Explosion im Gazastreifen. | Bildquelle: REUTERS

Gazastreifen Eskalation statt Waffenruhe mit Hamas

Stand: 27.10.2018 11:00 Uhr

Der Konflikt zwischen Israel und der Hamas eskaliert erneut: Dutzende Raketen werden auf israelische Ziele abgeschossen - Israel antwortet mit Luftangriffen. Die Hoffnung auf eine Waffenruhe schwindet.

Die Nacht mussten manche Israelis in Schutzräumen verbringen: Militante Palästinenser hatten seit Freitag insgesamt 30 Raketen auf israelische Ziele gefeuert. Zuletzt wurde am Samstagmorgen eine Rakete vom Abwehrsystem "Iron Dome" abgefangen, teilte die Armee mit.

Als Reaktion griff Israels Luftwaffe in der Nacht nach eigenen Angaben rund 80 Ziele in dem Küstenstreifen an. Die israelische Armee warf der syrischen Regierung vor, eine radikale Palästinensergruppe zu Raketenangriffen auf Israel anzustiften. Die "Anordnungen" und "Anreize" seien aus Damaskus gekommen, sagte Armeesprecher Jonathan Conricus. Auch die Al-Kuds-Brigade, die Einheit für Auslandseinsätze der iranischen Revolutionsgarden, seien involviert. Die Antwort Israels werde "geografisch nicht begrenzt" sein.

Bemühung um Waffenruhe

Eigentlich gab es in der Region zuletzt eine leichte Hoffnung, dass die Lage ruhig bleiben würde. Ägypten und die Vereinten Nationen bemühen sich seit Wochen um die Vereinbarung einer Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas.

Der mögliche Deal sähe so aus: Die Hamas stellt alle Formen der Gewalt ein und unterbindet auch die von anderen palästinensischen Gruppen, die von Gaza ausgeht. Im Gegenzug lockert Israel die weitgehende Blockade des Küstenstreifens.

Sorge vor Krieg

Doch nach dieser Nacht haben sich die Hoffnungen auf Ruhe vorerst erledigt. Die Gewalt nährt nun die Sorge vor einem neuen Krieg. Die militärischen Flügel mehrerer palästinensischer Gruppierungen, darunter auch Hamas, hatten in einer gemeinsamen Stellungnahme ihre Bereitschaft zum Krieg erklärt.

Die Extremistengruppe Islamischer Dschihad übernahm laut Nachrichtenagentur AP die Verantwortung für den Raketenangriff. In einer Erklärung der Gruppe hieß es, sie halte sich gewöhnlich zurück, könne angesichts "der anhaltenden Tötung Unschuldiger und des Blutvergießens durch die israelische Besatzung nicht länger untätig" sein.

Aufräumarbeiten nach einem Luftangriff im Gaza-Streifen | Bildquelle: AFP
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Aufräumarbeiten nach einem Luftangriff im Gazastreifen: Zuvor wurden Raketen aus dem Gazastreifen abgeschossen.

Proteste an der Grenze

Am Freitag hatten sich nach Militärangaben rund 16.000 Palästinenser an verschiedenen Orten an der Gaza-Grenze versammelt. Einige davon hätten Sprengsätze und Steine auf israelische Soldaten geworfen. Israels Luftwaffe habe während der Proteste drei Hamas-Posten im nördlichen Gazastreifen attackiert.

Aufhebung der Blockade gefordert

Seit Ende März wurden bei teilweise gewaltsamen Protesten an der Gaza-Grenze mehr als 200 Palästinenser getötet. Die Demonstranten fordern eine Aufhebung der seit mehr als einem Jahrzehnt herrschenden Gaza-Blockade sowie eine Rückkehr palästinensischer Flüchtlinge in Gebiete, die heute zu Israel gehören.

Im Gazastreifen leben mehr als zwei Millionen Menschen. Es mangelt unter anderem an Trinkwasser und Elektrizität. Die im Gazastreifen herrschende Hamas wird von den USA, der EU und Israel als Terrororganisation eingestuft.

Mit Informationen von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Gazastreifen: Eskalation zwischen Hamas und Israel
Benjamin Hammer, ARD Tel Aviv
27.10.2018 09:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 27. Oktober 2018 um 11:00 Uhr.

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