Die Rauchwolke über dem Gletscher-Vulkan Eyjafjalla auf Island

Nach Vulkanausbruch auf Island Aschewolke sorgt für Chaos im Flugverkehr

Stand: 15.04.2010 18:00 Uhr

Der heftige Ausbruch des Gletscher-Vulkans Eyjafjalla auf Island hat den Flugverkehr in weiten Teilen Europas lahmgelegt. Im Laufe des Tages schlossen immer mehr Länder ihre Lufträume, darunter die Niederlande, Belgien, Großbritannien, Finnland und Irland. Am Abend sollen auch der dänische und der schwedische Luftraum geschlossen werden. Inzwischen gab die britische Flugüberwachung NATS bekannt, dass der Luftraum über dem Vereinigten Königreich noch bis mindestens morgen früh um sechs Uhr gesperrt bleibt.

Die riesige Wolke aus Lava-Asche war von der Atlantikinsel auf den Kontinent getrieben, was die Schließung zahlreicher Flughäfen nötig gemacht hatte. Für den deutschen Luftraum gab die Deutsche Flugsicherung zunächst Entwarnung. Nach Angaben der Europäischen Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol fielen bislang rund ein Viertel aller Flüge in Europa aus.

Flughafen Belfast
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Leere Abfertigungsschalter auch am irischen Flughafen Belfast.

Alle Londoner Flughäfen, darunter auch Heathrow, der wichtigste Drehpunkt des europäischen Flugverkehrs, stellten den Betrieb ein. Zehntausende Passagiere saßen fest. Nur in Notfällen soll es Ausnahmen geben. Die Fluggesellschaft British Airways strich bis morgen alle Flüge.

Zahlreiche Flüge gestrichen

Auch in Norwegen und Schweden wurden nach Behördenangaben fast alle Flughäfen geschlossen. In Frankreich wurden nach Angaben der Luftfahrtbehörde sämtliche Flüge nach Großbritannien, Irland und Skandinavien gestrichen. In der Nacht würden auch die Pariser Flughäfen sowie Airports im Westen und Osten des Landes keine Flüge mehr abfertigen. In Spanien wurden mindestens 40 Starts in Richtung Großbritannien und Irland abgesagt.

Das Flugchaos wirkte sich mittlerweile auf den Bahnverkehr zwischen Großbritannien und dem Festland aus. Alle Züge von Brüssel und Paris nach London für heute und morgen sind bereits ausgebucht, wie ein Sprecher des Eurostar-Schnellzuges mitteilte. "Nur wer ein gültiges Ticket hat, sollte zum Bahnhof kommen", riet er. Der Ansturm sei wegen der vielen abgesagten Flüge sehr groß.

Großflughäfen in Paris betroffen

Am Abend sollten auch die beiden Großflughäfen in Paris den Flugbetrieb einstellen, teilte das Amt für Flugsicherung mit. Nordfranzösische Flughäfen wie Lille oder Calais stellten bereits ab 17.00 Uhr den Luftverkehr ein. Insgesamt wurden 25 Flughäfen geschlossen. Nur in Südfrankreich gab es bislang keine Einschränkungen des Luftverkehrs. Air France strich nach eigenen Angaben 200 Flüge. Für Samstag ist ebenfalls mit zahlreichen Ausfällen zu rechnen.

Vulkan spuckt offenbar noch mehr Asche aus

Unterdessen spuckte der ausgebrochene Vulkan auf Island nach Angaben von Experten noch mehr Asche aus. Es gebe kein Anzeichen, dass sich die Aktivität unter dem Gletscher Eyjafjallajökull abschwäche, sagte der Vulkanforscher Armann Hoskuldsson von der Universität von Island der Nachrichtenagentur Reuters.

Nach dem Ausbruch des Gletschervulkans war eine gewaltige Aschewolke von Island ostwärts gezogen. Experten zufolge kann die Vulkanasche, die sich in einer Höhe von acht bis zehn Kilometern befindet, die Triebwerke der Flugzeuge beschädigen und zudem die Sicht der Piloten beeinträchtigen.

Zweiter Ausbruch innerhalb von vier Wochen

Flughafen Oslo
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Wie hier in Oslo behindern Aschewolken den Flugverkehr über weiten Teilen Europas.

Auf Island mussten die Behörden bis zu 800 Menschen in Sicherheit bringen, nachdem Lava Teile des Gletschers zum Abschmelzen gebracht hatte. Das Schmelzen des Eyjafjallajökull habe "zwei schwere Überschwemmungen" ausgelöst, sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur AFP. Der Ausbruch vom Mittwoch war bereits die zweite schwere Eruption innerhalb eines Monats auf Island.

Am 21. März war zum ersten Mal seit 1821 ein Vulkan im Gebiet des Eyjafjallajökull ausgebrochen. Wie lange die gegenwärtigen Eruptionen andauern, ist nach Einschätzung des isländischen Geophysikers Magnus Tumi Gudmundsson schwer vorherzusagen.

Die Dauer der Eruptionen schwanke zwischen einigen Tagen und "mehr als einem Jahr", sagte Gudmundsson. Angesichts der Heftigkeit des jüngsten Ausbruches rechne er jedoch mit einer "langen Zeit".

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