Die mutmaßlichen Überreste einer abgeschossenen US-Drohne werden von der iranischen Revolutionsgarde präsentiert.  | Bildquelle: dpa

Iran und USA Gefährlich nah am Krieg

Stand: 21.06.2019 15:14 Uhr

Eine militärische Konfrontation zwischen dem Iran und den USA scheint gefährlich nah. Einen bereits geplanten US-Angriff bläst Trump in letzter Minute ab. Das iranische Staatsfernsehen veröffentlicht neue Fotos.

Die Situation am Persischen Golf schaukelt sich gefährlich hoch. Nach dem Abschuss einer US-Drohne durch die iranischen Revolutionsgarden war ein US-Vergeltungsangriff bereits beschlossen und genehmigt worden. Entsprechende Meldungen der "New York Times" bestätigte US-Präsident Donald Trump via Twitter inzwischen. Es seien bereits Kampfflugzeuge in der Luft und Schiffe in Stellung gewesen, als Trump die Attacken auf einige Radar- und Raketenstellungen doch nicht ausführen ließ.

Er habe einen Militärschlag gegen den Iran nach eigenen Angaben wegen der befürchteten Opfer abgesagt, schrieb Trump. Die vom US-Militär erwarteten 150 Todesopfer wären im Vergleich zum Abschuss einer US-Drohne durch den Iran "unverhältnismäßig" gewesen.

Vorwarnung via Oman?

Zuvor soll Trump den Iran vor einem unmittelbar bevorstehenden Militärangriff gewarnt haben. Der Iran habe in der Nacht zu Freitag via Oman eine Vorwarnung über einen bevorstehenden US-Angriff erhalten, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters mit Verweis auf einen iranischen Regierungsvertreter. Trump habe mitgeteilt, er wolle keinen Krieg, sondern Gespräche. Für eine Antwort habe er eine kurze Frist gesetzt. Die iranische Führung habe ebenfalls via Oman unmittelbar geantwortet und erklärt, eine Entscheidung obliege dem geistlichen und staatlichen Oberhaupt des Irans, Ajatollah Ali Chamenei.

Ein zweiter iranischer Regierungsvertreter sagte Reuters, dem Vertreter Omans sei mitgeteilt worden, dass jeder Angriff auf den Iran regionale und internationale Konsequenzen nach sich ziehen würde. Für solche Konsequenzen hätten die USA die Verantwortung zu tragen, erklärte das iranische Außenministerium gegenüber dem Schweizer Botschafter in Teheran. Da die USA und der Iran keine diplomatischen Beziehungen zueinander unterhalten, vertritt der Schweizer Botschafter in Teheran die Interessen der USA.

Der iranische Sicherheitsrat wies die Berichte zurück, wonach Trump den Iran über die Regierung des arabischen Golfstaates Oman gewarnt haben soll, dass ein Militärschlag bevorstehe. Ebenso dementiert wurde, dass es eine Botschaft Trumps gebe, wonach er keinen Krieg, sondern Gespräche mit der Führung in Teheran wolle und dafür eine Frist gesetzt habe.

Revolutionsgarden präsentieren Wrackteile

Das iranische Staatsfernsehen zeigte unterdessen Wrackteile, die von der abgeschossenen US-Aufklärungsdrohne stammen sollen. Ein General der Revolutionsgarden sagte dazu, die Wrackteile seien im Meer innerhalb der iranischen Hoheitsgewässer geborgen worden. Andere Teile des Wracks seien gesunken. Das unbemannte Fluggerät hat eine größere Spannweite als eine Boeing 737 und kostet mehr als 100 Millionen Dollar.

Der Iran betont, die Drohne sei abgeschossen worden, weil sie an der Straße von Hormus den iranischen Luftraum verletzt habe. Nach US-Angaben schossen die iranischen Revolutionsgarden das unbemannte Fluggerät jedoch im internationalen Luftraum ab. Beide Seiten veröffentlichten angebliche Koordinaten des Abschussortes.

Der Vorfall hatte die ohnehin angespannte Lage in der Golfregion weiter verschärft. Erst vergangene Woche waren zwei Tanker im Golf von Oman attackiert worden. Die USA machen den Iran dafür verantwortlich, doch weist die Führung in Teheran die Vorwürfe zurück.

Merkel spricht von "angespannter Situation"

Angesichts dessen wächst international die Sorge vor einem Krieg. Zahlreiche Fluggesellschaften überfliegen den iranischen Luftraum nicht mehr, inklusive der Straße von Hormus und dem Golf von Oman. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach am Rande des EU-Gipfels von einer "sehr angespannten Situation", die auf diplomatische und politische Weise gelöst werden müsse. Deutschland werde in diesem Sinne versuchen, auf den Iran einzuwirken, ergänzte eine Regierungssprecherin in Berlin. US-Präsident Trump habe mehrfach betont, keinen Krieg mit dem Iran zu wollen. Das sei zu begrüßen. Auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres mahnte die Konfliktparteien zu Besonnenheit. Russland warf den USA vor, den Konflikt mit dem Iran anzuheizen.

Der Abschuss der Drohne ist eine weitere Eskalation, ein Test für die Trump-Regierung, wie ernst sie es meint mit ihrer Politik des maximalen Drucks auf den Iran. Sie hatte das Atom-Abkommen einseitig aufgekündigt, das den Iran abhalten sollte, eigene Atomwaffen zu entwickeln. Die Sanktionen wurden verschärft, mit dem Ziel, iranische Ölexporte zu stoppen. Erst am Montag hatte das Pentagon angekündigt, weitere 1000 Soldaten in den Nahen Osten zu schicken, um US-Truppen und Interessen der USA in der Region zu schützen.

Stolpert Trump in einen Krieg?

Im Kapitol versuchten führende Politiker, eine Eskalation zu verhindern. Der oberste Demokrat im Senat, Chuck Schumer, sagte, der Präsident müsse dem amerikanischen Volk erklären, warum er das Land zu einem neuen, endlosen Konflikt im Nahen Osten steuere.

"Der Präsident mag nicht vorhaben, einen Krieg zu beginnen. Wir haben die Sorge, dass er in einen Krieg stolpert. Der beste Weg, das zu verhindern, ist eine robuste, offene Debatte zu führen und den Kongress mitreden zu lassen."

Ein Krieg gegen den Iran bräuchte die Zustimmung des Kongresses - dieser Überzeugung sind auch viele von Trumps Republikanern. Bei ihnen gibt es Stimmen, die ein härteres Vorgehen gegen Iran den verlangen. Außenminister Mike Pompeo und der nationale Sicherheitsberater John Bolton sprachen sich für scharfe Reaktionen aus. Adam Schiff, der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses des Repräsentantenhauses sagte hingegen, "der Präsident hat definitiv zugehört", als Kongressführer ihn bei dem Treffen drängten, vorsichtig zu sein und die ohnehin angespannte Situation nicht zum Eskalieren zu bringen.

Über dieses Thema berichteten am 21. Juni 2019 die tagesschau um 12:00 Uhr und Deutschlandfunk um 12:11 Uhr.

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