Angehörige der äthiopischstämmigen Minderheit in Israel haben ein Feuer entzündet, mit dem sie eine Straße blockieren. | Bildquelle: AFP

Israel Proteste nach Tod von äthiopischem Juden

Stand: 03.07.2019 11:30 Uhr

Ein junger äthiopischstämmiger Jude kommt durch Polizeischüsse zu Tode - kein Einzelfall in Israel, meint die äthiopische Minderheit. Tausende gingen auf die Straßen. Nicht überall blieb es friedlich.

Von Tim Aßmann, ARD-Studio Tel Aviv

Weinende Angehörige stehen um eine Bahre, bedeckt mit einem schwarzen Tuch, darauf ein weißer Davidstern. Im nordisraelischen Haifa wird Solomon Teka zu Grabe getragen. Vor sechs Jahren war der äthiopische Jude mit seinen Eltern nach Israel eingewandert. Er wurde nur 18 Jahre alt.

Am vergangenen Sonntag gerieten der junge Mann und Freunde in einen Streit mit anderen Jugendlichen. Ein Polizist, der privat mit seiner Familie unterwegs war, kam dazu. Darüber, was dann passierte, gehen die Schilderungen auseinander.

Äthiopische Israelis beklagen Polizeigewalt

Einer der Jugendlichen erinnerte sich in einem Fernsehinterview: "Auf einmal kam dieser Polizist. Er dachte, wir hätten dem Jungen etwas geklaut. Er kam also, zog seine Waffe und sagte: 'Holt alles aus euren Taschen raus'. Wir sagten: 'Es ist nichts passiert. Wir haben nichts gemacht'. Er lud seine Waffe durch, wir begannen zu rennen. Er kam uns nach und begann zu schießen - daneben."

Ersten Ermittlungen zufolge prallte eine Kugel vom Boden ab und traf Teka tödlich. Der betroffene Polizist muss sich nun wahrscheinlich wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Sein Anwalt schilderte den Vorfall so: "Um sich selbst und seine Familie zu verteidigen, sah sich mein Mandant letztlich gezwungen, nachdem er zuvor andere Maßnahmen ergriffen und die Polizei alarmiert hatte, Gebrauch von seiner Waffe zu machen. Zu unserem Bedauern endete der Vorfall mit diesem tragischen Ergebnis."

Für viele Israelis äthiopischer Herkunft ist der Tod von Solomon Teka aber kein tragischer Einzelfall, sondern steht stellvertretend für Polizeigewalt gegenüber einer Minderheit. Vor einigen Monaten starb ein geistig behinderter äthiopischstämmiger Israeli durch Polizeikugeln. Der jüngste Fall führte nun dazu, dass landesweit Tausende auf die Straße gingen.

Eine junge Frau hält ein Protestplakat mit dem Gesicht des getöteten Solomon Teka im Arm. | Bildquelle: AFP
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Eine junge Frau hält ein Protestplakat mit dem Gesicht des getöteten Solomon Teka im Arm. Nicht überall blieb der Protest so friedlich.

Gewalttätige Proteste in Tel Aviv

Kreuzungen wurden blockiert, auf der Stadtautobahn in Tel Aviv ging zeitweise nichts mehr. Die Proteste verliefen nicht überall friedlich: Im Zentrum von Tel Aviv versuchte ein Autofahrer zwischen Demonstranten hindurchzufahren. Ein junger Mann sprang auf die Motorhaube, schlug auf die Windschutzscheibe ein. Vielerorts brannten Sperrmüll und Autoreifen, eine Polizeiwache wurde angegriffen.

Die Einsatzkräfte setzten Blendgranaten und Tränengas ein. Es kam zu zahlreichen Festnahmen. Viele äthiopischstämmige Juden im Land fühlen sich aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert. Sie werfen vor allem der Polizei Rassismus vor. "Die Polizei lernt nichts", sagt einer der Demonstranten. "Es gibt dort Kriminelle und das System und die Führung tun nichts. Die Folge sind Tote. Zunächst im Januar und jetzt schon wieder. Es wurden auch schon viele durch die Polizei verletzt und wir sind jetzt hier, um das zu stoppen. Reden alleine hilft nicht, aber wenn wir handeln, wird uns zugehört."

Junge Angehörige aus der äthiopischen Minderheit haben in der Küstenstadt Netanya ein Auto in Brand gesteckt. | Bildquelle: AFP
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Junge Männer aus der äthiopischen Minderheit in Israel haben in der Küstenstadt Netanya ein Auto in Brand gesteckt.

 Äthiopische Minderheit wird Wahlkampfthema

Die Politik hört zu - denn Israel befindet sich im Vorwahlkampf. Das Land wählt Mitte September und die Opposition wirft der Regierung vor, die Ängste der äthiopischen Minderheit zu lange nicht ernst genommen zu haben.

Ministerpräsident Benjamin Netanyahu versprach, der Fall werde restlos aufgeklärt. "Die Einwanderer aus Äthiopien sind uns allen wichtig", sagte er. "In den letzten Jahren waren wir sehr engagiert, sie gut in die israelische Gesellschaft zu integrieren. Wir haben hier noch Arbeit vor uns."

Aus Sicht der äthiopischen Israelis ist aber nicht ihre Integration das Problem, sondern der Umgang der Polizei mit der Minderheit. Es wird erwartet, dass die Massenproteste in den nächsten Tagen weitergehen.

Polizeigewalt? Äthiopische Minderheit in Israel protestiert nach tödlichem Schuss
Tim Aßmann, ARD Tel Aviv
03.07.2019 10:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Juli 2019 um 11:00 Uhr.

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