Der Skiort Ischgl in Österreich | AFP

Corona-Ausbruch in Skiort Ischgl-Ermittlungen eingestellt

Stand: 24.11.2021 14:32 Uhr

Während Opfervertreter weiter von einem Behördenskandal sprechen, hat die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen zum Chaos nach dem Ischgler Corona-Ausbruch beendet: Es habe kein "schuldhaftes" Verhalten gegeben.

Die Staatsanwaltschaft Innsbruck hat die strafrechtlichen Ermittlungen zur Corona-Ausbreitung im österreichischen Skiort Ischgl im Frühjahr 2020 eingestellt. Die Behörde erklärte, es gebe keine Beweise dafür, "dass jemand schuldhaft etwas getan oder unterlassen hätte, das zu einer Erhöhung der Ansteckungsgefahr geführt hätte". Das Ergebnis sei durch die Oberstaatsanwaltschaft Innsbruck, das Justizministerium und schließlich vom sogenannten Weisungsrat überprüft worden.

Ischgl galt im März 2020 auch wegen seiner Après-Ski-Szene als ein Hotspot der Coronavirus-Verbreitung. Der Ort und das gesamte Paznauntal, in dem er liegt, wurden schließlich unter teils chaotischen Umständen unter Quarantäne gestellt. Die in ihre Heimatländer zurückgekehrten Wintersportler verbreiteten das Virus in ganz Europa. In Ischgl und anderen Tiroler Wintersportorten steckten sich in dem Monat mehr als 6000 Menschen aus 45 Ländern mit dem Coronavirus an. 32 der Infizierten starben.

Maßnahmen nach Bekanntwerden überprüft

Im Visier der Ermittlungen hatten fünf Amtsträger gestanden. Näher geprüft worden seien die Maßnahmen nach Bekanntwerden der ersten Infektionsfälle, die Verordnungen über die Schließung von Lokalen und des Skibetriebes sowie die weiteren Verkehrsbeschränkungen in Ischgl beziehungsweise die Quarantäne im Paznauntal.

Den Behörden war vorgeworfen worden, zu spät und nicht umfassend genug reagiert zu haben. Ein bereits präsentierter Expertenbericht sah kein Versagen, aber Fehleinschätzungen: Die Behörden hätten in der Tat zu langsam und nicht ausreichend energisch reagiert, nachdem sie aus Island gewarnt worden waren, dass Rückkehrer positiv getestet wurden. Druck aus der Tourismuswirtschaft auf Entscheidungsträger wurde nicht festgestellt.

Die Après-Ski-Bar "Kitzloch" im österreichischen Ski-Ort Ischgl | dpa

Die Après-Ski-Lokale des Ortes gelten als ein Ausgangspunkt für die erste Corona-Welle in Europa. Bild: dpa

Opfervertreter: "Behördenversagen soll vertuscht werden"

Vor dem Landgericht Wien sind unabhängig von der jetzigen Entscheidung zahlreiche Zivilverfahren anhängig, in denen unter anderem die Angehörigen deutscher Opfer auf Schadensersatz klagen. Vom Verbraucherschutzverein (VSV), der sie vertritt, kam Kritik. "Ich habe den Eindruck, dass hier ein Behördenskandal weitgehend vertuscht werden soll", sagte VSV-Vorstand Peter Kolba.

Der Verein werde alles tun, um das "Multiorganversagen" der Behörden aufzudecken. In den Akten ließen sich gravierende Behördenfehler lückenlos nachweisen.

Die Staatsanwaltschaft habe offenbar nur Fehler auf der Ebene des Landes Tirol untersucht, aber Fehler der Bundesregierung nicht berücksichtigt, sagte Kolba. Er hatte wiederholt gefordert, dass die Ermittlungen auf den früheren Bundeskanzler Sebastian Kurz, den ehemaligen Gesundheitsminister Rudolf Anschober sowie Innenminister Karl Nehammer und andere ausgeweitet werden. Mit Anträgen dazu blitzte Kolba allerdings bei den Richtern ab.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. November 2021 um 12:05 Uhr und um 14:23 Uhr.