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Bricht Vulkan Öraefajökull aus? Alarmstufe Gelb auf Island

Stand: 21.11.2017 13:01 Uhr

Fest steht: Der isländische Vulkan Öræfajökull ist auffällig aktiv. Aber bedeutet das, dass ein Ausbruch bevorsteht? Forscher sind jedenfalls beunruhigt. Ein Ausbruch könnte auf der Insel verheerende Folgen haben.

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

Diesmal sind zwei Dinge nicht ganz so einfach: erstens, mal wieder, Name und Aussprache: Öraefajökull - "Öhraiwajöhküddl" heißt der Vulkan. Das ist fast so schlimm wie 2010 der Eyjafjallajökull - ausgeprochen "Aijafjadlajöhküddl".

Und zweitens die Einschätzung der aktuellen Gefahr durch den Öraefajökull. Denn im Gegensatz zum Eyjafjallajökull ist er lange nicht mehr ausgebrochen, sehr lange nicht, zuletzt 1727. Es gibt also keine auch nur halbwegs genauen Aufzeichnungen über sein Verhalten damals unmittelbar vor dem gewaltigen Ausbruch mit einer riesigen Aschewolke, großen Zerstörungen im Südosten Islands und bis zu 500 Toten.

Vulkanische Aktivität im Gebiet Bardarbunga in Island (Archivbild 2014) | Bildquelle: picture alliance / Chris Wallber
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Island verfügt über viele aktive Vulkane - wie hier im Gebiet Bardarbunga.

Jeder Vulkan ist anders

Dabei wäre es wichtig, mehr über ihn zu wissen. Die etwa 30 aktiven Vulkane auf Island haben nämlich alle ihre Eigenarten und typischen Vorzeichen eines Ausbruchs: unter anderem Erdbeben oder die Veränderung der Berg- oder Gletscherform durch aufsteigendes Magma.

Fest steht: Der Öraefajökull ist in Bewegung geraten. An der Oberfläche des eisbedeckten Vulkans bildete sich in den vergangenen Tagen ein neuer Krater von etwa einem Kilometer Durchmesser. Forscher vom isländischen Meteorologischen Dienst maßen hohe Anteile von Schwefelwasserstoff und Schwefeldioxid im Wasser am Gletscherrand.

Es rieche deutlich intensiver nach Schwefel, sagt die Wissenschaftlerin Melissa Ann Pfeffer. Zudem sei die Leitfähigkeit des Wassers am Vulkan höher als oben in der Lagune.

Auch Björn Oddson vom isländischen Zivilschutz flog mit dem Hubschrauber auf den Gletscher über dem Vulkan, um sich die Sache vor Ort anzuschauen. Sein Befund: Kein Grund zur Panik, aber ernst nehmen müssen man das Ganze schon, sehr ernst. Die Erde sei in Bewegung geraten, das habe das geothermische System stimuliert, möglicherweise auch neue Spalten gebildet. Durch sie könne das Wasser erst nach unten fließen, sich wieder erwärmen, aufsteigen und das Gletschereis zum Schmelzen bringen. Das sei entweder ein aktiverer alter oder ein ganz neuer Kreislauf.

Vulkan Grimsvötn auf Island | Bildquelle: REUTERS
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Der Ascheausstoß aus isländischen Vulkanen hat den europäischen Flugverkehr wiederholt massiv beeinträchtigt.

Die Behörden sind beunruhigt

Aber noch gibt es keine Anzeichen für gefährlich aufsteigendes Magma. Dennoch setzten die Behörden für den Öraefajökull den Aktivitätsalarm von Grün wie "ruhig" auf Gelb für "ungewiss" hoch.

Ohne Zweifel gebe es mehr Bewegung, sagt Oddson, "und das heißt: Wir nähern uns einem neuen Ausbruch." Was eigentlich für die Isländer noch kein Grund ist, unruhig zu werden. Aber der Öraefajökull ist eine Ausnahme: Sein vorletzter, explosionsartiger Ausbruch im Jahr 1362 gilt bis heute als der schlimmste, den es seit der Besiedelung der Insel jemals gegeben hat. 

Experten schätzen, dass auch bei einem neuen Ausbruch ungeheure Schmelzwassermassen in nur einer halben Stunde die Ringstraße erreichen und alles zwischen ihr und dem Vulkan zerstören würden. Eine halbe Stunde - viel zu wenig Zeit für die Evakuierung aller Menschen und Touristen in der Gegend.

Isländer fürchten Ausbruch des Vulkans Öraefajökull
Carsten Schmiester, ARD Stockholm
21.11.2017 06:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 21. November 2017 um 07:11 Uhr.

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