Zerstörtes Haus in Ashkelon | Bildquelle: AFP

Konflikt im Gazastreifen Raketen, Tote und neue Drohungen

Stand: 13.11.2018 13:37 Uhr

Auf beiden Seiten der Gaza-Grenzen schlagen Geschosse ein - abgefeuert von der israelischen Armee und palästinensischen Extremisten. Viele Opfer sind Zivilisten - auch wenn Israel "Anklopf-Raketen" verwendet.

Von Tim Aßmann, ARD-Studio Tel Aviv

In der vergangenen Nacht schlugen wieder Raketen in Gaza-Stadt ein. Als Reaktion auf Beschuss aus dem Gazastreifen griff die israelische Armee Ziele an, die sie der Hamas und anderen palästinensischen Gruppen zuordnet.

"Heute Nacht griff die Armee mehr als 150 Ziele der terroristischen Hamas, des Islamischen Dschihad und anderer terroristischer Gruppen an - aus der Luft, vom Meer und vom Boden aus. Jeder einzelne dieser Angriffe traf Eigentum einer Terrororganisation", formulierte es Armeesprecher Ronen Manelis.

Israel verschießt auch "Anklopf-Raketen"

Zerstört wurden nach Armee-Angaben unter anderem wichtige Gebäude der Hamas-Sicherheitsdienste. Auch ein Fernsehsender der Hamas in Gaza-Stadt wurde bombardiert. Bei Anwohnern weckten die jüngsten israelischen Angriffe Erinnerungen an den Krieg 2014, bei dem viele Menschen im Gazastreifen ihr Heim verloren.

"Hunderte Familien ohne Zuhause? Wohin sollen die gehen? Ich musste umziehen, weil mein Haus 2014 zerstört wurde. Ich kam wegen der Sicherheit hierher. Aber wo ist es sicher? Wohin sollen wir gehen? In die Emirate? Wir flüchten nicht. Unsere Verwandten kamen 1948 als Flüchtlinge hierher. Wir bleiben," sagt ein Bewohner, der fürchtet, dass es nun ähnlich kommt.

Anwohner des zerstörten Fernsehsenders berichteten von Warnanrufen des israelischen Militärs und von Raketen ohne Sprengladung, die vor dem eigentlichen Angriff einschlugen und als Warnschüsse verstanden wurden. Mit solchen "Anklopf-Raketen" versuchte die Armee schon 2014 zivile Opfer zu vermeiden.

Ein Palästinenser steht im Gazastreifen neben den Trümmern eines Fernsehsender-Gebäudes | Bildquelle: MOHAMMED SABER/EPA-EFE/REX/Shutt
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Vom Gebäude eines Fernsehsenders blieben nur verbogene Stahlstreben und Betontrümmer übrig.

"Viel massiver attackieren"

Amos Yadlin, ehemaliger Chef des israelischen Militärgeheimdienstes, erklärte nun in einem Radiointerview, er halte diese Taktik für falsch: "Seit 24 Stunden greifen wir mit einer Methode an, die aus meiner Sicht unpassend ist. Nach der Dachklopf-Methode werden die Menschen aufgefordert zu gehen und die Zahl der Verletzten in Gaza ist minimal. Wenn man dem militärischen Arm der Hamas, der sich hinter den Zivilisten versteckt, einen schweren Schlag versetzen will, muss man ihn in seinen Moscheen, in seinen Schutzräumen und seinen Tunneln viel massiver attackieren."

Toter in Aschkelon

Die israelischen Angriffe haben bisher nicht zu einem Ende des Beschusses aus dem Gazastreifen geführt. Bis zum Morgen wurden nach Angaben der Armee mehr als 400 Raketen und Granaten aus dem Gazastreifen auf Ziele in Israel abgefeuert.

In Aschkelon starb ein Mann, als sein Haus von einer Rakete getroffen wurde. Insgesamt wurden bisher mehr als 50 Israelis verletzt - die meisten sind Zivilisten.

Israelische "Iron Dome"-Raketen fangen Geschosse aus dem Gazastreifen ab. | Bildquelle: AFP
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Israelische "Iron Dome"-Raketen können einige palästinensische Geschosse abfangen, aber nicht alle.

Hamas droht Israelis

Die Hamas und andere Palästinensergruppen erklärten, die Angriffe seien die Reaktion auf eine verdeckte israelische Militäroperation im Gazastreifen am Sonntag. Dabei starben sieben Hamas-Kämpfer und ein israelischer Offizier.

Die Hamas und der Islamische Dschihad drohten mit einer Ausweitung der Attacken. Hamas-Führer Ismail Hanija sagte: "Die zionistische Besatzungsmacht hat gezeigt, dass sie sehr kriminell ist. Aber sie steht Männern gegenüber, die Helden sind. Große Männer, die die Möglichkeit haben, Israels militärischen Arm abzuschlagen."

Bald würden Millionen von Israelis in Bunkern Schutz suchen müssen, erklärte ein Sprecher der Gruppe Islamischer Dschihad.

Die israelische Armee bereitet sich auf die Möglichkeit eines längeren Konfliktes vor und kündigte die Einberufung von Reservisten an.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. November 2018 um 12:00 Uhr.

Korrespondent

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