Zwei Zivil-Fahrzeuge der Polizei verlassen das Gelände des Bundesgerichtshofs. Eine sogenannte IS-Rückkehrerin aus Syrien wurde dort einem Ermittlungsrichter vorgeführt. | dpa

Nach Rückkehr aus Syrien Mutmaßliche IS-Anhängerin festgenommen

Stand: 20.12.2020 17:36 Uhr

Eine mutmaßliche IS-Anhängerin aus Sachsen-Anhalt ist nach ihrer Landung in Frankfurt sofort festgenommen worden. Das Auswärtige Amt bestätigte bislang die Rückholaktion von drei Frauen und zwölf Kindern aus Syrien.

Eine sogenannte IS-Rückkehrerin aus Syrien ist bei ihrer Ankunft am Flughafen Frankfurt/Main wegen Terrorverdachts festgenommen worden. Der Generalbundesanwalt wirft der jungen Deutschen die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland sowie Beihilfe zu einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit und einen Verstoß gegen das Waffengesetz vor, wie die Behörde offiziell mitteilte.

Die festgenommene Frau soll im März 2015 als damals 15-Jährige nach Syrien gereist sein, sich dort dem IS angeschlossen und einen Angehörigen des Geheimdienstes der Terrormiliz geheiratet haben, teilte der Generalbundesanwalt mit. Gemeinsam mit ihrem Mann soll sie zeitweise eine jesidische Frau als Sklavin gehalten und diese weiterverkauft haben.

Haftbefehl in Vollzug gesetzt

Zusammen mit ihrem Ehemann und den zwei gemeinsamen Kindern flüchtete sie den Angaben des Generalbundesanwalts zufolge im Sommer 2017 aus der nordsyrischen Stadt Al-Rakka. Nach weiteren Umzügen sei sie schließlich Anfang Januar 2019 zusammen mit den Kindern in einem Flüchtlingslager aufgenommen worden, in dem sie bis zu ihrer Ausreise gelebt habe.

Gegen die Rückkehrerin war demnach im Mai dieses Jahres ein Haftbefehl verhängt worden. Sie wurde nach ihrer Festnahme einem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt, der den Haftbefehl in Vollzug setzte.

Angeblich Ermittlungen gegen zwei weitere Frauen

Einem Bericht des "Spiegel" zufolge handelt es sich bei der Festgenommenen, die aus Sachsen-Anhalt kommen soll, um eine der Frauen, die die Bundesregierung am Wochenende aus Syrien zurückgeholt hat. Demnach wird auch gegen zwei weitere Rückkehrerinnen ermittelt. Weder die Bundesanwaltschaft noch das Auswärtige Amt wollten den Medienbericht kommentieren.

Das Auswärtige Amt verwies auf die Pressemitteilung des Generalbundesanwalts zur Festnahme der Frau. Darin heißt es, dass die Frau am Flughafen von Beamten des Landeskriminalamts Sachsen-Anhalt festgenommen worden sei.

Auswärtiges Amt bestätigt Rückkehr aus Syrien

Das Auswärtige Amt bestätigte unterdessen die am Samstag bekanntgewordene Rückholaktion von drei Frauen und zwölf Kindern aus Camps in Nordostsyrien nach Deutschland, machte dabei aber keine Angaben zu einer mutmaßlichen IS-Vergangenheit der Frauen. Bei den Personen, die nach Deutschland zurückgeholt wurden, handelt es sich den Angaben zufolge um zwölf Kinder, darunter sieben Waisenkinder, und drei Frauen aus den Lagern Roj und Al Hol im Nordosten Syriens. Zwei weitere Frauen und sechs weitere Kinder seien nach Finnland gebracht worden.

"Ich bin sehr erleichtert, dass wir gestern weitere zwölf Kinder und drei dazugehörige Mütter aus Lagern in Nordostsyrien zurückholen konnten. Diese frohe Nachricht kurz vor Weihnachten stimmt zuversichtlich, dass wir auch in weiteren Fällen eine Rückkehr ermöglichen können", erklärte Außenminister Heiko Maas. "Dafür werden wir uns in den kommenden Wochen und Monaten einsetzen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Dezember 2020 um 18:00 Uhr.