Finnafjord auf Island | Bildquelle: bremenports

Hafen-Projekt im Finnafjord Wie Island vom Klimawandel profitieren will

Stand: 12.09.2019 13:24 Uhr

Im isländischen Finnafjord wird ein neuer Hafen geplant. Er soll ein Drehkreuz werden für Transporte auf Handelsrouten durch das Eismeer, die durch den Klimawandel entstanden sind. Doch nicht alle sind begeistert.

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

Die ersten Verträge sind bereits unterschrieben. Die Bremer Hafenmanagementgesellschaft bremenports, das isländische Ingenieurbüro EFLA und dazu Gemeinden am nordöstlich gelegenen, tiefen und gut geschützten Finnafjord haben ein Megaprojekt auf den Weg gebracht. Gemeinsam wollen sie dort einen Hafen mit einer Kailänge von bis zu sechs Kilometern entwickeln. Der soll einmal Drehkreuz des durch schmelzendes arktisches Eis über die Nordwest- und Nordostpassage laufenden Containertransports zwischen Amerika, Asien und Europa werden.

Umschlagplatz für Rohstoffe aus Grönland

Auf dem Gelände soll es dazu nachhaltige Fischzucht geben, große Lagerflächen für Transportgüter und Umschlagsplätze für arktische Bodenschätze. An denen ist nicht nur US-Präsident Trump interessiert, sondern auch Russland, China und viele andere Staaten.

Hafsteinn Helgason ist Direktor für Geschäftsentwicklung bei EFLA in der isländischen Hauptstadt Reykjavik und ein großer Fan des Hafenprojektes: "Wir werden dort wahrscheinlich auch eine Art Hotel für Bergbaumaterial aus Grönland haben. Das heißt, es werden kleinere Spezialschiffe zwischen Island und Grönland pendeln, und das Material wird hier auf Land gesetzt und dann mit größeren Schiffen von hier aus exportiert."

Geplanter Multifunktionshafen am Finnafjord auf Island | Bildquelle: bremenports
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Am Finnafjord soll eine Kailänge von bis zu sechs Kilometern entstehen.

Island könne ein derartiges Großprojekt gut gebrauchen, meint er. Gerade im kaum entwickelten Nordosten. Wo es heute außer Fischerei nichts ökonomisch Bedeutendes gebe. Das werde sich dann ändern, aber langsam. Die Gegend würde also nicht aus dem Schlaf gerissen, sondern eher sanft geweckt. Denn: das Ganze geschehe in Etappen. Man brauche nicht aus dem Stand 500 Leute, "sondern man braucht vielleicht am Anfang 30, 40 pro Firma. Wenn alles aufgebaut ist in 50 Jahren, dann könnte man allerdings schon ein paar Hundert Leute hier beschäftigen."

Vielleicht, und wenn, dann auch erst in ferner Zukunft. Ein Signal an die Gegner des Projektes, vor allem Islands Umweltschützer. Deren Sorgen nehme man sehr ernst, so Helgason. "Für diese Vorplanung haben wir sehr auf die Zielvorgaben der Vereinten Nationen geschaut. Und wir wollen nur Firmen einladen, welche auf die Umwelt achten und zum Beispiel kohlenstoffneutral sind oder sein werden."

Karte Island Finnafjord
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Der Finnafjord liegt im strukturschwachen Nordosten Islands. Hier soll der neue Hafen entstehen. Von hier aus sind die Nordwest- und Nordostpassage sowie Europa und Nordamerika gleichermaßen gut erreichbar.

Naturschützer fürchten ein "LSD"-Projekt

Was Tryggvi Felixson wohl nicht umstimmen wird. Der Vorstand der Landschaftsschutzorganisation "Landvernd" hält nichts vom geplanten Hafen, über den er zudem offiziell kaum informiert sei, merkt er spitz an. Aber selbst wenn er einmal konkrete Pläne kennen würde, "wird unsere erste Reaktion wohl eher negativ sein, weil wir schon so viele andere Großprojekte auf Island gesehen haben. Wir kürzen sie auf Isländisch 'LSD' ab, das heißt 'der größte Traum von allen'. Glücklicherweise sind nicht alle davon verwirklicht worden."

Für ihn kommt das Projekt zur Unzeit. Island wird kaum mit der Touristenschwemme fertig, die in diesem Sommer nur ein wenig kleiner geworden ist. Und es gibt die Forderung nach immer neuen Kraftwerken, die aus Wasserkraft und vulkanischer Erdwärme billigen Strom machen sollen, unter anderem für gigantische Computerfarmen, auf denen dann Kryptowährungen wie Bitcoins geschürft werden. Das gefährde Islands eigentliches Kapital:

"Unsere wichtigste Ressource auf Island, die uns aus der Wirtschaftskrise 2008 geholfen hat, ist unsere schöne Natur. Sie ist mehr wert, als Projekte, die zwanzig, dreißig Jahre laufen und dann wieder beendet werden. Die Natur ist viel nachhaltiger als jeder einzelne dieser 'größten Träume aller Zeiten'. Das gilt auch für diesen neuen Hafen!"

Neuer Megahafen auf Island geplant
Carsten Schmiester, ARD Stockholm
12.09.2019 12:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. September 2019 um 11:37 Uhr.

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