Palästinenser marschieren mit Fahnen und Plakaten bei einem Protest gegen die Annäherung zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten | dpa

Abkommen von Israel und Emiraten Iran und Türkei verurteilen Annäherung

Stand: 14.08.2020 19:14 Uhr

"Strategische Dummheit" und "Verrat": Der Iran und die Türkei haben mit harscher Kritik auf das Abkommen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten reagiert. Hunderte Palästinenser gingen auf die Straße.

Der Iran und die Türkei haben die Annäherung zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten scharf kritisiert. "Das war eine strategische Dummheit, die letztendlich nur die anti-israelische Widerstandsfront stärken wird", erklärte das iranische Außenministerium.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan drohte damit, den Botschafter aus Abu Dhabi abzuziehen. Die Türkei stehe an der Seite des palästinensischen Volkes, sagte er. Zuvor hatte sein Außenministerium die Annäherung bereits als "Verrat" an den Palästinensern kritisiert.

Recep Tayyip Erdogan | AP

Der türkische Präsident Erdogan verurteilte das Abkommen - sein Außenministerium sprach von "Verrat". Bild: AP

Israel und die Emirate hatten sich in einem historischen Schritt überraschend auf ein Abkommen verständigt. Die beiden Staaten wollen ihre Beziehungen normalisieren. Im Gegenzug setzt Israel demnach seine umstrittenen Annexionspläne im besetzten Westjordanland aus. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu betonte zugleich, die Annexionspläne seien nicht grundsätzlich vom Tisch.

Palästinenser sprechen von "Giftdolch"

Sowohl bei israelischen Siedlern als auch bei der Palästinenserführung stieß das Abkommen auf Kritik. Die Palästinenser verurteilten es als aggressives Vorgehen gegen das palästinensische Volk und beriefen ihren Botschafter aus den Emiraten ab. "Ich habe nie erwartet, dass dieser Giftdolch von einem arabischen Land kommt", sagte der ranghohe palästinensische Regierungsbeamte Sajeb Erekat. "Sie haben mit diesem Schritt jede Möglichkeit des Friedens zwischen Palästinensern und Israelis zerstört."

Hunderte Palästinenser gingen heute aus Protest gegen die Einigung auf die Straße. In Gaza-Stadt hatten viele Demonstranten palästinensische Fahnen und Banner dabei. Auf einem stand: "Normalisierung ist ein Messer im Rücken des palästinensischen Volkes." Organisiert wurde der Marsch unter anderem von der im Gazastreifen regierenden islamistischen Hamas. Auch an der Al-Aksa-Moschee in der Altstadt von Jerusalem demonstrierten Menschen gegen die Emirate.

Palästinenser marschieren mit Fahnen und Plakaten bei einem Protest gegen die Annäherung zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten | dpa

In den palästinensischen Gebieten demonstrierten Hunderte gegen das Abkommen. Bild: dpa

Emirate verteidigen Abkommen

Die Vereinigten Arabischen Emirate verteidigten die Einigung als Chance für einen Frieden im Nahen Osten. Darin spiegele sich ein "dringend benötigter Realismus" wider, erklärte der Staatsminister für Auswärtiges, Anwar Gargasch, auf Twitter. Das "Gespenst" einer Annektierung palästinensischer Gebiete sei so vertrieben worden. Die Bemühungen auf einen Frieden durch eine Zwei-Staaten-Lösung von Israel und den Palästinensern bekämen mehr Zeit.

Das benachbarte Sultanat Oman unterstützte das Abkommen. Ein Sprecher des Außenministeriums drückte die Hoffnung aus, dass es zur Verwirklichung eines umfassenden, gerechten und dauerhaften Friedens in Nahost beitrage, wie die staatliche Agentur ONA meldete.

Berlin begrüßt Einigung

Regierungssprecher Steffen Seibert sprach von einer "zukunftsweisenden Vereinbarung", die den Ausgleich und die Partnerschaft zwischen Israel und der arabischen Welt voranbringen werde. "Jede Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und arabischen Staaten ist ein Beitrag zum Frieden in der Region. Und wir hoffen, dass diese Vereinbarung auch wieder den Weg öffnet hin zu einer verhandelten Zweistaatenlösung."

Auch Bundesaußenminister Heiko Maas begrüßte die Vereinbarung. Gemeinsam mit Partnern in Europa und der Region habe sich die Bundesregierung in den vergangenen Monaten intensiv gegen eine Annexion im besetzten Westjordanland und für die Wiederaufnahme direkter Verhandlungen eingesetzt. "Wir sind auch bereit, einen solchen Prozess tatkräftig zu unterstützen", sagte Maas.

Umstrittener "Friedensplan" Trumps

Israels Regierung hätte nach einer Koalitionsvereinbarung seit Juli mit ersten Annexionsschritten beginnen können, bislang ist das aber nicht geschehen. Als Grundlage für eine Annexion nimmt die Regierung einen vor Monaten vorgestellten "Friedensplan" Trumps.

Dieser sieht vor, dass Israel sich rund 30 Prozent des 1967 im Sechstagekrieg eroberten Westjordanlands einverleiben kann. Die restlichen 70 Prozent sollen Teil eines Palästinenserstaates werden, allerdings unter strengen Auflagen. Die Palästinenser lehnen diesen Plan ab. Auch international ist er höchst umstritten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. August 2020 um 20:00 Uhr.