Ein Flugzeug der Fluggesellschaft El Al start am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv nach Abu Dhabi  | Bildquelle: AP

Diplomatische Annäherung Erster Flug von Israel in die Emirate

Stand: 31.08.2020 11:37 Uhr

Nach ihrer überraschenden Einigung Mitte des Monats machen Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate Nägel mit Köpfen. Nach dem ersten Flug zwischen den Ländern sollen weitere Vereinbarungen folgen.

Knapp drei Wochen nach der historischen Einigung zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten ist der erste Direktflug zwischen beiden Ländern gestartet. Mit an Bord waren neben einer großen israelischen Delegation auch der US-Vermittler Jared Kushner und die Sicherheitsberater der USA und Israels, Robert O'Brien und Meir Ben-Schabat.

Die Maschine der israelischen Fluggesellschaft El Al flog vom internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv in Richtung Abu Dhabi ab. Über dem Cockpitfenster des Flugs LY 971 stand das Wort "Frieden" auf Arabisch, Englisch und Hebräisch. Der israelische Pilot Tal Becker sagte Journalisten, es sei der aufregendste Flug seines Lebens und ein "sehr besonderes Gefühl". Der Rückflug ist für Dienstag angesetzt.

Flugzeug hat besonderes Schutzsystem

Die israelische Passagiermaschine ist nach Medienberichten mit einem besonderen Schutzsystem ausgerüstet, das unter anderem Boden-Luft-Raketen abwehren kann.

Kushner, der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, sprach vor dem Abflug von einem "historischen Flug", dem ersten kommerziellen Flug zwischen Israel und einem Golfstaat. Er habe an der Klagemauer dafür gebetet, "dass Muslime und Araber auf der ganzen Welt diesen Flug sehen werden und erkennen, dass wir alle Kinder Gottes sind und dass die Vergangenheit die Zukunft nicht bestimmen muss". Kushner äußerte die Hoffnung auf Einigungen Israels mit weiteren Staaten in der Region.

Jared Kushner (rechts), Berater von US-Präsident Trump, spricht am Flughafen Ben Gurion neben Robert O'Brien | Bildquelle: dpa
galerie

Jared Kushner (rechts; neben US-Sicherheitsberater Robert O'Brien) hofft, dass Israel sich mit weiteren arabischen Staaten annähern wird.

Weitere Kooperationen vereinbart

In Abu Dhabi sind nach israelischen Angaben Arbeitsgespräche von Teams beider Länder sowie der USA geplant. Dabei geht es um die Bereiche Finanzen, Diplomatie, Flugverkehr, Visa, Gesundheit, Kultur und Tourismus, Raumfahrt, Wissenschaft und Investitionen sowie Innovation und Handel. Es sollen verschiedene Kooperationsabkommen unterzeichnet werden.

Auch ein Treffen von Robert O'Brien und Ben-Schabat mit dem emiratischen Sicherheitsberater Tahnun bin Sajid ist vorgesehen. Teil der US-Delegation sind auch der Sondergesandte Avi Berkowitz und der Sondergesandte für den Iran, Brian Hook.

Annäherung der einstigen Feinde

Mitte August hatten Israel und die Emirate ihr historisches Abkommen verkündet. Die Emirate wären nach der offiziellen Unterzeichnung nach Ägypten und Jordanien das dritte arabische Land, das gegenwärtig diplomatische Beziehungen unterhält. Im Gegenzug für die Einigung will Israel die geplante Annektierung von Gebieten im besetzten Westjordanland aussetzen, das die Palästinenser für einen eigenen Staat beanspruchen.

Am Samstag hatten die Emirate auch den Boykott des einst verfeindeten Landes aufgehoben. Vor zwei Wochen war die bisher blockierte Telefonverbindung beider Länder freigeschaltet worden. Der erste Direktflug ist ein weiterer konkreter Annäherungsschritt.

Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu hofft nach der Einigung mit den Emiraten auf eine Annäherung an weitere Länder im Nahen Osten. Kushner nannte das historische Abkommen einen "riesigen Schritt vorwärts". Bislang galt es als Tabu für arabische Staaten, Abkommen mit Israel zu schließen, bevor der Konflikt mit den Palästinensern gelöst ist.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 31. August 2020 um 10:02 Uhr.

Darstellung: