Butter liegt in einem Supermarkt in Israel zum Verkauf | Bildquelle: Benjamin Hammer

Krise in Israel Luxusgut Butter

Stand: 10.01.2020 14:06 Uhr

Eigentlich ist Butter ein Grundnahrungsmittel - auch in Israel. Doch das ändert sich gerade: In den Supermärkten sind die Regale oft leer - oder 200 Gramm Butter kosten bis zu zehn Euro. Was steckt dahinter?

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Ein Supermarkt in einem Vorort von Tel Aviv. Immer wieder bleiben Kundinnen und Kunden am langen Kühlregal mit der Butter stehen. Ihr Blick wandert von Päckchen zu Päckchen. Nach wenigen Sekunden merken die Kunden: Schon wieder gibt es keine israelische Butter. "Ich nehme jetzt die importierte Butter", sagt eine frustrierte Kundin. "Die ist teurer."

Ein Mann äußert sich auch zu der Lage: "Ich finde es schon sehr merkwürdig", sagt er. Denn: Im Ausland gebe es ja israelische Butter zu kaufen. "Für mich wirkt das wie ein Versuch, die Preise nach oben zu treiben."

In manchen israelischen Supermärkten gibt es gar keine Butter mehr. In anderen immerhin importierte Ware. Doch die Butter aus Europa ist sehr teuer. Ein 200-Gramm-Päckchen kostet umgerechnet etwa 3,50 Euro bis zehn Euro.

Israelis rufen Butterkrise aus

Shany Moses | Bildquelle: Benjamin Hammer
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Shany Moses, Journalistin von der israelischen Wirtschaftszeitung "Globes".

Butter ist in Israel damit von einem Grundnahrungsmittel zu einem Luxusgut geworden, meint die Journalistin Shany Moses von der israelischen Wirtschaftszeitung "Globes". "Butter war früher nie etwas, worüber Kunden groß nachdenken mussten. Ob sie es kaufen können oder nicht", sagt sie. Heute würden sie Menschen anrufen und sagen, dass es keine Butter gebe - und ob das sein könne? "Ich sage dann: 'Ja. So ist es seit anderthalb Jahren.'"

Längst sprechen Israelis von einer Butterkrise. Auf Facebook haben sich Gruppen gebildet. Wer die günstige, israelische Butter entdeckt, stellt den Fund ins Netz. Doch viele Supermärkte beschränken die Zahl der Päckchen pro Kunde.

Anreiz für Molkereien niedrig

Der Preis der israelischen Butter wird vom Staat reguliert. 100 Gramm dürfen maximal 3,94 Schekel kosten, also einen Euro. Für Israel - ein Land mit einem hohen Preisniveau - ist das günstig. Doch genau da liege ein Grund für die Butterkrise, meint die Journalistin Moses. Denn durch den festgelegten niedrigen Preis sinke für die israelischen Molkereien der Anreiz, Butter zu produzieren.

Mehr noch: Die Regierung setzte ebenfalls recht hohe Milchpreise durch, die die Molkereien den Landwirten bezahlen müssten. Hoher Einkaufspreis, niedriger Erlös: Das mache alles keinen Sinn, meint die Journalistin. "Das Problem ist: Der Staat will die Kunden und gleichzeitig die Landwirte schützen. Die Regierung ist damit hin- und hergerissen."

Marktführer weist Kritik zurück

Israelische Butter gibt es praktisch nur noch vom Marktführer zu kaufen: Von Tnuva. Der weist den Vorwurf zurück, weniger Butter zu produzieren, weil der staatlich regulierte Preis zu niedrig ist. Stattdessen gebe es im Land aktuell schlicht zu wenig Milch.

Die israelische Regierung verspricht Besserung. In wenigen Wochen sollen zunächst die extrem hohen Zölle auf Importbutter wegfallen. Zumindest für ein Jahr.

Gute Beziehungen helfen

Moshe Ahuvi | Bildquelle: Benjamin Hammer
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Konditor Moshe Ahuvi: "In fast all unseren Produkten ist Butter drin."

Wird das die Krise beheben? Auch die Konditorei "Piece of Cake" von Moshe Ahuvi im Großraum Tel Aviv spürt die Butterkrise. Der Israeli steht vor einem großen Rührgerät voller Butter. Neben ihm werden gerade Schoko-Hefe-Zöpfe geflochten. In jedem stecken etwa 70 Gramm Butter. "In fast all unseren Produkten ist Butter drin und fast immer ist die Butter knapp. Uns gelingt es zwar immer, sie zu besorgen, aber es reicht gerade immer so", sagt er.

Auch der Konditor führt die Butterkrise auf falsche staatliche Regulierung zurück. Wegen guten Beziehungen zu einer Molkerei kommt er jedoch einfacher an das begehrte Gut als Privatkunden. Ohnehin wirkt Moshe Ahuvi relativ entspannt in Zeiten der knappen Butter. "Wir ersetzen die Butter einfach. Mit Margarine oder Kokosfett. Wir backen sogar Kuchen mit Öl oder einem anderen Ersatz", sagt er.

Veganer Schokokuchen | Bildquelle: Benjamin Hammer
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Veganer Schokokuchen: Konditor Moshe Ahuvi hat sich etwas überlegt, mit der Butterkrise umzugehen.

Der israelische Konditor zeigt einen ziemlich spektakulären Schokokuchen. Ohne Butter. Völlig vegan. Vor allem in Tel Aviv, einer Stadt, die sich gerne als vegane Welthauptstadt inszeniert, kommt das gut an. Und so kann zumindest Moshe Ahuvi der Butterkrise auch etwas Gutes abgewinnen. Nebeneffekt: Für pflanzliche Fette zahlt der deutlich weniger, als für die begehrte Butter.

Verfehlte Wirtschaftspolitik? In Israel wird die Butter knapp
Benjamin Hammer, ARD Tel Aviv
10.01.2020 13:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Januar 2020 um 05:54 Uhr.

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