der Vormittag relativ ruhig blieb, wurde gegen Mittag erneut Raketenalarm ausgelöst. Auch die israelische Armee meldete weitere eigene Angriffe. Medienberichten zufolge richten sich die Streitkräfte auf eine längere Konfrontation ein.

Die Regierung steht unter Handlungsdruck. Yaakov Amidror, Ex-Generalmajor und ehemaliger nationaler Sicherheitsberater seines Landes, glaubt allerdings nicht an eine bevorstehende Bodenoffensive mit dem Ziel, die Hamas im Gazastreifen zu stürzen. "Israel kann mit einer großen Operation in Gaza nichts gewinnen", glaubt er. "Am Ende des Tages wollen wir dort keine Verantwortung für die zwei Millionen Menschen übernehmen." Deshalb sei es in Israels Interesse, die Hamas nicht zu zerstören. "Denn wenn irgendwer dort Verantwortung trägt, ist das besser als eine Lage, in der es niemand tut."

Die Hamas hat angekündigt, den Raketenbeschuss fortzusetzen. Sie wirft Israel vor, sich nicht an die Vereinbarungen zu halten, die im Rahmen einer inoffiziellen Feuerpause vor einem Monat getroffen worden sein sollen.

Raketen des Abwehrsystems "Eiserne Kuppel" steigen über dem israelischen Aschkelon auf. | Bildquelle: REUTERS
galerie

Raketen des Abwehrsystems "Eiserne Kuppel" steigen über Aschkelon auf - das System wird zum Schutz größerer Siedlungen eingesetzt.

UN rufen zu Zurückhaltung auf

Für Israel kommt die aktuelle Eskalation zu einem sensiblen Zeitpunkt. Am übernächsten Wochenende soll in Tel Aviv das Finale des Eurovision Song Contest ausgetragen werden. Unterdessen hat die US-Regierung sich solidarisch mit Israel gezeigt und erklärt, sie unterstütze Israels Recht auf Selbstverteidigung.

Die Vereinten Nationen riefen die bewaffneten palästinensischen Gruppen im Gazastreifen und Israel zur Zurückhaltung auf. Gemeinsam mit Ägypten werde man versuchen, die Lage wieder zu beruhigen, erklärte der UN-Sondergesandte für die Region.

Eskalation am Gaza-Streifen hält an
Tim Aßmann, ARD Tel Aviv
05.05.2019 13:07 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Mai 2019 um 12:00 Uhr.

Darstellung: