Ampullen vom BioNTech/Pfizer-Impfstoff gegen Covid-19 | dpa

Vorfälle nach BioNTech-Impfung Israel untersucht Herzmuskelentzündungen

Stand: 27.04.2021 12:42 Uhr

In Israel sind nach Impfungen mit dem BioNTech/Pfizer-Vakzin Dutzende Fälle von Herzmuskelentzündungen aufgetreten - vor allem bei jungen Männern. Ob es einen Zusammenhang gibt, ist unklar.

Von Franziska Ehrenfeld, SWR-Wissenschaftsredaktion

Das israelische Gesundheitsministerium untersucht Fälle von Herzmuskelentzündungen in Verbindung mit dem Covid-19-Impfstoff von BioNTech und Pfizer. Eine vorläufige Studie habe "Dutzende von Fällen" von Myokarditis gezeigt - bei mehr als fünf Millionen Geimpften. Die Fälle seien hauptsächlich nach der zweiten Dosis aufgetreten. Das sagte der israelische Koordinator für die Pandemiebekämpfung, Nachman Ash.

Israelischen Medienberichten zufolge wurden die meisten Patientinnen und Patienten wieder in guter Verfassung aus dem Krankenhaus entlassen. Zwei Menschen - eine 22-jährige Frau und ein 35-jähriger Mann ohne Vorerkrankungen - seien verstorben. Es seien aber weitere Untersuchungen nötig, um die Diagnosen zu bestätigen.

Herzmuskelentzündungen können in jedem Alter auftreten. Sie werden oft durch Viren ausgelöst, aber auch durch Bakterien, Pilze oder Parasiten. Klassischerweise tritt die Myokarditis einige Tage bis Wochen nach einem Virusinfekt auf. Betroffene zeigen oft Symptome wie Müdigkeit, Fieber, Atemnot, Brustschmerzen und Herzklopfen. Die Entzündung kann aber auch asymptomatisch verlaufen. Sie heilt oft folgenlos aus, es kann aber auch zu Spätfolgen wie Herzschwäche kommen. Selten gibt es tödliche Verläufe durch Herzversagen.

Zusammenhang mit Impfung unklar

Unklar ist laut Ash noch, ob die Zahl der Personen mit Entzündung des Herzmuskelgewebes ungewöhnlich hoch ist und ob das in Zusammenhang mit dem Vakzin stehe. Ein Nachweis zwischen Erkrankung und Impfstoff sei schwierig, weil Myokarditis oft ohne Komplikationen ablaufe und durch eine Vielzahl von Viren verursacht werden könne. Auch sei eine ähnliche Anzahl von Fällen in den vergangenen Jahren gemeldet worden.

Laut israelischen Medienberichten dokumentiert die Studie allerdings eine fünffach erhöhte Inzidenz unter jungen Männern. Im Allgemeinen sei nach der zweiten Impfdosis eine Person von 100.000 Geimpften von einer Herzmuskelentzündung betroffen gewesen. Bei jungen Männern war es angeblich jeder Zwanzigtausendste.

Pfizer: Keine Hinweise auf erhöhtes Risiko

Auf Nachfrage der Nachrichtenagentur Reuters erklärte Pfizer, man sei "sich der israelischen Beobachtungen der Erkrankung bewusst, die überwiegend bei jungen Männern aufgetreten sei, die den Impfstoff von Pfizer/BioNTech erhielten". Unerwünschte Nebenwirkungen würden regelmäßig und gründlich überprüft und das Unternehmen habe keine höhere Myokarditis-Rate beobachtet, als in der Allgemeinbevölkerung zu erwarten wäre. "Es gibt derzeit keine Hinweise darauf, dass Myokarditis ein Risiko im Zusammenhang mit der Anwendung des Covid-19-Impfstoffs von Pfizer/BioNTech darstellt."

Israel ist weltweit führend beim Impfen gegen die Pandemie. Fast 60 Prozent der 9,3 Millionen Einwohner des Landes haben bislang das Vakzin von BioNTech/Pfizer erhalten. Die landesweite Datenbank hat bereits gezeigt, dass der Impfstoff sowohl Covid-19 Symptome als auch schwere Verläufe der Krankheit verhindert.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 27. April 2021 um 19:50 Uhr.