Ein geschlossener Pub in Dublin | AP

Strenge Corona-Maßnahmen Irland geht in den Lockdown

Stand: 20.10.2020 14:29 Uhr

Als erstes EU-Land hat Irland einen zweiten Lockdown angeordnet - wenn auch nicht komplett. Geschäfte schließen, Treffen in Innenräumen mit anderen Haushalten sind untersagt. Schulen und Kindergärten bleiben geöffnet.

Von Christoph Heinzle, ARD-Studio London

Irland tritt auf die Bremse. Der Grund: stark steigende Infektionszahlen trotz bestehender Beschränkungen. Ab der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag gilt in Irland die höchste Corona-Alarmstufe fünf, mit massiven Einschnitten im öffentlichen Leben. Die meisten Geschäfte müssen schließen, nur Läden zur Grundversorgung bleiben offen.

Christoph Heinzle ARD-Studio London

Treffen mit anderen Haushalten in Innenräumen sind dann untersagt, Treffen draußen und Bewegung sind nur in einem Radius von fünf Kilometern erlaubt. Ausnahme: der Weg zur Arbeit oder Schule. Denn die Wirtschaft soll weitgehend geöffnet bleiben - wenngleich zu Hause arbeiten muss, wer kann.

"Corona kommt näher"

Essen aus Restaurants gibt es nur noch außer Haus. Sechs Wochen soll die irische Bevölkerung durchhalten, so der Appell von Premierminister Micheal Martin, damit die Vorschriften Anfang Dezember wieder gelockert werden können - wenn sich denn die Zahlen bis dahin verbessert haben. Es gebe Hoffnung und Licht, obwohl die Tage kürzer werden, sagte Martin.

Besonders betroffen von der rasanten Verbreitung des Coronavirus sind die Regionen nahe der nordirischen Grenze. Dort, wo Micheal Magee als Bestatter arbeitet. "Corona kommt immer näher hier im Ort, praktisch in jedes Haus", sagte er der BBC.

"Wir brauchen weitere Maßnahmen"

Irland hat das öffentliche Leben bereits eingeschränkt, ohne durchschlagenden Erfolg. "Dabei haben wir schon die wahrscheinlich strengsten Maßnahmen in Europa", sagte Premierminister Martin in einer Fernsehansprache. "Obwohl wir die Verbreitung von Corona verlangsamt haben, ist das aber nicht genug. Wir brauchen weitere Maßnahmen."

Der Schulunterricht und die Kinderbetreuung sollen aber weitergehen. "Wir dürfen und werden nicht zulassen, dass die Zukunft unserer Kinder und der jungen Menschen ein weiteres Opfer dieser Krankheit wird", so Martin. "Sie brauchen Bildung."

Gesundheitsminister Steven Donnelly machte deutlich, dass die Regierung handeln will, bevor es zu spät ist. "Krankenhäuser, Schulen, die Wirtschaft, sie alle sind nicht in der Krise. Wir reagieren nicht reflexartig auf eine Krise, sondern verhängen bewusst und gut überlegt Vorbeugungsmaßnahmen." 

Weihnachtsfest ohne Lockdown?

Wenn die Zahlen bis Anfang Dezember heruntergehen, könne wieder gelockert werden. An jedem Einzelnen liege es jetzt, ob das gelingt, so Martin. "Wenn wir uns in den nächsten sechs Wochen zusammennehmen, dann haben wir die Gelegenheit, Weihnachten in sinnerfüllter Weise zu feiern."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Oktober 2020 um 14:00 Uhr.