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Gefängnis in Nordsyrien Ein deutscher IS-Scherge berichtet

Stand: 03.02.2019 16:00 Uhr

Zahlreiche deutsche IS-Anhänger ergeben sich in Nordsyrien. Mehr als 60 Deutsche und ihre Kinder sitzen in Gefängnissen kurdischer Streitkräfte. Fared Saal ist einer von ihnen. Im Interview mit NDR und SWR gibt er sich reuig.

Von Janina Findeisen, Volkmar Kabisch und Amir Musawy (NDR/SWR)

Nun sitzt er vor Reportern von NDR und SWR und redet. Die Haare sind inzwischen kurz geschoren, der auffällige Bart einem Flaum gewichen. Fared Saal ist aus Bonn. 2014 schloss sich der heute 29-Jährige der IS-Terrormiliz an und wurde bald zu einem der bekanntesten und meistgesuchten Deutschen in den Rängen der Islamisten.

Sendungsbild | Bildquelle: Screenshot aus IS-Propaganda-Video
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In einem Video erzählt Saal von der Ermordung zahlreicher Menschen.

In Deutschland wurde er durch ein Propagandavideo bekannt: Eine Minute und 51 Sekunden pure Menschenverachtung. Saal hockt an einem staubigen Hügel und blickt in die Kamera. Vor ihm liegen Leichen - einige offenbar Soldaten in Uniformen, aber auch Opfer in bunten T-Shirts. Der junge Mann in brauner Tarnkleidung, mit zerzausten Haaren und auffälligem Bart hebt den rechten Zeigefinger zum Himmel und schreit: "Allah hat uns diesen Sieg gewährt." Aus seiner Stimme klingt große Freude über die Toten zu seinen Füßen: "Wie ihr sehen könnt, bei Gott, diese Schweine und Tiere haben wir geschlachtet."

Es ist der 17. Juli 2014, ein Gasfeld in der Nähe der syrischen Stadt Homs. Kämpfer des "Islamischen Staates" (IS) haben die Anlage in einem Überraschungsangriff eingenommen. 90 Menschen wurden an diesem Tag nach Angaben der Vereinten Nationen getötet - syrische Soldaten und zivile Mitarbeiter des Gasfeldes. Mit dabei war der junge Mann aus dem Video: Fared Saal.

Reue aus Kalkül?

"Heute bereue ich das, was ich getan habe", sagt er. "Doch es ist zu spät. Was passiert ist, ist passiert. Ich kann es nicht ändern." Man fragt sich bei diesen Worten unweigerlich, ob man ihm glauben kann oder ob die Reue zum Kalkül gehört. Denn Fared Saal sitzt inzwischen in Haft.

Seit etwas mehr als einem Jahr bestimmen kurdische Syrer im Norden des Landes über Saals Tagesablauf. Er hatte in die Türkei fliehen wollen. Doch der Schleuser, der ihn aus den verbliebenen Gebieten des IS führen sollte, verriet ihn an die kurdisch-dominierten "Demokratischen Kräfte Syriens".

Wie umgehen mit dem deutschen IS-Kämpfer?
tagesschau24 17:00 Uhr, 03.02.2019, J. Findeisen, V. Kabisch u. A. Musawy, NDR und SWR

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Schleuser neuer IS-Anhänger

Erstmals gibt Fared Saal nun ein Interview und beschreibt seine Zeit im Terrorstaat. Er lebte nach seiner Ausreise 2013 in verschiedenen Städten des selbsternannten Kalifats und wurde mit unterschiedlichen Aufgaben betraut. Wegen seiner Sprachkenntnisse in Deutsch, Englisch und Arabisch sollte er zunächst an der Grenze zur Türkei arbeiten.

Saal war verantwortlich für das Rekrutieren und Einschleusen neuer Anhänger des IS. Das sei auch der Grund für das Video gewesen. Es sei darum gegangen, "erst einmal meinen Bekanntheitsgrad zu erhöhen, damit ich an der Grenze arbeiten kann". Mörderisches Kalkül - auch wenn Saal beteuert, nicht an der Ermordung der Menschen beteiligt gewesen zu sein.

Mutmaßlicher Kriegsverbrecher Fared Saal im Interview
Weltspiegel, Volkmar Kabisch, NDR

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"Es war jetzt nie, dass ich sagen wollte, das, was wir getan haben in der Zeit des 'Islamischen Staates', dass das keine Überzeugung war. Es war auch kein Zwang. Es war nur ein System, was mir vorgegeben worden ist und ich es gemacht habe. Aber ich hätte auch Nein sagen können", sagt Saal.

Einer der meistgesuchten Deutschen beim IS

Kurz nach Bekanntwerden des Propaganda-Videos ergeht ein Haftbefehl gegen Saal, auch wegen der mutmaßlichen Mittäterschaft zum 90-fachen Mord. Saal wird von nun an zu einem der meistgesuchten Deutschen, die sich der Terrorgruppe angeschlossen haben. Die Vereinten Nationen und die USA setzten ihn als einen der ganz wenigen deutschstämmigen IS-Anhänger auf ihre internationalen Sanktionslisten.

Ob er nachvollziehen könne, dass gegen ihn wegen des Videos auch im Zusammenhang mit Kriegsverbrechen ermittelt werde, fragen die Reporter: "Definitiv!"

Kurden mit IS-Anhängern allein gelassen

Der Generalbundesanwalt in Karlsruhe ermittelt inzwischen gegen eine Vielzahl deutscher IS-Anhänger auch wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen. "Ganz konkret geht es dabei um die Teilnahme an Hinrichtungen und Folterungen, aber auch an Plünderungen und - auch damit sind wir bei unseren Ermittlungen befasst - an der Haltung von Menschen als Sklaven", sagte die Sprecherin des Generalbundesanwaltes, Frauke Köhler, gegenüber NDR und SWR.

Mindestens 60 deutsche IS-Anhänger und ihre Kinder sitzen wie Saal in Gefängnissen und Gefangenenlagern in Nordsyrien. Beinahe täglich werden es mehr. Die Kurden fühlen sich mit dem Problem allein gelassen.

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Gegen Saal wird wegen mutmaßlicher Mittäterschaft an 90-fachem Mord ermittelt.

Omar Abdelkarim ist eine Art Außenminister des Kurdengebiets. Im Gespräch mit NDR und SWR fasst er die Situation zusammen: "Bis heute haben wir etwa 800 IS-Kämpfer bei uns in Haft. Dazu kommen 1330 Kinder und mehr als 600 Frauen. Aus 49 verschiedenen Ländern." Darunter sei eine große Zahl bekannter Kriegsverbrecher, gegen die in den Heimatländern ein Haftbefehl vorliege. "Trotzdem übernimmt keiner die moralische und juristische Verantwortung."

Debatte über Umgang mit Deutschen

Die französische Regierung kündigte Mitte der Woche an, insgesamt 130 ihrer Staatsbürger zurückzunehmen. Darunter seien Frauen, Kinder und Männer. Sie würden anschließend in Frankreich vor Gericht gestellt, verkündete der französische Innenminister in der Nationalversammlung.

Deutschland ist in dieser Frage deutlich zurückhaltender. Seit Monaten diskutieren Beamte deutscher Ministerien, wie mit diesen Personen umzugehen sei. Manche befürchten, man bringe eine erhebliche Gefahr ins Land. Andere verweisen darauf, man müsse die Verantwortung für die eigenen Staatsbürger selbst übernehmen.

Das Auswärtige Amt teilt auf Anfrage mit, eine konsularische Betreuung sei derzeit faktisch unmöglich. Man prüfe aber in Einzelfällen, insbesondere in humanitären Fällen, mögliche Optionen, um deutschen Staatsangehörigen eine Ausreise aus Syrien zu ermöglichen.

Auch Fared Saal möchte nun wieder zurück nach Deutschland. "Wenn es nun Gefängnis sein muss, dann bevorzuge ich ein Gefängnis, wo man dann gewisse Rechte hat. Menschenrechte et cetera", erklärt er. Nach etwa zwei Stunden Gespräch führen ihn kurdische Sicherheitskräfte wieder aus dem Raum. "Auf Wiedersehen", sagt er zum Abschluss und lächelt.

Mitarbeit: Mustafa Al-Ali, Lea Busch

Über dieses Thema berichtete am 03. Februar 2019 tagesschau24 um 17:00 Uhr und das Erste um 19:20 Uhr in der Sendung "Weltspiegel".

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