Israelische Soldaten platzieren Luftschutzbunker aus Beton in den Golanhöhen nahe der syrischen Grenze (Bild vom 9.5.2018). | Bildquelle: dpa

Nahostkonflikt Bessere Bunker für Israel

Stand: 25.05.2018 07:08 Uhr

Israel stellt sich nach dem Beschuss der Golanhöhen auf ein Katz- und Maus-Spiel mit dem Iran ein - und will daher durch neue Bunker und Frühwarnsysteme den Zivilschutz massiv verbessern.

Von Sabina Matthay, ARD-Studio Tel Aviv

Raketenalarm - so wie neulich auf den Golanhöhen, als iranische Streitkräfte von Syrien aus Raketen abfeuerten - ist in vielen Teilen Israels nicht ungewöhnlich. 20 Raketen wurden gefunden, vier davon zielten auf Stellungen der israelischen Armee, wurden aber vom Raketenabwehrsystem zerstört, erklärte ein israelischer Militärsprecher. Die Bevölkerung suchte derweil Schutz in den Bunkern.

"Wir wissen doch, wie die Dinge stehen", sagt Alex Gudish, der in den Golanhöhen wohnt. "Das hier ist schließlich nicht Neuseeland oder Australien, wir sind hier mit Syrien und Libanon konfrontiert."

"Eiserne Kuppel" bietet keinen absoluten Schutz

Doch der erste direkte Angriff des Iran auf Israel war ein einschneidendes geopolitisches Ereignis, sagt Uzi Rabi, Politologe an der Universität Tel Aviv: Israel und Iran werden sich seiner Einschätzung nach künftig ein Katz- und Maus-Spiel liefern. Auch einen offenen Krieg will Rabi nicht ausschließen.

Die Bevölkerung im Norden Israels bleibt also gefährdet. Das Abwehrsystem "Eiserne Kuppel", das Israel nach dem Libanonkrieg 2006 entwickelt hatte, fängt zwar Kurzstreckenraketen und Mörsergranaten ab, die Trefferquote soll bei 90 Prozent liegen. Doch absoluten Schutz bietet der Raketenschirm nicht. Deshalb will die israelische Regierung in den nächsten fünf Jahren vor allem im Norden des Landes den Zivilschutz modernisieren.

"Wir müssen den Raketen zuvorkommen", erklärte Verteidigungsminister Avigdor Lieberman bei der Vorstellung des Investitionsprogramms. Rund eineinhalb Milliarden Dollar will er investieren. Mehr als 300 Kommunen im Grenzgebiet zu Syrien und Libanon sollen neue und bessere Bunker und Frühwarnsysteme erhalten. Privatleute können staatliche Hilfe für Schutzräume im Eigenheim beantragen.

Sauerstoff, Strom, Wasser und ein Operationssaal

Das wurde auch Zeit, findet Nissim Malka, Bürgermeister von Kiryat Shmona, der nördlichsten Stadt Israels. Denn die Lage im Norden hat sich auch nach dem letzten Libanonkrieg nicht entspannt. Die schiitische Hisbollah-Miliz hat auf libanesischer Seite Raketen gegen Israel stationiert, ein klarer Verstoß gegen die UN-Resolution 1701, die nach dem Krieg 2006 beschlossen worden war. Auch auf der syrischen Seite der Golanhöhen ist die Miliz präsent, ebenso wie die iranischen Streitkräfte.

Sollte hier oben wieder Krieg ausbrechen, könnte Kiryat Shmona seinen Bürgern nicht länger als einen Tag Schutz gewährleisten, behauptet Malka. Der Staat habe jahrelang vor allem den Zivilschutz in den israelischen Ortschaften im Süden des Landes ausgebaut. Nahe des Gazastreifens hat heute fast jedes Haus einen Bunkeranbau aus Stahlbeton. Innerhalb von 15 Sekunden müssen die Menschen dort einen solchen Schutzraum erreichen können.

Kaum ein Bunker ist allerdings so ausgeklügelt wie der unter dem Nationaltheater in Tel Aviv. Er fasst 1600 Personen, kann sieben Tage lang autonom betrieben werden und verfügt über eigene Sauerstofftanks, Strom- und Wasseranschlüsse sowie einen Operationssaal. Technologisch mithalten kann da wohl nur der Komplex in Jerusalem, in dem neuerdings das israelische Sicherheitskabinett tagt. Die elf Mitglieder fürchten allerdings nicht um ihr Leben, die Räume sind einfach abhörsicher.

Bessere Bunker für Israels Norden
Sabina Matthay, ARD tel Aviv
25.05.2018 06:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. Mai 2018 um 12:41 Uhr.

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