Heftige Eruption unter Gletschereis Isländischer Vulkan verursacht Hochwasser

Stand: 14.04.2010 20:19 Uhr

Zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen ist in Island der Vulkan Eyjafjallajökull ausgebrochen. Die glühendheiße Lava brachte das Eis des gleichnamigen Gletschers zum Schmelzen, der über dem Vulkan liegt. Dampf und Rauch stiegen kilometerweit in die Höhe.

Etwa 800 Menschen waren zuvor aufgefordert worden, sich in Sicherheit zu bringen, nachdem es Berichte über eine erhöhte seismische Aktivität gab, wie der isländische Katastrophenschutz mitteilte. Die Anwohner wurden in ein Rotkreuz-Zentrum in der nahe gelegenen Ortschaft Hvolsvollur gebracht.

Dampf und Rauch des Vulkans Eyjafjallajökull steigen in den Himmel
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Dampf und Rauch aus dem eisbedeckten Vulkan Eyjafjallajökull stiegen kilometerweit in die Höhe.

Gletschereis in Hochwasser verwandelt

Erst am 20. März war der 120 Kilometer östlich von Reykjavik gelegene Vulkan erstmals wieder seit fast 200 Jahren ausgebrochen. Doch diesmal war der Ausbruch nach Angaben von Wissenschaftlern zehn bis 20 Mal so stark. Der erneute Ausbruch liegt den Angaben zufolge mehrere Kilometer vom vorigen Eruptionsort entfernt. Der Geophysiker Pall Einarsson von der Universität von Island erklärte, der entstehende Rauch sei ein Hinweis darauf, dass sich heißes Magma durch das 200 Meter dicke Eis über dem Krater des Vulkans fresse. Das Schmelzwasser fließe in Sturzbächen in tiefer liegende Gebiete.

Die Wassermassen überfluteten Teile einer Schnellstraße und beschädigte mehrere Brücken. Um die Fluten abzuleiten und Druck abzubauen, seien an mehreren Stellen Durchbrüche durch den Straßendamm gegraben worden. Ein Sprecher des Katastrophenschutzes, Vidir Reynisson, sagte, der Höhepunkt der Flutwelle sei möglicherweise bereits erreicht worden. Aber es werde noch Stunden dauern, bis man einen besseren Überblick über die Art der Schäden habe, sagte er.

Flugverbot im Norden Norwegens

International hat der massive Vulkanausbruch Flugverbote zur Folge. Die Behörden in Oslo sperrten wegen der großen Mengen Lavaasche in der Luft den kompletten nordnorwegischen Luftraum nördlich der Stadt Bodø. Für morgen sei zudem mit einer Ausweitung der Flugverbote auf weite Teile Schwedens, Finnlands sowie nordwestliche Regionen Russlands zu rechnen, hieß es in Islands Hauptstadt Reykjavik. In südlicher Richtung wären dann auch Regionen Großbritanniens und Dänemarks betroffen.

Von 140 Vulkanen noch 30 aktiv

Der letzte große Ausbruch am Eyjafjallajokull-Gletscher fand 1821 statt. Vulkanische Aktivitäten führten auch zur erdgeschichtlichen Entstehung der Atlantik-Insel Island. In ihrem Untergrund sind bis heute zahlreiche aktive Vulkansysteme verborgen.

Von insgesamt 140 Vulkanen sind 30 noch aktiv. Der bekannteste ist Hekla. Er war zuletzt vor zehn Jahren ausgebrochen. 1996 sorgte der Ausbruch des Vulkans Bardabungu unter dem Vatnajökull, dem größten Gletscher Europas, für eine gigantische Überschwemmung durch Schmelzwasser. Tote gab es zuletzt 1783, als beim einzigen Ausbruch des Laki 9000 Menschen ums Leben kamen.

Gletscher-Vulkanausbruch in Island (Archivbidl)
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Seit Wochen lockt der Gletscher-Vulkan auf Island zahlreiche Schaulustige an. Vor allem Nachts bieten sich oft spannende Ansichten.

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