Irans Präsident Hassan Rouhani | Bildquelle: AP

Streit um Atomabkommen Iran lehnt Trumps Gesprächsangebot ab

Stand: 12.05.2019 10:27 Uhr

Irans Präsident Rouhani hat das Gesprächsangebot von US-Präsident Trump vorläufig abgelehnt. Trump solle zuerst den Teilausstieg aus dem Atomabkommen und die Sanktionen zurücknehmen.

Der iranische Präsident Hassan Rouhani hat das Gesprächsangebot von US-Präsident Donald Trump vorläufig abgelehnt. "Kapitulation ist mit unserer Mentalität und Religion nicht vereinbar und wir werden daher in dieser Situation auch nicht kapitulieren", sagte Rouhani laut Webportal des Präsidialamts.

Er schloss Verhandlungen mit Trump nicht gänzlich aus. Seine Bedingung sei jedoch, dass der US-Präsident zunächst den Ausstieg aus dem Wiener Atomabkommen von 2015 und die Sanktionen gegen Teheran zurücknehme.

Rouhani: Iran in schwieriger Lage

Trump hatte der iranischen Führung am Donnerstag vorgeschlagen, ihn anzurufen, um über den Konflikt zwischen beiden Ländern zu sprechen. Rouhani räumte ein, der Iran sei derzeit in einer schwierigen Lage. Er betonte aber zugleich, das Land werde Widerstand leisten und gemeinsam nach geeigneten Lösungen suchen.

Donald Trump | Bildquelle: AFP
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US-Präsident Donald Trump hinterließ angeblich eine Telefonnummer in der Schweizer Botschaft für Rouhani.

Trump soll Medienberichten zufolge der Schweizer Botschaft in Teheran, die die diplomatischen Interessen der USA im Iran vertritt, auch eine Telefonnummer gegeben haben, unter der Rouhani ihn anrufen könne. Dies führte in sozialen Medien zu spöttischen Reaktionen, unter anderem zu dem Aufruf: "Call me first" (Ruf mich zuerst an).

Vergleich mit Irak-Krieg 1980

Rouhani verglich den "Wirtschaftskrieg" der USA gegen den Iran mit dem Krieg zwischen Iran und Irak von 1980 bis 1988. Dieser Krieg hatte mit einem Angriff des Regimes von Saddam Hussein auf den Iran begonnen und Hunderttausende Menschen das Leben gekostet. Der derzeitige "Krieg" sei aber problematischer. "Damals (1980) hatten wir nicht die Probleme mit unserem Ölexport und der Zusammenarbeit mit den internationalen Banken", sagte der iranische Präsident.

Unter den jüngsten US-Sanktionen leidet besonders der iranische Ölexport, die Haupteinnahmequelle des Landes. Auch der Handel mit dem Ausland wurde durch die amerikanischen Sanktionen im Bankensektor praktisch lahmgelegt. Die internationalen Banken wollen aus Angst vor US-Strafen iranische Handelsprojekte nicht finanzieren.

Grüne: Maas soll nach Teheran reisen

Omid Nouripour, Außenpolitischer Sprecher der Grünen | Bildquelle: dpa
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Omid Nouripour, Außenpolitischer Sprecher der Grünen: "Lage zu ernst für Appelle aus der Ferne."

Die Grünen drängen Außenminister Heiko Maas angesichts des aus ihrer Sicht eskalierenden Konflikts am Persischen Golf zu einem Besuch in Teheran - und zwar "schleunigst". Die Bundesregierung müsse mehr tun, um das Atomabkommen mit dem Iran zu bewahren, sagte Omid Nouripour, außenpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag, dem "Spiegel".

Für Krisendiplomatie seien direkte Gespräche nötig, unterstrich Nouripour. "Vor dem Hintergrund der zunehmenden Kriegsgefahr im Persischen Golf sollte Heiko Maas schleunigst nach Teheran reisen, um zu versuchen, Iran im Atomabkommen zu halten." Die Lage sei inzwischen "zu ernst für Appelle aus der Ferne".

Rohani will vorerst nicht mit Trump reden
Karin Senz, ARD Istanbul
12.05.2019 11:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Mai 2019 um 12:00 Uhr.

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