Das Atomkraftwerk Buschehr im Iran | Bildquelle: dpa

Abkehr vom Atomabkommen Iran nimmt schnellere Zentrifugen in Betrieb

Stand: 07.09.2019 10:02 Uhr

Der Iran hat sich wie angekündigt weiter vom Atomabkommen distanziert. Die Regierung erlaubte, leistungsstärkere Zentrifugen zur Urananreicherung einzusetzen. Sie signalisierte aber weiter Verhandlungsbereitschaft.

Das internationale Atomabkommen erlaubt dem Iran lediglich die Anreicherung von Uran mit Zentrifugen der sogenannten ersten Generation. Jetzt hat der Chef der nationalen Atomenergiebehörde verkündet, leistungsstärkere Zentrifugen seinen in Betrieb genommen worden. Das Land habe begonnen, Gas in höher entwickelte Zentrifugen einzuleiten, sagte Behrus Kamalwandi. So solle die Urananreichrung schneller und effektiver werden.

Der Iran unternimmt damit einen weiteren Schritt zum Rückzug aus dem Abkommen. Kamalwandi betonte aber, weiter mit der internationalen Atomenergiebehörde IAEA kooperieren zu wollen: "Die Zusammenarbeit werden wir aber auch in dieser neuen Phase weiterführen und auch den Zugang von IAEA-Inspektoren zu den Anlagen nicht einschränken."

Präsident Hassan Rouhani hatte am Freitag erklärt, die Atomenergiebehörde solle alles in Angriff nehmen, was für den Ausbau der nationalen Atomtechnologie und für die Forschung notwendig ist. Mit schnelleren Zentrifugen könnte das Land den Anreicherungsgrad von Uran auf 20 Prozent erhöhen. Die vom Atomabkommen erlaubte Obergrenze beträgt nur 3,67 Prozent. Vor zwei Monaten hatte die iranische Atombehörde diese bereits auf 4,5 Prozent erhöht.

Bau von Atomwaffen rückt näher

Der Anreicherungsgrad ist ein zentraler Punkt des Atomabkommens, das den Bau einer iranischen Atomwaffe verhindern soll. Für den Bau von Atombomben wird auf 90 Prozent angereichertes Uran benötigt. Die Anreicherung von 20 auf 90 Prozent gilt jedoch als relativ kurzer Weg. Der Iran hat auch seinen Uranvorrat von den erlaubten 300 auf 357 Kilogramm erhöht.

Diplomatische Bemühungen

Die USA waren 2018 einseitig aus dem Atomabkommen ausgestiegen. Sie wollen den Iran mit Sanktionen zwingen, ein neues Abkommen mit härteren Auflagen auszuhandeln. Die anderen Vertragspartner, darunter auch Deutschland, Frankreich und Großbritannien, versuchen, die Vereinbarung zu retten.

Zuletzt hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine diplomatische Initiative gestartet und Irans Außenminister Mohammed Zarif dazu überraschend zum G7-Gipfel nach Biarritz eingeladen.

Was vom Atomdeal übrig bleibt: Der Iran und die dritte Eskalationsstufe
Katrin Kleinbrahm, SWR
07.09.2019 10:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. September 2019 um 10:00 Uhr.

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