Feiern Irland | Bildquelle: AFP

Ja zu Recht auf Abtreibung Zeitenwende in Irland

Stand: 26.05.2018 20:08 Uhr

Jetzt ist es offiziell - gut zwei Drittel der Iren, 66,4 Prozent, haben für die Lockerung des Abtreibungsrechts gestimmt. Ein Erdrutschsieg des "Yes"-Lagers, mit dem eigentlich keiner gerechnet hatte.

Von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Die Aktivistin Alibhai Smith hat auf diesen Tag, auf diesen Jubel 35 Jahre lang gewartet - seit das Verbot auf Abtreibung in der irischen Verfassung steht. Die Irin setzt sich seit Jahrzehnten für Frauenrechte ein, für ein Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch, für eine Liberalisierung der Gesetze. Die Direktorin der "Together for Yes"-Kampagne ist jedoch erstaunt und überwältigt, dass ihre Landsleute dem Vorschlag, diesen umstrittenen achten Verfassungszusatz zu streichen, in so großer Zahl gefolgt sind: "Im Namen aller, die mit uns seit langem dafür gekämpft haben - und all der jungen Leute, die uns in den vergangenen Monaten unterstützt haben, sage ich: Wir sind verblüfft, sehr erleichtert - und den Menschen in Irland sehr dankbar."

Feiern Irland | Bildquelle: REUTERS
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Die Befürworter einer Lockerung des Abtreibungsrechts haben die Abstimmung klar gewonnen.

Befürworterinnen der Lockerung des strikten Verbots von Schwangerschaftsabbrüchen warten auf die Stimmauszählung zum Abtreibungsreferendum in Irland. | Bildquelle: dpa
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Feiern im "Yes"-Lager. Viele konnten das Ergebnis zunächst gar nicht fassen.

Abtreibungsgegner geben Niederlage zu

Noch während die Auszählung der Stimmen lief, gestand das "No"-Lager seine Niederlage ein - zu eindeutig hatte sich bereits abgezeichnet, dass die Iren den Schutz des ungeborenen Lebens nicht mehr als gleichrangig betrachten wollen zum Leben der werdenden Mutter. Cora Sherlock von der "LoveBoth"-Kampagne der Abtreibungsgegner bedauert das Votum: "Es ist ein sehr trauriger Tag für Irland. Der Vorschlag der Regierung sieht vor, Abtreibungen auf Verlangen durchzuführen - und menschliches Leben zu töten. Darauf haben wir aufmerksam gemacht. Das Herz eines Babys schlägt bereits mit drei Wochen."

Referendum in Irland: Ja zu Recht auf Abtreibung
tagesthemen 23:10 Uhr, 26.05.2018, Julie Kurz, ARD London

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Froh und erleichtert ist dagegen der irische Premierminister: Leo Varadkar von der konservativen Fine Gael Partei - selbst früher Gegner einer Verfassungsänderung - hat sich überzeugen lassen, dass es an der Zeit ist für eine Liberalisierung. Seine Regierung hat die "Yes"-Seite ebenso unterstützt wie die Opposition. Für Varadkar ist die historische Entscheidung der Iren ein Beleg dafür, wie sich die irische Gesellschaft gewandelt hat: "Was wir hier gesehen haben, ist der Höhepunkt einer stillen Revolution, die sich in Irland in den vergangenen zehn bis 20 Jahren abgespielt hat. Das Volk hat gesprochen - und entschieden, dass wir eine moderne Verfassung für ein modernes Land wollen. Und dass wir Frauen vertrauen und ihre Entscheidungen respektieren."

Feiern Irland | Bildquelle: AFP
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Leo Varadkar, der konservative Ministerpräsident Irlands, hat sich auf die Seite des "Yes"-Lagers geschlagen.

Bis Ende des Jahres soll das Parlament nun ein Gesetz verabschieden, das Abtreibungen bis zur zwölften Woche nicht mehr unter Strafe stellt; danach ist ein Schwangerschaftsabbruch lediglich aus medizinischen Gründen erlaubt. Mit dieser Neuregelung folgt die Regierung dem Vorschlag einer Bürgerkommission.

Katholische Kirche verliert an Einfluss

Im Innenhof von Dublin Castle haben sich viele Iren versammelt, die diesen besonderen Moment gemeinsam erleben wollen. Einige Befürworter einer Lockerung des Abtreibungsverbots können es noch kaum fassen, dass sie tatsächlich gewonnen haben - dass irische Frauen bald nicht mehr ins Ausland reisen müssen, wenn sie eine Schwangerschaft beenden wollen: "Wir waren alle so nervös, wenn auch optimistisch. Langsam setzt das Gefühl der Erleichterung ein - und die Nerven beruhigen sich. Es ist ein seltsames Gefühl", sagt eine Befürworterin.

Die jüngeren Wähler haben Umfragen zufolge zu weit mehr als 80 Prozent ihr Kreuz bei "Yes" gemacht; lediglich die über 65-Jährigen waren mehrheitlich für "No". Die Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Wahlkreisen sind nicht so groß wie vorab vermutet. Auch das unterstreicht: Der Einfluss der skandalgeplagten Katholischen Kirche Irlands auf das Denken und das Handeln der Menschen ist vielerorts kaum noch spürbar.

Iren kippen Abtreibungsverbot
Stephanie Pieper, ARD London
26.05.2018 19:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. Mai 2018 um 20:00 Uhr.

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