Jafar Panahi auf einem Balkon in Teheran

Iranischer Regisseur Panahi verurteilt Sechs Jahre Haft wegen "Propaganda"

Stand: 21.12.2010 21:18 Uhr

Er gehört zu den prominentesten Künstler des Irans: der Regisseur Jafar Panahi. Nun wurde er zu sechs Jahren Haft und 20 Jahren Berufsverbot verurteilt - wegen "Propaganda gegen das System". Das harte Urteil wirft ein bezeichnendes Licht auf die innenpolitische Lage des Landes.

Von Ulrich Pick, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

Die Höhe der Verurteilung von Jafar Panahi kommt überraschend. Sechs Jahre Haft und 20 Jahre Berufsverbot für einen Künstler hat es bislang im Iran noch nicht gegeben. Das wirft ein bezeichnendes Licht auf die innenpolitische Lage des Landes. Panahi ist einer der bekanntesten Filmemacher der Islamischen Republik. Der 50-Jährige, der einst Assistent von Abbas Kiarostami war, hat im Laufe seiner Karriere fast alle großen europäischen Filmpreise geholt. So gewann sein Debüt-Film "Der weiße Ballon" 1995 die goldene Kamera in Cannes, in Venedig bekam er 2000 für "Der Kreis" den Goldenen Löwen und in Berlin erhielt "Offside" 2006 den silbernen Bären.

Unterstützer der "Grünen Bewegung"

Bei den umstrittenen Präsidentschaftswahlen vom Juni vergangenen Jahres unterstützte er die Grüne Bewegung von Mir Hussein Mussawi. Im März wurde Panahi, dem kurz zuvor die Ausreise als Ehrengast zu den Filmfestspielen in Berlin verweigert worden war, in seinem Haus in Teheran festgenommen - zusammen mit seiner Frau, seinen Kindern und Gästen. Er kam ohne konkrete Anklage ins Gefängnis, wo er 88 Tage blieb und in einen Hungerstreik trat, weil er unter anderem einen Rechtsanwalt eigener Wahl forderte.

Jafar Panahi auf einem Balkon in Teheran

Jafar Panahi reagierte auf seine Verhaftung mit einem scharfen öffentlichen Brief - und bekommt nun die Härte des Regimes zu spüren.

Nachdem sich zahlreiche internationale Intellektuelle für seine Freilassung eingesetzt hatten - unter ihnen Michael More, Steven Spielberg, Robert Redford, aber auch der sonst zurückhaltende Abbas Kiarostami - kam er gegen Zahlung einer Kaution von 200.000 Dollar wieder frei, stark abgemagert infolge des Hungerstreiks.

"Prozess gegen alle Künstler im Iran"

Kurz darauf verfasste er von Italien aus einen ausgesprochen scharfen, öffentlichen Brief. In diesem bezeichnete er sich selbst als Opfer von Ungerechtigkeit. Gleichzeitig nannte er seine Gefangennahme "einen Witz". Den Prozess gegen ihn bezeichnete er als "Prozess gegen alle Künstler im Iran". In seinem jetzigen Urteil heißt es, er habe sich der "Propaganda gegen das System" schuldig gemacht. Konkret wird im vorgeworfen, er habe einen regimekritischen Film über die Wahlen und die anschließenden Ausschreitungen vorbereiten wollen. Der französische Kulturminister Frederic Mitterand protestiert bereits scharf gegen die Verurteilung Panahis und forderte seine Freilassung.