Plakate hängen an einer Straße in Dublin, Irland. | Bildquelle: dpa

Referendum in Irland beendet "Es geht um Freiheit, um Autonomie"

Stand: 25.05.2018 23:00 Uhr

Irland hat abgestimmt und die Beteiligung war hoch: Wird das Verbot von Abtreibungen gelockert? Morgen steht das Ergebnis fest.

Von Stephanie Pieper, ARD-Studio London, z. Zt. Dublin

Tara Flynn ist am Morgen eine der ersten, die zu ihrem Wahllokal kommt, das sich im Gemeindehaus einer katholischen Kirche befindet, in einem wohlhabenden Viertel von Dublin. Auf diesen Tag hat die Schauspielerin lange gewartet. Sie selbst musste vor zwölf Jahren noch in die Niederlande fahren, um eine ungewollte Schwangerschaft zu beenden. Tara hat in der Kampagne dafür gekämpft dass den betroffenen Irinnen in ihrer Heimat geholfen wird. Deshalb bedeutet ihr diese Abstimmung "alles", wie sie sagt: "Es geht um Freiheit, um Autonomie".

Die 49-Jährige hofft, dass genug Gleichgesinnte ihr Kreuz bei "Yes" machen - für eine Änderung der irischen Verfassung, um das strikte Abtreibungsverbot zu kippen und Schwangerschaftsabbrüche zu erlauben. Auch der Ingenieur Stephen meint, die Zeit sei reif für einen Wandel: "Ich denke, es ist Zeit, dass das Land nach vorne blickt". Abtreibungen seien "eine unvollkommene Lösung für eine unvollkommene Welt", sagt der 37-Jährige.

Priester warben in ihren Predigten für ein Nein

Die meisten jüngeren Wähler werden wie er voraussichtlich mit Ja stimmen. Aber auch die 81-jährige Diane, die immer noch jeden Morgen in die Kirche geht, ist vehement für ein Recht auf Abtreibung. Frauen in Irland seien zu lange ignoriert worden, sagt sie. Die Kirche habe das Recht verloren, den Menschen zu diktieren, was sie zu tun und zu lassen haben.

Die skandalgeplagte Katholische Kirche Irlands hat sich aus der öffentlichen Kampagne weitgehend herausgehalten, auch wenn viele Priester in ihren Gottesdiensten für ein Nein geworben haben. "Bewusst ein Leben zu beenden, halte ich für etwas Schreckliches", sagt ein Kirchenmann, für den jedes Leben vom Moment der Empfängnis an heilig ist.

Dublin wird wie die anderen großen Städte voraussichtlich mit klarer Mehrheit für eine Liberalisierung votieren; gleichwohl gibt es auch in diesem Wahllokal in der Hauptstadt etliche, die gegen eine Lockerung sind.

"Ich habe für das Leben abgestimmt - dafür, das Leben ungeborener Kinder zu schützen", sagt eine Frau, die ihren Namen nicht nennen möchte.

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Regierung und Opposition sind vereint für die Streichung des achten Verfassungszusatzes. Bei einem "Yes"-Votum sollen die Abgeordneten bis Ende des Jahres ein Abtreibungsgesetz verabschieden. Vorgesehen ist, dass Frauen eine Schwangerschaft bis zur zwölften Woche beenden könnten.

Die Wähler in Dublin gehen, wie die letzten Umfragen, davon aus, dass es so kommt. Viele rechnen aber mit einem knappen Ausgang. Auch Tara Flynn ist nervös: "Das Ergebnis wird wohl knapp ausfallen, also hoffentlich in die richtige Richtung", sagt sie.

Mehr als drei Millionen wahlberechtigte Iren entscheiden sich in diesem Abtreibungsreferendum zwischen einem restriktiven "Weiter so" und einem gesellschaftlichen Aufbruch - dem nächsten, nach dem überwältigenden Ja zur Ehe für gleichgeschlechtliche Paare vor drei Jahren. Ausgezählt werden die Stimmen erst morgen früh.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 25. Mai 2018 um 11:10 Uhr.

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