Archivfoto von 2015: Ein Mann inspiziert ein Massengrab nahe Sinuni | Bildquelle: AFP

UN-Ermittlungen Massengräber des IS im Irak gefunden

Stand: 06.11.2018 13:34 Uhr

Drei Jahre dauerte die IS-Herrschaft im Nordirak. Die Dschihadisten folterten, vergewaltigten und töteten viele Menschen. UN-Ermittler fanden nun mehr als 200 Massengräber. Darin könnten bis zu 12.000 Leichen liegen.

Im Irak sind nach UN-Angaben mehr als 200 Massengräber mit den Leichen von 6000 bis 12.000 Opfern entdeckt worden. Die Gräber enthielten die sterblichen Überreste Tausender Menschen, die vermutlich Opfer der Terroristen des "Islamischen Staates" geworden seien, heißt es in einem Bericht der Vereinten Nationen. Die exakte Zahl der Toten sei schwer zu schätzen, da bisher nur 28 ausgegraben worden seien. Dabei seien 1258 Leichen exhumiert worden.

Opfer teilweise lebendig begraben

Unter den Toten sind dem Bericht zufolge Frauen, Kinder, Alte und Behinderte, aber auch Angehörige der irakischen Armee und Polizei.

Die UN riefen die irakischen Behörden auf, die Stätten vollständig auszuheben, um den Familien Gewissheit über das Schicksal ihrer Angehörigen zu ermöglichen. "Die in unserem Bericht dokumentierten Massengräber zeugen von grauenhaften menschlichen Verlusten, schwerem Leiden und schockierender Grausamkeit", sagte der UN-Gesandte für den Irak, Jan Kubis. Für die Angehörigen sei es wichtig für die Trauerarbeit, Gewissheit über die Todesumstände zu haben.

Die Gräber lägen in den Provinzen Ninive, Kirkuk, Salah al-Din und Anbar im Nordwesten des Landes. In manchen Fällen warfen die IS-Kämpfer ihre Opfer tot oder lebendig in Brunnen oder Erdlöcher, anstatt für sie Gräber auszuheben. Die UN-Ermittler erklärten, allein in dem Chasfa-Erdloch südlich von Mossul könnten Tausende Leichen liegen. Mossul war einst die größte irakische Stadt unter IS-Kontrolle.

Karte von Syrien und dem Irak
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Die IS-Kämpfer breiteten sich bis 2017 im Nordirak und in Syrien aus.

UN: Verbrechen könnten als Genozid eingestuft werden

Die UN gehen davon aus, dass der "Islamische Staat" insgesamt 33.000 Zivilisten im Irak getötet und mehr als 55.000 verletzt hat. Die Miliz hatte 2014 weite Teile des Landes erobert und dort ein Kalifat ausgerufen. Während ihrer dreijährigen Herrschaft terrorisierten die Dschihadisten die Einheimischen und richteten zahlreiche Menschen hin. Sie gingen auch gegen Minderheiten wie Christen und Jesiden vor. Die UN halten es für möglich, dass die IS-Verbrechen als Genozid eingestuft werden können.

Die irakische Regierung hatte im Dezember 2017 den Sieg über den IS erklärt. Die Kämpfer kontrollieren aber immer noch kleine Gebiete in der syrischen Grenzregion.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. November 2018 um 20:00 Uhr.

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