Der Öltanker "Grace 1" in den Gewässern vor Gibraltar. | Bildquelle: TONY HOGWOOD/MARINETRAFFIC HANDO

Öl aus dem Iran für Syrien Viel Streit um einen Öltanker

Stand: 05.07.2019 18:47 Uhr

Durfte die "Grace 1" Öl nach Syrien bringen? Der Tanker wurde vor Gibraltar beschlagnahmt. Und nun streiten der Iran, Großbritannien und die USA - nur Spanien weiß noch nicht, ob es auch mitmischen will.

Mutmaßliche Öllieferungen aus dem Iran nach Syrien haben einen internationalen diplomatischen Streit ausgelöst. Der Öltanker "Grace 1" war am Donnerstagmorgen vor der iberischen Halbinsel Gibraltar von der Polizei und Zollbehörde des britischen Territoriums gestoppt worden. Auch die britische Marine sei an dem Einsatz beteiligt gewesen. Nach Angaben der Regierung Gibraltars wurde das Schiff und dessen Rohöl-Ladung beschlagnahmt.

Verstoß gegen EU-Sanktionen?

Der Iran übt massive Kritik an der aus seiner Sicht illegalen Aufbringung des Tankers und spricht von einem Akt der Piraterie. Die Revolutionsgarde im Iran drohte damit, als Reaktion einen britischen Tanker festsetzen zu wollen. "Der islamische Iran hat in seiner 40-jährigen Geschichte nie Kampfhandlungen in Streitigkeiten angefangen, aber er hat auch nicht gezögert, auf Schikanen zu reagieren", twitterte der Major der Elitetruppe, Mohsen Resai.

Hintergrund des Streits sind die seit 2011 geltenden EU-Sanktionen gegen Syrien, die unter anderem ein Ölembargo beinhalten. Von den Strafmaßnahmen sind insgesamt 270 syrische Staatsangehörige und 70 Unternehmen des Landes betroffen. Trotzdem sei die Fracht der "Grace 1" nach Angaben von Gibraltars Regierungschef Fabian Picardo offenbar für die Banjas-Raffinerie in Syrien bestimmt gewesen. Darum sei das Schiff auf ein Gesuch vonseiten der USA und Großbritanniens hin gestoppt und beschlagnahmt worden.

Der Oberste Gerichtshof von Gibraltar verlängerte die Beschlagnahme am Donnerstagabend um weitere 14 Tage - bis zum 19. Juli dürfen die Behörden den Tanker nun festhalten. Die Besatzung des Schiffes sowie dessen indischer Kapitän seien als Zeugen vernommen worden, hieß es vonseiten der Behörden.

Ein Soldat der britischen Marine bei der Beschlagnahme des Öltankers "Grace 1". | Bildquelle: RAF/BRITISH MINISTRY OF DEFENCE/
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Am Einsatz, bei dem die "Grace 1" vor Gibraltar aufgebracht wurde, war auch die britische Marine beteiligt.

Iran bestellt britischen Botschafter ein

Die iranische Führung hingegen betont, das Schiff habe sich in internationalen Gewässern bewegt, daher habe Großbritannien "kein Recht, seine eigenen einseitigen Sanktionen oder diejenigen der Europäischen Union außerhalb des Territoriums gegen andere Länder zu verhängen". Teheran bestellte den britischen Botschafter Rob Macaire ins Außenministerium und soll ihm Dokumente vorgelegt haben, die zeigen sollen "dass der Weg des Schiffes absolut legal war", wie es in einer Mitteilung des Ministeriums hieß.

Die USA haben die Beschlagnahme der "Grace 1" begrüßt. Sicherheitsberater John Bolton sprach auf Twitter von "exzellenten Neuigkeiten". Seit dem einseitigen Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran 2018 nehmen die Spannungen zwischen den beiden Nationen beständig zu. Auch die USA haben mehrfach Sanktionen gegen den Iran verhängt, die vor allem die Wirtschaft des Landes schwächen sollen. Auch sie zielen auf die Ölexporte als eine der wichtigsten Einnahmequellen des Iran.

In Spanien hingegen will die Regierung das Aufbringen der "Grace 1" prüfen, "wie sich dieser Einsatz auf unsere Souveränität auswirkt", sagte der spanische Außenminister Josep Borrell. Der Grund ist der territoriale Streit um Gibraltar. Großbritannien sieht die Halbinsel als Teil des Vereinigten Königreichs, was in Spanien auf Gegenwehr stößt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Juli 2019 um 14:30 Uhr.

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